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Versandhandel : Immer mehr Deutsche bestellen ihre Waren im Internet

Verkauft nun auch Lebensmittel über das Internet: Versandhändler Amazon Bild: AP

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Warenversender erstmals mehr Umsatz über das Internet erwirtschaftet als auf herkömmlichen Wegen. Doch der gedruckte Katalog kommt nicht aus der Mode.

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          Weder die Finanz- und Wirtschaftskrise noch die Insolvenz von Quelle wirft einen Schatten auf den Versandhandel in Deutschland. Weil immer mehr Deutsche im Internet einkaufen, wird der Versandhandelsumsatz in diesem Jahr um 2,7 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro steigen. Das zumindest sagt der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) voraus. Grundlage dieser Prognose ist eine repräsentative Verbraucherbefragung des Marktforschungsinstituts TNS-Infratest.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „Die 2 Milliarden Euro, die der Versandhändler Quelle einst umgesetzt hat, haben sich geräuschlos auf die verbliebenen Unternehmen verteilt“, sagte der BVH-Präsident Thomas Lipke auf einer Pressekonferenz in Hamburg. Die ehemaligen Quelle-Kunden seien auch nicht in den stationären Handel abgewandert. Daher erwartet Lipke, dass der Anteil des Versandhandels am gesamten Einzelhandelsumsatz in Deutschland in diesem Jahr auf 7,6 (Vorjahr: 7,4) Prozent steigt. Dabei spielt freilich auch eine Rolle, dass der Verkauf in Läden und Kaufhäusern stagniert.

          Erstmals mehr Umsatz über das Internet als auf herkömmlichen Wegen

          Lipke, der im Hauptberuf die Outdoor-Kette Globetrotter führt, gab sich überzeugt davon, dass der Versandhandel auch in den nächsten Jahren auf Wachstumskurs bleiben und sein Gewicht im Einzelhandel somit weiter erhöhen wird. Das liegt einzig und allein am Internet: Im vergangenen Jahr haben die deutschen Warenversender erstmals mehr Umsatz über das Internet erwirtschaftet als auf herkömmlichen Wegen. Im laufenden Jahr, so das Ergebnis der Umfrage, dürfte der Anteil der Online-Bestellungen am Versandhandelsumsatz auf fast 60 (53,3) Prozent steigen.

          „Die klassischen Bestellungen über Telefon und Bestellschein sind stark rückläufig“, sagte Lipke. „Dieser Trend wird sich fortsetzen.“ Denn viele Unternehmen fingen gerade erst an, ihre Waren auch über das Internet zu verkaufen. Auch der technische Fortschritt werde das Internet-Shopping weiter beflügeln. Dabei spielte Lipke vor allem auf die neue Generation von Mobiltelefonen (Smartphones) an, mit denen man jederzeit leichten Zugang zum Internet hat. Dies eröffne sehr gute Chancen, neue Zielgruppen anzusprechen. „Wenn man das für die Zukunft hochrechnet, muss man sich über den Versand- und Online-Handel keine Sorgen machen.“ Auch in der Verbindung zu Plattformen wie Facebook, StudiVZ und Twitter wittert Lipke Geschäftsmöglichkeiten.

          Der Katalog stirbt nicht

          Trotz dieser Entwicklung ist der gute alte Katalog, den Versandhändler wie Otto, aber auch „hauptamtliche“ Filialisten an ihre Kunden verschicken, keineswegs aus der Mode. „Schmökern im Katalog, bestellen im Netz - das ist der gängige Vorgang“, sagte Lipke. Der Umfrage zufolge werden sich 2010 hochgerechnet 68 Prozent aller Internetkunden vor dem Online-Kauf im Katalog informieren. „Der Katalog verströmt einen Charme, der im Internet nicht erreicht wird“, sagte Lipke. Auch Globetrotter wolle und werde nicht auf den Druck von Katalogen verzichten. Schließlich gebe es inzwischen sogar reine Internethändler, die auf bedrucktes Papier zurückgriffen.

          Die Versender weiten ihr Angebotsspektrum immer weiter aus, wie man bei Amazon gut sehen kann. Der amerikanische Branchenriese ist jüngst sogar in den Versand von Lebensmitteln eingestiegen. Auch Deutschlands Primus im Versandhandel, die Hamburger Otto-Gruppe, hat dieses Feld für sich entdeckt. Obwohl der Lebensmittelversand so seine Tücken hat, glaubt Lipke an den Erfolg dieser Vorstöße. 2009 seien in Deutschland Lebensmittel im Wert von nur 300 Millionen Euro an Kunden verschickt worden. „Das ist weniger als 1 Prozent des Lebensmittelhandels. Das zeigt, wie groß das Wachstumspotential ist.“ Kannibalisierungseffekte für diejenigen Versender, die auch Ladenketten unterhalten, fürchtet Lipke nicht: „Eine gute Position im Internet-Handel beflügelt den stationären Verkauf.“

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