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Vor der Apple Keynote : Der Tablet-Boom ist zu Ende

Smartphone oder Tablet? Die meisten Kunden setzen unverändert auf die kleinere Variante Bild: babiradpicture - abp

An diesem Donnerstag wird Apple wahrscheinlich neue iPad-Modelle vorstellen. Doch die Vorzeichen aus der Marktforschung sind schlecht. Die Besitzer nutzen ihre Geräte länger. Auch die immer größer werdenden Smartphones drücken den Tablet-Absatz.

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          Wenn der Elektronikkonzern Apple am Donnerstagabend voraussichtlich sein neues iPad vorstellt, steht diese Veranstaltung unter keinem guten Stern. In jüngster Vergangenheit hat sich angedeutet, dass das kalifornische Unternehmen viel mehr Freude an seinen Mobiltelefonen hat als an seinen Tabletcomputern. Im zweiten Quartal war der iPad-Absatz zum wiederholten Mal rückläufig, im Jahresvergleich um fast 10 Prozent. Mit 13,3 Millionen verkauften Geräten lag das Volumen zudem deutlich unter dem der iPhones. Die Handys dagegen weisen Jahr für Jahr immer noch positive Wachstumsraten auf und stehen inzwischen für mehr als die Hälfte des Apple-Umsatzes.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein schwacher Trost für Firmenchef Tim Cook dürfte sein, dass der Abwärtstrend längst die gesamte Branche erfasst hat. Apple verpasste dem Markt mit der Einführung des iPads vor vier Jahren zwar einen mächtigen Schub und dominierte längere Zeit das stark anziehende Geschäft. Inzwischen hat die Konkurrenz von Samsung, Sony & Co., die auf Googles Betriebssystem Android setzt, nachgezogen: Das Apple-Logo findet sich nur noch auf gut einem Viertel aller neuen Tabletcomputer. Vom einstigen Tabletboom ist heute nur noch wenig zu spüren. Vielmehr müssen Auguren allzu optimistische Geschäftsvorhersagen revidieren.

          Das IT-Forschungs- und -Beratungsunternehmen Gartner etwa war noch im Juli davon ausgegangen, dass in diesem Jahr mehr als 256 Millionen neu produzierte Tablets einen Käufer finden. Am Mittwoch ruderten die Briten kräftig zurück: Jetzt sollen es für 2014 nur noch 229 Millionen Stück sein. Für das kommende Jahr wird ein Absatz von 273 Millionen Geräten erwartet, vor drei Monaten lag die Prognose noch bei 321 Millionen.

          Nun wären andere Branchen über solche absoluten Zahlen und relativen Wachstumsraten glücklich. Für die Tabletindustrie jedoch galten bis dato andere Maßstäbe. Wenn im Vorjahr das Plus noch bei 55 Prozent lag, kann ein prozentuales Wachstum von 11 Prozent in diesem Jahr nur als Enttäuschung gelten. Der Grund dafür ist eigentlich erfreulich – zumindest für die Kunden. „Viele sind zufrieden mit der Hardware, die sie haben“, sagte Gartner-Direktorin Annette Zimmermann dieser Zeitung. Entsprechend länger halten die Konsumenten ihren Geräten die Treue. Die Lebenszeit der Tablets soll sich von rund zweieinhalb auf drei Jahre ausdehnen. Vor allem iPads gelten als relative Langzeitprodukte: Branchenfachleute haben ausgerechnet, dass sie im Schnitt zweimal so lange genutzt werden wie Android-Tablets.

          Chinas Anbieter drängen auf den Markt

          Und noch zwei weitere Aspekte lassen den Tablet-Absatz erlahmen. Zum einen hält sich die Zahl der Neueinsteiger in Grenzen. „Viele wissen nicht, was sie damit anfangen sollen“, sagte Zimmermann. Und wer weiß, was er damit anfangen kann, greift immer mehr zu konkurrierenden Geräteformen wie Hybrid- oder Zwei-in-eins-Geräten. So lassen sich manche Notebooks heute durch einen Drehgriff in ein Tablet verwandeln oder ein Tablet durch Andocken einer Tastatur in ein Notebook. Unternehmen wie Microsoft konzentrieren sogar ihr Marketing auf diese Tatsache: Die kürzlich vorgestellte dritte Auflage des Surface-Tablets wird explizit als „Tablet und Laptop in einem“ beworben.

          Und so werden sich die Marktanteile im PC-, Handy- und Tabletgeschäft in den kommenden Jahren in geringerem Umfang zugunsten der Tablets verschieben als in der Vergangenheit gedacht. 2014 dürften von den 2,4 Milliarden Computern in größerer oder kleinerer Form weniger als 10 Prozent Tablets sein. Das Mobiltelefonsegment dagegen bleibt weiter stark. Vor allem viele neue billige Geräte sollen die Kauflust der Verbraucher anregen. Ein Trend hatte sich schon in der Vergangenheit abgezeichnet: Chinesische Anbieter machen verstärkt den etablierten Anbietern das Geschäft streitig. Mit Macht steuert der Absatz auf die Marke von zwei Milliarden Stück zu: Im kommenden Jahr dürften schon gut 1,9 Milliarden Smartphones einen neuen Besitzer suchen und finden.

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