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Künstliche Intelligenz : Die Bot-Revolution geht los

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Wenn aber ein kleines Computerprogramm dem Nutzer sagt, in welchem Restaurant er am besten speisen kann, wo es den schönsten Ausblick über die Stadt gibt oder welches Kleid am besten zu seinen neuen Schuhen passt, muss ein weiterer Faktor berücksichtigt werden. „Vertrauen ist natürlich ein Schlüsselelement“, sagt Reinecke. „Ich muss Vertrauen in das Produkt haben und in den Umgang mit meinen personenbezogenen Daten. Sonst geht es nicht.“ Denn wenn sich ein Anbieter A, der Produktvergleiche anbietet, beispielsweise mit Facebooks Messenger zusammen schließt, um diese Informationen für personalisierte Angebote zur Verfügung zu stellen, dann findet ein Datenaustausch statt, der dem Nutzer im ersten Moment vielleicht nicht unbedingt klar ist.

Dass solche Angebote trotz aller aktuellen Datenschutzdebatten momentan dennoch so im Kommen sind, führt Reinecke auf die Unübersichtlichkeit der tatsächlichen Datenströme zurück: „Dass irgendwer über mich Daten sammelt, ist nochmal eine viel abstraktere Art der Privatsphäre, als wenn ich selbst Fotos und Informationen über mich auf meine Facebook-Seite stelle.“ Das Sammeln von Daten durch Klicks auf bestimmte Produkte beinhaltet für die Nutzer wenig lebensnahe Risiken, die wesentlich schwerer einzuschätzen sind. Dabei lässt sich genau dieser Datenaustausch für die Anbieter monetarisieren. Zwar werden immer weniger private Inhalte in den sozialen Netzwerken geteilt, doch mit den „sekundären“ persönlichen Daten, die durch das Verhalten im Netz generiert werden, gehen viele Internetnutzer noch leichtfertig um.

Eine Erleichterung des Alltags?

Auf Vertrauen setzt daher auch „Luka“. Die App ist seit Anfang des Monats für Apple-Geräte verfügbar und beinhaltet gleich mehrere Bots für die verschiedensten Aufgaben. So gibt es einen Softwarehelfer, der Wikipedia nach Antworten durchforstet, es gibt einen Nachrichtenbot und einen Wetter-Bot. Luka setzt aber vor allem auf Unterhaltung: Mit der App kann auch personalisiert gequizzt werden, es gibt ein Gründer-Spiel und einen Restaurantführer.

Kommunikation mit den Bots der App Luka: Mehrere Antwortmöglichkeiten sind zum besseren Verständnis für den Bot vorgegeben.
Kommunikation mit den Bots der App Luka: Mehrere Antwortmöglichkeiten sind zum besseren Verständnis für den Bot vorgegeben. : Bild: Screenshot von Luka

„Unser Ziel ist es, dialogorientierte, künstliche Intelligenz in den mobilen Alltag zu bringen“, sagt Phil Dudchuk, Gründer von Luka. „Darum haben wir eine Plattform für künstliche Intelligenz entwickelt, die nahtlose und unterhaltsame Erfahrungen für die Nutzer durch Bots liefern will.“ Durch ständig verbesserte Ergebnisse soll das Vertrauen der Nutzer gewonnen und die Plattform letztendlich monetarisiert und Drittanbietern zugänglich gemacht werden. Momentan funktioniert die Lokalsuche nur in San Francisco. Quiz, Lexikon und weitere Bots sind aber auch aus Deutschland erreichbar.

Bei der Auswahl der vorgeschlagenen Produkte wie Restaurants will Luka unabhängig sein. „Wir analysieren Daten von über einem Dutzend Bewertungsplattformen, um Restaurant-Empfehlungen zu generieren, die personalisiert und auf die Bedürfnisse unserer Nutzer zugeschnitten sind“, sagt Dudchuk. Zudem spiele auch der geografische Standort für die Nutzer eine wichtige Rolle und werde daher miteinbezogen. Geld will das Start-up künftig verdienen, indem es die App Luka den Bots von Unternehmen zur Verfügung stellt.

Da sich die meisten Bots noch in der Beta-Phase befinden, lässt sich mit ihnen noch nicht viel Umsatz machen. Doch Facebook hat bereits angekündigt, dass der Messenger das Geld als Plattform für Unternehmen zur Kommunikation mit ihren Kunden verdienen soll. „Man beginnt damit, dass viele Sachen von Personen erledigt werden und nur wenige vom Computer - und übergibt Schritt um Schritt an die Maschine“, erklärt Stan Chudnovsky, Produktchef des Facebook Messengers. „Wenn die Anfragen von der Maschine zufriedenstellend beantwortet werden können, übernimmt sie diese Aufgabe ab dem Punkt.“

Datenschützer sehen dabei die Betreiber der Messenger in der Pflicht, für die Sicherheit der Nutzer zu sorgen. Denn diese müssen erst ein Gefühl für Sicherheit und mögliche Risiken in dem für sie neuen Geschäftsfeld entwickeln. Der Datenschutzbegriff im Netz ist nicht erst besonders wichtig, seit das Schlagwort „Big Data“ die Runde macht, weiß auch Kommunikationswissenschaftler Leonard Reinecke: „Das Konsum- und Kommunikationsverhalten kann beobachtet werden und die Nutzer zahlen so mit ihren Daten einen nicht-monetären Preis für die bequeme Kommunikation.“

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