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Web 3.0 : Das Internet der nächsten Generation

  • -Aktualisiert am
Wolfram Alpha ist eine Wissensmaschine, keine Suchmaschine
          3 Min.

          Wer Google fragt, erhält Links. Wer Wolfram Alpha fragt, bekommt Antworten. Die „Wissensmaschine“ des Mathematikgenies Stephen Wolfram spuckt auf die Frage nach der Temperatur in einer Stadt eine Grafik mit dem Temperaturverlauf der vergangenen Tage und eine Vorhersage für die kommenden Tage aus. Die Frage nach der Zahl der Internet-Nutzer in Europa beantwortet Wolfram Alpha mit 289,9 Millionen und den Nutzerzahlen in den fünf größten Ländern, während Google einen Link zur Seite „Internetworldstats“ bringt, wo der Nutzer selbst weitersuchen muss.

          Aber ist Wolfram Alpha, die noch in diesem Monat online gehen soll, in der Lage, als lange erwarteter „Google-Killer“ dem Suchmaschinenprimus Paroli bieten zu können? „Nein. Wolfram Alpha ist nett, aber definitiv kein Google-Killer“, sagte Harald Sack, Fachmann für das semantische Internet am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, dieser Zeitung. Denn Wolfram Alpha durchsucht nicht das riesige Internet, sondern nur vorab definierte öffentliche und lizenzierte Quellen. „Die Identifikation guter Quellen ist entscheidend“, sagte Wolfram in einer Online-Präsentation. Diese Daten werden nach den Regeln des sogenannten semantischen Internet aufbereitet. Der natürlichen Sprache werden dabei feste Bedeutungen zugeordnet, so dass Computer sie verstehen. Nur dann kann der Computer im Moment der Suchanfrage durch eine Verknüpfung der Daten neues Wissen generieren und wirkliche Antworten statt Links auswerfen.

          „Semantik macht Suche überflüssig“

          Auch wenn weder Wolfram Alpha noch andere semantische Suchmaschinen wie Powerset und Hakia dem Google-Algorithmus bisher die Stirn bieten können, gilt das semantische Internet als Schlüssel zur Suche der nächsten Generation. Das Konzept, das der World-Wide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee schon in den neunziger Jahren entwickelt und mit dem Linked Data Projekt 2006 vereinfacht hat, verlässt gerade praxistauglich die Labore der Computerwissenschaftler. Erste Einsatzfelder sind Unternehmensnetze, weil die Datenmenge eingrenzbar ist.

          Anbieter wie das Darmstädter Unternehmen Conweaver oder die Schweizer Firma Iqser verknüpfen die vorhandenen Datenbestände in Unternehmen miteinander. Semantische Suchen sollen bessere Ergebnisse als gewöhnliche Volltextsuchen ergeben. Denn die Ergebnisse werden strukturiert angezeigt, sind nach Kategorien geordnet und ermöglichen es, schneller die gewünschte Information zu finden. Idealerweise können die Beschäftigten ihre gewünschten Informationen vorab definieren und bekommen sie dann automatisch angezeigt. „Die Semantik macht dann die Suche überflüssig“, sagt Jörg Wurzer von Iqser.

          „Google ist das nächste Google“

          Die Vorteile des semantischen Web lassen sich auch auf das öffentliche Internet übertragen. Der nächste große Schritt in der Internet-Suche wird der Abschied von den langen Listen mit Suchtreffern. „Der Suchraum wird strukturiert. Das gleicht dann einem Schaufensterbummel durch die Daten“, sagte Sack. Die Suchtreffer werden zueinander in Beziehung gesetzt und automatisch Kategorien zugeordnet. Der Suchende kann die Treffer dann sehr schnell eingrenzen und das Gewünschte schneller finden als in einer langen Liste.

          Die semantische Suche wird für den Massenmarkt allerdings erst dann interessant, wenn die Menge der strukturierten, aufbereiteten Daten groß genug ist. Diese Aufgabe wird aufgrund der notwendigen Infrastruktur nach Ansicht von Sack kein Start-up leisten können. „Wenn, dann wird Google die nächste Generation der Suchmaschine selbst herausbringen“, sagte Sack. Denn die benötigte Rechenkraft, um aus dem vorhanden Wissen im Internet neues Wissen zu generieren, ist gewaltig. Die Fähigkeit, sich neues Wissen anzueignen, hat Google sowieso. „Es gibt immer neue Suchmaschinen, deren Technik in der Presse hochgejubelt wird. Sie können mir glauben: Wir arbeiten auch an all diesen Techniken und werden sie einsetzen, wenn sie unser Produkt besser machen“, sagte Google-Forschungsdirektor Peter Norvig dieser Zeitung schon 2007. Inzwischen sind erste Ansätze bei Google zu finden, auch wenn der mächtige Algorithmus weiter im Zentrum steht. Auch Tim O’Reilly, Web-2.0-Erfinder und Internet-Vordenker, glaubt nicht an einen Google-Killer. „Was ist mit all den Suchmaschinen, die das nächste Google werden wollten? Nichts. Google ist das nächste Google“, sagte O’Reilly. Zuletzt hatte der Anbieter Cuil nach vollmundigem Start Schiffbruch erlitten.

          Was bringt Microsofts neue Suchmaschine?

          Einzig der Softwaregigant Microsoft scheint genügend Geld zu haben, um in diesem Spiel noch mitzumischen. Im vergangenen Jahr hat Microsoft für einen dreistelligen Millionenbetrag Powerset gekauft. Zwar verliert auch Microsoft im Suchmaschinengeschäft Geld und Monat für Monat Marktanteile gegen Google. Doch geschlagen gibt sich das Unternehmen nicht. „Google dominiert die Suche und hat in Deutschland sogar 90 Prozent Marktanteil. Aber Google hat die Schlacht nicht gewonnen. Microsoft gibt nicht auf“, sagte der Microsoft-Chef Steve Ballmer. Die Suche sei noch lange nicht ausgereift. Hier sei in den nächsten Jahren noch genug Verbesserungspotential. Schon in wenigen Wochen könnte die neue Suchmaschine von Microsoft live gehen. Ein abermaliger Namenswechsel – nach MSN und Live Search zum wahrscheinlichen neuen Namen Kumo – soll endlich den Umschwung bringen.

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