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Videospiele : Steuern mit Mimik und Gestik

  • -Aktualisiert am

Immer schön „interaktiv”: Die neue Microsoft-Konsole nimmt Bewegungen über Sensoren wahr Bild: AFP

Nintendo hat die Videospieler vom Sofa geholt und zu Heim-Sportlern gemacht - mit einem drahtlosen Steuerungsgerät statt einem Golfschläger in der Hand. Microsoft geht einen Schritt weiter und verzichtet ganz auf das Eingabegerät.

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          Nintendo hat die Videospieler vom Sofa geholt und zu Wohnzimmer-Sportlern gemacht - nur mit einem drahtlosen Steuerungsgerät statt einem Golfschläger in der Hand. Nun geht Microsoft einen Schritt weiter und verzichtet ganz auf das Eingabegerät (Controller). Die Spiele werden ausschließlich mit Gesten, Körperbewegungen und der Stimme gesteuert. „Der nächste Schritt, den wir in der Welt der interaktiven Unterhaltung gehen müssen, ist, die Controller verschwinden zu lassen“, sagte Filmregisseur Steven Spielberg, der Microsofts „Project Natal“ auf der Spielemesse E3 in Los Angeles erstmals zeigte.

          Damit die Körpersteuerung funktioniert, wird das Gesicht des Spielers von einer Kamera erfasst. Ein Infrarot-Sensor misst die Bewegungen im Raum, und ein Mikrofon erkennt die Stimme. Die Spieler können zum Beispiel Bewegungen in einem Sportspiel vor dem Bildschirm ausführen, ein Bild malen und dabei Farben ansagen oder mit virtuellen Figuren interagieren. Wann das Gerät mit den Sensoren, das an Microsofts Spielekonsole Xbox 360 angeschlossen wird, auf den Markt kommen wird, ist aber noch nicht klar. Microsoft gibt Softwareentwicklern nun die Möglichkeit, die passenden Spiele für Natal zu produzieren.

          Microsoft will sich an die Popularität der sozialen Netzwerke anhängen

          Microsoft reagiert mit Natal auf den Siegeszug der Nintendo-Konsole Wii, die mit einem beweglichen Controller neuartige Spiele mit Bewegung erstmals möglich gemacht hat. Die Wii hat vor allem die Spieler angelockt, die nicht zur traditionellen Zielgruppe der jungen, technikbegeisterten Männer gehörten. Obwohl Microsoft seine Konsole Xbox 360 lange vor der Nintendo Wii auf den Markt gebracht hat, liegt die Wii mit etwa 50 Millionen verkauften Geräten weit vor der Xbox 360 (30 Millionen) und der Playstation 3 von Sony (22,5 Millionen).

          Neben „Natal“ will sich Microsoft auch an die Popularität der sozialen Netzwerke anhängen. Nutzer des Online-Dienstes Xbox-Live können von Herbst an ihre Statusmeldungen im Mikro-Bloggingdienst Twitter auch per Xbox abgeben. Zudem soll der Zugriff auf das Profil des weltgrößten sozialen Netzwerkes Facebook möglich sein.

          Neben Microsoft hat auch Sony die E3 für die Präsentation einer neuen Konsole genutzt: Die tragbare PSP Go soll zusätzlich zum Vorgängermodell PSP 3000 verkauft werden. Die neue Konsole ist deutlich leichter und kleiner als der Vorgänger. Spiele oder Filme müssen nicht mehr das erfolglose Trägerformat UMD haben, sondern werden aus dem Internet geladen - was dem Fachhandel gar nicht gefällt, der um seine Umsätze fürchtet.

          Allerdings wird der Trend in Richtung Internet nicht aufzuhalten sein. Schon heute sind Online-Spiele, die keine Konsole mehr benötigen, sehr populär. Allerdings sind diese Spiele, wie sie zum Beispiel die beiden deutschen Unternehmen Bigpoint und Gameforge anbieten, meist sehr einfach. Für komplexe Spiele mit aufwendigen Grafiken waren die Internetverbindungen bisher aber nicht schnell genug.

          Die Platzhirsche geraten unter Druck

          Doch ein junges kalifornisches Unternehmen mit Namen Onlive verspricht die Zeitenwende für die Spieleindustrie noch in diesem Jahr: Die Spieler müssen sich dann keine Konsole samt Spielen auf physischen Datenträgern kaufen, sondern können auch anspruchsvolle Spiele auf normalen Computern und Fernsehern spielen. Notwendig ist nur noch eine schnelle Internetverbindung zu den Hochleistungsrechern des Unternehmens. Dort werden die Spiele komprimiert und so schnell übertragen, dass kein Unterschied zur stationären Konsole bestehen soll.

          Seit sieben Jahren arbeitet Onlive, das von dem bekannten Erfinder Steve Perlman gegründet wurde, schon an der Technik. Ende des Jahres kann Onlive zeigen, ob es das Potential hat, die Konsolenhersteller Nintendo, Sony und Microsoft das Fürchten zu lehren. Die Spielestudios finden die Entwicklung gut, da sie ihre Spiele dann direkt verkaufen können und sich die Zahlungen an die Konsolenhersteller sparen können.

          Auch im Markt der mobilen Spiele geraten die Platzhirsche unter Druck. Auf modernen Mobiltelefonen wie dem iPhone von Apple oder den Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android laufen die Spiele inzwischen gut. Immer mehr Spieleentwickler produzieren inzwischen bevorzugt für diese Plattformen. Reine mobile Konsolen wie die PSP von Sony oder Nintendo DS könnten die Verlierer dieser technischen Entwicklung sein.

          Kleiner, leichter und preiswerter

          Die Computerbranche mag ihren einmal eingeschlagenen Weg weiter gehen. Doch während die Verkäufe internetfähiger Minicomputer im vergangenen Jahr rasant zulegten und hier auch weiterhin mit hohen Absatzzahlen gerechnet wird, zeichnen sich auf der High-Tech-Messe Computex in Taiwan ein paar neue Trends ab.

          Dabei blickt alles auf die Chiphersteller, denn ein Computer ist so gut wie der Baustein, der ihn steuert. So geht der Branchenprimus Intel davon aus, dass viele Kunden bereit sein werden, mit 600 Dollar doppelt so viel Geld auf den Verkaufstisch zu legen wie für ein Netbook, um sich so ein dünnes und leichtes Notebook in die Tasche zu stecken.

          Daher konzentriert sich der Chipgigant stärker als bisher auf die Lieferung von Chips mit niedrigem Stromverbrauch. Dagegen suchen Konkurrenten wie Qualcomm, Nvidia, AMD oder Freescale, Intel Marktanteile abzujagen. Computerhersteller wie Acer und Asus erklären, dass das klassische Notebook weiterhin bis zu 60 Prozent des Marktanteils an verkauften tragbaren Computern ausmacht. Der Rest der Marktanteile werde sich zwischen ultraflachen Laptops und preiswerten Netbooks aufteilen. (fib.)

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