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Web 2.0 : Deutschland 2.0: Die neue Internetwelle

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Jongleur Gadowski Bild: Christoph Busse - F.A.Z.

Nach dem Rückschlag zu Beginn des Jahrzehnts gibt es wieder erfolgreiche Gründer im Netz. Wer 2002 noch belächelt wurde, ist nun obenauf. Den Risikokapitalgebern sitzt das Geld wieder lockerer. Der Erfolg von Studi-VZ und Xing gibt ihnen Recht: Die Plattformen sind bereits Millionen wert.

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          „Die Rendite ist unseriös“, sagt Lukasz Gadowski und grinst beglückt. Er ist einer der Gründungsinvestoren von Studi VZ, dem Internet-Netzwerk für Studenten. Ende 2005 hat er 5000 Euro Startkapital beigesteuert, um die Seiten aufzubauen, auf denen Studenten ihr Profil anlegen und Freunde suchen können.

          Gerade wurde das Netzwerk für einen Betrag zwischen 50 und 100 Millionen Euro an den Holtzbrinck-Verlag verkauft. Die drei Firmenchefs Ehssan Dariani, Dennis Bemmann und Michael Brehm haben gemeinsam mit Investoren wie den Samwer-Brüdern und Gadowski ihren Gewinn mitgenommen - und das mit einem Unternehmen, das noch nicht einmal Umsätze macht, geschweige denn Gewinne verzeichnet (siehe dazu auch: Interview mit Oliver Samwer: „Wir sind einen Schritt weiter“).

          Wer 2002 belächelt wurde, ist nun obenauf

          Im Internet haben Gründer wieder Oberwasser. Vorbei ist die Zeit der Depression nach dem Absturz der New Economy, als niemand mehr bereit war, Geld für das Internet auszugeben, und als neue Seiten im Netz zu gestalten als „brotlose Kunst“ verschrien war. Wer 2002 belächelt wurde, ist nun obenauf. In Amerika erlebt das sogenannte Web 2.0, das Internet zum Mitmachen, einen Aufschwung. Die Videoseite Youtube, 2005 gegründet, wurde Ende 2006 für mehr als eine Milliarde Dollar von Google übernommen. Schon 2005 kaufte der Medienkonzern New Corp. von Rupert Murdoch für 580 Millionen Dollar Myspace, das bisher größte Netzwerk von Freunden im Internet.

          Auch in Deutschland gibt es einige Erfolgsgeschichten - zum Beispiel die von Lukasz Gadowski. Lange vor seiner Beteiligung an Studi VZ gründete er 2002, noch als Student, das Unternehmen Spreadshirt. Die Idee: Menschen können bei ihm T-Shirts bestellen, deren Motive sie selber entwickeln. Die Internetnutzer gestalten das Shirt, Spreadshirt bedruckt und verschickt es, Mindestbestellmenge: ein Stück. Außerdem kann jeder einen Spreadshirt-Shop auf seiner Internetseite eröffnen und dort eigene Artikel verkaufen. Ein virtuelles Spreadshirt-Geschäft haben zum Beispiel die norddeutsche Hiphop-Band Fettes Brot und Oliver Kahn.

          Kein Geld und keine Kontakte

          Die Bestellungen landen in Leipzig. Von dort aus verschickt Spreadshirt nach ganz Europa. Mehr als 50.000 Artikel gingen monatlich auf die Reise, teilt das Unternehmen mit, über Umsatz- und Gewinnzahlen spricht es jedoch nicht. Mittlerweile wurde eine Niederlassung in den Vereinigten Staaten gegründet, die dort fleißig gegen den größten Konkurrenten Cafepress ankämpft. 150.000 Shoppartner hat Spreadshirt, Cafepress hat schon über eine Million, außerdem gibt es die amerikanische Seite schon deutlich länger, seit 1999. Trotzdem will Gadowski nicht abgekupfert haben. „Die Idee hatte ich schon im Hinterkopf, bevor ich Cafepress gesehen habe.“

          Damals war er Student an der Handelshochschule in Leipzig, hatte kein Geld und keine Kontakte. „Zu der Zeit hatte das Internet den Ruf als reine Geldvernichtungsmaschine.“ Also startete er klein in einer Ecke im Keller der Handelshochschule, machte zunächst kleine Umsätze, wuchs langsam, aber stetig. Mittlerweile ist mehr Geld da, ein Risikokapitalgeber ist eingestiegen. Verkaufen wollen die Eigner aber angeblich in nächster Zeit nicht.

          Auf der Suche nach Ideen im Netz

          Oliver Samwer betrachtet Spreadshirt als eine Firma, die an die Börse gehen könnte. Samwer war mit seinen Brüdern Alexander und Marc bei der ersten Internetwelle in Deutschland sehr erfolgreich. Die drei bauten damals die Handelsplattform Alando auf, die sie nach weniger als einem halben Jahr für rund 50 Millionen Dollar an Ebay verkauften. Seither sind sie als Investoren unterwegs, suchen neue Ideen im Netz. Bei Spreadshirt sind sie nicht dabei, doch Samwer glaubt, dass die Firma eine von drei bis vier deutschen Internetunternehmen ist, die in den kommenden zwei Jahren an die Börse gehen könnten.

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