https://www.faz.net/-gqe-103hj

Videodienst im Internet : Sony geht online

  • -Aktualisiert am

Sony hat in Deutschland 600.000 Playstation 3 verkauft Bild: dpa

Der Spielehersteller Sony ist wieder im Aufwind. Eine Bewegung in Richtung Internet unter dem Stichwort „Gaming 3.0“ soll das Geschäft antreiben. Aber das Netz bedroht auch das Geschäftsmodell der Japaner.

          3 Min.

          Besser ausgestattete Konsolen, Online-Dienste für Musik und Videos und natürlich neue Spiele für die ganze Familie: Der japanische Unterhaltungskonzern Sony fühlt sich nach dem Fehlstart seiner Spielekonsole Playstation 3 wieder im Aufwind. „Wir sind in Deutschland und Europa an der Xbox 360 von Microsoft vorbeigezogen. Wir haben also in einem Jahr das erreicht, was Microsoft in zweieinhalb Jahren geschafft hat. In Deutschland haben wir gut 600.000 Playstation 3 verkauft. Bis zum Jahresende sollen es mehr als eine Million sein“, sagte Uwe Bassendowski, der Deutschland-Chef der Sony-Spielesparte, auf der Spielemesse Games Convention in Leipzig. Gegenüber dem Vorjahr habe die Playstation 3 ihren Absatz im ersten Halbjahr fast verdoppelt. „Wir sind also stärker als der Markt unterwegs und gewinnen an Boden“, sagte Bassendowski.

          Während Microsoft mangels Neuigkeiten in Leipzig sogar auf eine Pressekonferenz verzichtet und Nintendo mangels Zielgruppe gar nicht erst ausstellt, kündigte Sony-Europa-Chef David Reeves vor allem neue Internet-Initiativen an. „Der Internet-Dienst Vidzone soll einen leichten Zugang zu Musik ermöglichen. Die Musik kann ohne Limit kostenlos auf die Playstation 3 übertragen werden“, sagte Reeves. In Zusammenarbeit mit Fernsehsendern soll im kommenden Jahr zudem ein Videodienst im Internet gestartet werden. Download-Dienste für Musik und Videos sollen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres folgen.

          Internet gilt als wichtiger Wachstumstreiber

          Damit setzt Sony voll auf die Strategie, die Playstation 3 zur internetfähigen Unterhaltungszentrale für Filme, Musik, Fotos und natürlich Spiele zu machen, die ihren Platz im Wohnzimmer neben dem Fernseher gefunden hat. Dafür spendiert Sony der Playstation 3 auch größere Festplatten mit bis zu 160 Gigabyte Fassungsvermögen, die mit 449 Euro allerdings 50 Euro teurer sind als die Standardversion, die bald 80 Gigabyte an Daten speichern kann.

          Das Internet gilt als wichtiger Wachstumstreiber der Branche. „Alle Spiele haben heute eine Online-Komponente, sind also auf der Playstation 3 online und offline zu spielen. Heute wird meist gegeneinander gespielt. In Zukunft ist es das Miteinander-Gestalten und Erfahrungen mit anderen zu teilen. Unter dem Stichwort „Gaming 3.0“ kann der Nutzer die Spiele anpassen oder erweitern“, beschreibt Bassendowski die Zukunft aus Sony-Sicht.

          „Die PSP 3000 wird ein Kommunikationsgerät“

          Damit die Spieler auch besser miteinander kommunizieren können, hat Sony eine Tastatur entwickelt, die auf das vorhandene Eingabegerät aufgesteckt werden kann. „Damit wollen wir die wachsende Nachfrage nach Interaktion befriedigen“, sagte Reeves. Auch mit seiner mobilen Konsole Playstation Portable geht Sony in Richtung Internet: Die neue Version PSP 3000 ist mit einem Mikrofon für die Internet-Telefonie ausgestattet. „Die PSP 3000 wird ein Kommunikationsgerät“, hofft Reeves, auch wenn sich viele Spieler nicht recht vorstellen können, mit dem Gerät zu telefonieren. In der Vergangenheit hatte schon Nokia mit seinem Spielehandy N-Gage Schiffbruch erlitten, weil sich niemand das globige Gerät ans Ohr halten wollte.

          Allerdings hat Sony auch einiges zu verlieren, wenn es sich komplett in Richtung Internet öffnet. Die aufwendigen Spiele für die Playstation 3 kosten bis zu 60 Euro. Um den Preis hoch zu halten, soll die Playstation ihre Exklusivität behalten. „Spiele für die Playstation werden auch nur auf der Playstation spielbar sein. Im Moment haben wir proprietäre Systeme, und ich sehe nicht, dass sich das ändert. Wenn wir glauben würden, dass proprietäre Systeme in den nächsten fünf Jahren keinen Bestand haben werden, hätten wir die Playstation 3 ganz anders konzipiert“, sagte Bassendowski.

          Auch Facebook könnte Spieler anlocken

          In der Spielebranche wird aber bereits intensiv über die Zukunft der Konsolen diskutiert, die zwar Internetanschluss haben und alle Musik- oder Videoformate abspielen, aber für Spiele ihren jeweils eigenen Standard haben. Die propietären Standards haben in der Technikwelt meist nicht lange überlebt. Auf der Entwicklerkonferenz während der Spielemesse wurde daher auch schon die These vertreten, im Jahr 2020 gebe es keine Spielekonsolen mehr, weil sich das Spiel bis dahin auf Mobiltelefone wie das iPhone und zurück auf internetfähige Personalcomputer verlagert habe. Auch soziale Netzwerke wie Facebook könnten einen großen Teil der Spieler anlocken. Dort gehören Spiele schon heute zu den beliebtesten Anwendungen der Nutzer.

          Auch das Geschäftsmodell der Konsolenhersteller steht in Frage. Viele Beobachter sehen 60 Euro für ein Spiel als zu hohe Hürde für den Kauf an. Stattdessen könnten Spiele künftig nach tatsächlicher Spielzeit bezahlt werden oder sich mit Hilfe der Werbung finanzieren. Allerdings ist die Werbung in Spielen bisher nichts mehr als ein Hoffnungsträger der Branche. Noch lassen sich die benötigten Reichweiten in den Spielen nicht erzielen. Da auch die Werbestandards fehlen, kommt der Markt kaum in Bewegung. Sony gibt sich angesichts der Herausforderungen der Konvergenz für sein Geschäft aber gelassen. „Abseits der Spiele wachsen die Welten zusammen. Im Spielesegment noch nicht“, sagte Bassendowski.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Charlotte Knobloch im März in München

          Charlotte Knobloch : „Im Internet wird unsere Jugend vergiftet“

          Die Bundesregierung tue zu wenig gegen antisemitische Hetze im Internet, sagt die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde in München im F.A.Z.-Podcast für Deutschland. Man habe Generationen im Kampf gegen den Antisemitismus verloren.
          Traum oder Alptraum: das Eigenheim

          Die fünf größten Fehler : Wenn der Hausbau zum Fiasko wird

          Auf dem Weg in die eigenen vier Wände lauern zahlreiche Gefahren. Welche die fünf häufigsten Fehler sind, die beim Hausbau passieren – und wie sie sich vermeiden lassen.
          Schnitt des Unheils: Ein Gärtner am 11. August 2017 im Rosengarten vor dem Weißen Haus.

          Rosengarten vor Oval Office : Gebrochenes Versprechen

          Wenn Gartengestaltung zum Politikum wird: Eine Petition in den Vereinigten Staaten fordert, die Umgestaltung des Rosengartens vor dem Oval Office durch Melania Trump rückgängig zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.