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Video-on-Demand : Fernsehen auf Abruf

Die Konkurrenz gibt sich gelassen. Für den Deutschland-Chef von Sky, Brian Sullivan, sind die Programminhalte entscheidend. Und für den deutschen Markt hat sich Sullivan die exklusiven Rechte von HBO-Serien und Disney-Produktionen gesichert, um sie auf allen Sky-Kanälen anzubieten. Mit dem Start des seit Dezember angebotenen VoD-Dienstes Snap ist Sullivan zufrieden, wie er jetzt zur Bekanntgabe der Sky-Geschäftszahlen sagte. In der Sky-Bilanz ist die Bedeutung von Inhalten gut zu erkennen. Der chronisch defizitäre Bezahlsender gewinnt dank Fußball-Bundesliga und Hollywood-Blockbustern immer mehr Zuschauer, weist aber aufgrund der teuer erkauften Exklusivrechte weiter einen hohen Verlust nach Steuern aus. Unter dem Strich ist das Bezahlfernsehen seit gut zwei Jahrzehnten, seit der legendäre Filmrechtehändler Leo Kirch die Sky-Vorgängergesellschaft Premiere aus der Taufe gehoben hatte, ein Minusgeschäft. Zu groß ist hierzulande die Konkurrenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Viele Zuschauer verzichten auf ein teures Sky-Abonnement, wenn sie schon 17,98 Euro im Monat für ARD und ZDF bezahlen müssen. Dank des neuen Rundfunkbeitrags verfügen die Öffentlich-Rechtlichen auch dann über ein Milliardenbudget, wenn junge Menschen ihr Programm gar nicht mehr einschalten. Für die werbefinanzierten Sendergruppen RTL und Pro Sieben Sat 1 ist der Druck ungleich höher. Werbekunden achten penibel darauf, wo sie ihre Zielgruppe erreichen. Sollte es nicht mehr das klassische Medium Fernsehen sein, folgen sie ihr ins Internet. Deshalb bieten RTL und Pro Sieben Sat 1 eigene VoD-Dienste an und verlängern die eigene Wertschöpfungskette ins Internet.

Erhöhte Zahlungsbereitschaft bei jungen Leuten

Die Antwort auf die Frage, ob das Internetfernsehen das klassische Fernsehen ablöst, wollen heutige Programmmacher nicht allein der VoD-Konkurrenz überlassen. Für Kai Henniges etwa, Gründer und Vorstand des Schweizer VoD-Portals Viewster, ist die Sache ohnehin klar: „2020 wird VoD das klassische Fernsehen überholt haben.“

Die Videobranche holt nach, was zuvor der Musikindustrie gelungen ist. Mit sogenannten Streaming-Diensten wie Spotify und Simfy hat diese junge Leute dazu gebracht, für Musik wieder zu bezahlen, statt Songs illegal herunterzuladen. Auch die Online-Videotheken hoffen auf eine neue Zahlungsbereitschaft für Filme und Serien und setzen dazu auf niedrige Monatsgebühren: 8,99 Euro bei Watchever oder 7,99 Euro bei Maxdome. Dieses Abo-Modell, das sogenannte Subscription-Video-on-Demand, ist mit einem Umsatz von 33 Millionen Euro 2013 nach Angaben der Strategieberatung Goldmedia bislang noch das kleinste Marktsegment im gesamten VoD-Segment. Den größten Anteil macht hingegen mit einem Umsatz von 73 Millionen Euro der sogenannte Transactional-VoD-Bereich aus, bei dem man Filme gegen Einmalbezahlung im Einzelabruf online ausleiht. Daneben gibt es noch das Download-to-Own (57 Millionen Euro Umsatz), bei dem der Kunde für den Download des Videos auf seine Festplatte bezahlt und den Film dann besitzt.

Goldmedia geht von einem starken Wachstum der Abo-Modelle aus. Diese könnten bis 2018 mit einem prognostizierten Umsatz von 300 Millionen Euro schon zwei Drittel des gesamten VoD-Marktes von dann 449 Millionen Euro ausmachen. „Die grundlegenden Voraussetzungen für das Massengeschäft stehen“, sagt Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer. „Die Endgeräte sind im Markt, die Nutzer geübter und die Anbieterzahl wächst kontinuierlich.“

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