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Wachsender Markt : Ebay steigt in die Internet-Werbung ein

  • -Aktualisiert am

Will sich Online-Werbung greifen: das Internet-Auktionshaus Ebay Bild: ddp

„Nur Ebay weiß, für welche Produkte sich die Nutzer interessieren. Entsprechend zielgerichtet können wir Werbung ausliefern“, so brachte es der neue Ebay-Werbechef auf den Punkt. Da scheint es nur folgerichtig, offensiv in den Markt einzusteigen.

          Für den Paukenschlag auf dem Online-Werbemarkt sorgte Ebay: Der Internetmarktplatz kündigte auf der Online-Marketingmesse OMD in Düsseldorf den Einstieg in die Internet-Werbung an. Künftig sollen graphische Werbeformen wie Banner zielgerichtet zum Interesse der Nutzer auf den Ebay-Seiten erscheinen. „Nur Ebay weiß, für welche Produkte sich die Nutzer interessieren, was sie kaufen und welche Umsätze damit erzielt werden. Entsprechend zielgerichtet können wir Werbung ausliefern“, sagte Frank Bachér, Geschäftsführer der neu gegründeten Ebay-Werbetochtergesellschaft, der damit an Werbebudgets herankommen will, die der Online-Werbewirtschaft bisher verschlossen waren.

          Allerdings sollen gewerbliche Internet-Händler keinen Zutritt erhalten. „Wir werden unseren eigenen Powersellern keine Konkurrenz machen. E-Commerce-Anbieter sind daher ausgeschlossen. Wir setzen einzig auf Markenkampagnen“, sagte Harald Eisenächer, neuer Ebay-Geschäftsführer für Marketing.

          „Wir wollen schneller wachsen als der Markt“

          Ebay hat mit rund 18 Millionen Besuchern im Monat eine der größten Internetseiten in Deutschland. Zusammen mit dem konzerneigenen Fahrzeugmarkt Mobile.de erreicht Ebay rund die Hälfte aller deutschen Internetnutzer und ist damit etwa gleich groß wie der reichweitenstärkste deutsche Online-Vermarkter United Internet. Entsprechend hoch ist der Anspruch: „Wir wollen einer der größten Online-Vermarkter in Deutschland werden“, sagte Eisenächer. Konkrete Geschäftsziele nannte er nicht. „Wir wollen schneller wachsen als der Markt“, sagte er.

          Der Markt für Online-Werbung wird in diesem Jahr um etwa 30 Prozent zulegen, lautet die übereinstimmende Erwartung in der ganzen Branche auf einer Messe, die scheinbar aus allen Nähten zu platzen schien. Der Online-Werbemarkt wird in diesem Jahr auf mehr als 2,5 Milliarden Euro wachsen, erwartet der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft. Nach Schätzung der Fachleute wird das Internet schon bald einen Anteil an der Medienzeit von etwa 18 Prozent an den Werbebudgets erreichen.

          Den Löwenanteil des Geschäfts macht Google

          Der wichtigste Umsatzträger ist das Marketing in den Suchmaschinen, für das Unternehmen in Deutschland nach OVK-Schätzungen rund 1,15 Milliarden Euro in diesem Jahr ausgeben werden. Da Marktführer Google seine Umsätze nicht offenlegt, könnte dieser Wert sogar noch deutlich zu niedrig gegriffen sein. „Die Branche boomt. Suchmaschinenmarketing verzeichnet von allen Werbeformen den größten Umsatzzuwachs. Allein in Deutschland soll der Umsatz auf rund 3,9 Milliarden Euro bis 2012 steigen“, sagte Isabell Wagner, die das Suchmaschinenmarketing bei Yahoo verantwortet, unter Berufung auf eine Studie von Forrester Research. Den Löwenanteil des Geschäfts macht allerdings Google, da das Unternehmen zusammen mit Partnerseiten rund 90 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland bearbeitet. Der Rest des Marktes entfällt weitgehend auf Yahoo und Microsoft.

          Genauer schätzbar ist der Umsatz mit klassischer Online-Werbung wie grafischen Bannern, auf die in diesem Jahr rund 1,2 Milliarden Euro Umsatz entfallen. Die drei größten Vermarkter dieser Werbung sind United Internet, T-Online und Sevenone Interactive, eine Tochtergesellschaft des Fernsehsenders Sat.1 Pro Sieben. Microsoft will zu dieser Spitzengruppe aufschließen. „Wir wachsen um einiges schneller als der Markt“, sagte Microsoft-Manager Markus Frank dieser Zeitung. „Die Schere zwischen verlangten Brutto-Listenpreisen und tatsächlich gezahlten Nettopreisen geht zu. Oft gibt es gar nicht genug Werbeflächen, um die Nachfrage zu befriedigen“, sagte Frank.

          „Video ist ein Megatrend“

          Microsoft wird am Donnerstag seine Videogemeinschaft Soapbox in Deutschland freischalten, um an der schnell wachsenden Werbung in Videos teilzuhaben. „Im Gegensatz zu einem Fernsehspot lässt sich ein Video Stream im Internet ohne Streuverlust an die eigene Zielgruppe ausliefern. Weitere Vorteile sind eine genaue Kontaktaussteuerung und die Interaktionsmöglichkeiten. Hier kommen die Stärken des Mediums Internet klar zum Tragen“, sagte Heiko Genzlinger von Yahoo.

          „Video ist ein Megatrend. Im kommenden Jahr wird Video eines der wichtigsten Themen in der Werbewelt sein“, sagte auch Matthias Ehrlich, Vorstandsmitglied von United Internet Media, der für sein Unternehmen 50 Prozent Wachstum in diesem Jahr erwartet. „Ein Fünftel der Menschen ist mit Fernsehwerbung doch gar nicht mehr erreichbar, wohl aber mit Videos im Internet. Wir können inzwischen Fernseh-Zielgruppen genau erreichen - das ist etwas, wovon das interaktive Fernsehen noch träumt“, sagte Ehrlich, der in Düsseldorf auch den Einstieg in die mobile Werbung verkündete. „Jetzt ist es an der Zeit, in den Markt zu gehen. Der Bundesverband digitale Wirtschaft erwartet 145 Millionen Euro Umsatz mit mobiler Werbung in diesem Jahr. Selbst wenn der Markt nur halb so groß ist, nehmen wir das ernst“, sagte Ehrlich. Zur Zeit habe United Internet rund 300 000 Besucher auf seinen mobilen Internetseiten. Bis Ende 2008 soll diese Zahl auf eine Million erhöht werden.

          Um die Planbarkeit mobiler Werbekampagnen zu erhöhen, haben die Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (Agof) und der Branchenverband BVDW beschlossen, gemeinsam Methoden für die Messung mobiler Reichweiten zu entwickeln. Ähnlich wie im stationären Internet sollen die werbenden Unternehmen dann genau sehen können, wie viele potentielle Kunden erreicht werden.

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