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Deutschland-Start von Netflix : Der Kampf um den Fernseher

Fernsehen immer und überall: Netflix mischt den Markt für Video on Demand auf Bild: AP

Um 20.15 Uhr die Lieblingsfernsehserie schauen? Das ist heute out. Viele Menschen schauen heute fern, wann und wo es ihnen passt. Das Rennen um die Herzen der Leute ist eröffnet - und noch ist nicht klar, wer gewinnt.

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          Eigentlich sollte es ja nur um das eigene Programm gehen, das Maxdome, der Internetvideodienst des Fernsehsenders Pro Sieben Sat1, in der kommenden Woche seinen Zuschauern vorstellt. Doch es dauerte keine fünf Minuten, da fiel zum ersten Mal der Name Netflix. Und fortan wurde all das, was die Präsentatoren in München über das neue Design der eigenen Video-on-Demand-Plattform, über die Film- und Serienangebote zum Einzelkauf im neuen „Store“ und über Konzerte, Sportveranstaltungen und sonstige Events im neuen „Live“-Segment zu erzählen hatten, an dem amerikanischen Wettbewerber gemessen. Dabei kommt Netflix in Deutschland voraussichtlich erst in zwei Wochen auf den Markt, über die Inhalte ist noch wenig bekannt, und Maxdome wiederum ist in Deutschland seit 2006 etabliert und mit einem Marktanteil von 44 Prozent führend. Der Respekt vor Netflix ist groß.

          Henning Peitsmeier
          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Maxdome-Geschäftsführer Andreas Heyden stellte sich schonungslos eine Frage selbst. „Glaube ich“, fragte er rhetorisch, „dass Netflix uns auslöschen wird?“ Natürlich verneinte Heyden, aber es hörte sich ein wenig so an wie einst die Beschwichtigungen der Studi-VZ-Manager, kurz bevor Facebook auch in Deutschland den Markt der sozialen Netzwerke aufmischte. „Was wirklich kommt, weiß ich nicht. Aber wir sind gut aufgestellt“, sagte er. Heyden glaubt, dass die Maxdome-Bibliothek mit populären Serien wie „The Walking Dead“, „Navy CIS L.A.“ oder „Grey’s Anatomy“ sowie jeder Menge Hollywood-Spielfilmen über die größten Zweifel erhaben sei. Sie sollte allemal konkurrenzfähig sein zu dem, was Netflix anbieten werde.

          Im Internet bilden sich schnell Monopolstrukturen

          Auch Fachleute sagen voraus, dass die Inhalte das Rennen um die Abonnenten entscheiden werden. Rund 12 Millionen Zuschauer sehen in Deutschland derzeit für monatliche Preise zwischen 5 und 9 Euro ihr eigenes Fernsehen bei Anbietern wie Maxdome, Watchever oder Snap. Die Fernsehserien und Spielfilme werden über die Internet-Breitbandleitung auf den heimischen Computer oder Smart-Fernseher geliefert.

          Dieser noch junge Markt für Video on Demand (Video auf Bestellung) wächst weiter. Nach einer Prognose des Bundesverbands Audiovisuelle Medien werden sich die Erlöse bis 2018 auf 480 Millionen Euro verdoppeln. Die Marktforscher von Deloitte gehen von einer Umsatzvervierfachung bis zum Jahr 2020 aus. In einem so schnell wachsenden Markt sollte genügend Platz bleiben für mehrere Download-Anbieter. Doch im Internet haben sich allzu oft Monopolstrukturen herausgebildet. Auch deshalb ist die Sorge hierzulande nicht unbegründet, dass sich am Ende ein Großer durchsetzt.

          Das Rennen ist nicht erst eröffnet, wenn Netflix in Deutschland voraussichtlich am 16. September an den Start geht. Schon hat sich mit Amazon ein weiterer mächtiger Teilnehmer aus Übersee warmgelaufen. Der Online-Händler teilte am Donnerstag mit, dass das Kontingent seines Medienplayers „Fire TV“ in Deutschland in weniger als einem Tag ausverkauft gewesen sei. Die Kunden hätten „Zehntausende Geräte“ vorbestellt, das Einführungsangebot sei damit ausgeschöpft, sagte eine Amazon-Sprecherin. Ausgeliefert werden die kleinen schwarzen Geräte erst vom 25. September an. Mit der 99 Euro teuren „Fire TV“-Box können Fernsehzuschauer Videoinhalte aus dem Internet auf ihren Fernseher bringen und ebenfalls aus einer Bibliothek Serien und Spielfilme auswählen. Mit einem vergleichbaren Angebot ist Apple schon seit mehr als drei Jahren erfolgreich.

          Exklusivität heißt das Zauberwort

          Amazon verfolgt aber anders als Netflix, Maxdome oder Watchever eine Strategie, die darauf abzielt, die eigenen Versandkunden enger an das eigene Haus zu binden. Die Streaming-Bibliothek erscheint zudem mit etwa 13.000 Titeln nicht ganz so vielversprechend wie die von Netflix und Maxdome.

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