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Umweltschutz in der IT-Branche : Wie grün sind die grünen Computer?

  • -Aktualisiert am

„Green IT” ist das Hauptthema auf der Cebit Bild: Jesco Denzel - F.A.Z.

Die Cebit steht ganz unter dem Motto „Green IT“. Doch bis dato ist die Branche noch nicht wirklich „grün“: Derzeit verursacht sie nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner etwa 2 Prozent des gesamten Kohlendioxid-Ausstoßes auf der Welt.

          Die Informations- und Kommunikationstechnik (ITK) nimmt beim Thema Umweltschutz eine Schlüsselposition ein. „ITK ist ein Klimaschutzinstrument“, sagte Martin Jetter, Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom und IBM-Deutschland-Chef, am Montag auf der weltgrößten Computermesse Cebit in Hannover. Der sinnvolle Einsatz von Informationstechnik könne den Energieverbrauch in fast allen Branchen senken.

          Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Gartner könnte der Energie- und Ressourcenbedarf eines Unternehmens durch sinnvollen Informationstechnik-Einsatz gar um bis zu 60 Prozent reduziert werden. Auch Jetter sieht in der ITK einen „Innovationsmotor für Energieeffizienz und Klimaschutz“. Es sei daher wichtig, dass die Cebit sich dieses Jahr mit der sogenannten Green IT beschäftige, ergänzte Ernst Raue, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG.

          Doch bis dato ist die Branche noch nicht wirklich „grün“: Derzeit verursacht die ITK-Industrie nach Angaben von Gartner etwa 2 Prozent des gesamten Kohlendioxid-Ausstoßes auf der Welt. Der Einsatz von energiesparenden Konzepten bei der Nutzung von Informationstechnik scheint auch deshalb wichtig, da es zukünftig immer mehr Informationstechnik geben wird. So errechneten die Berater von A.T. Kearney in einer Studie, dass sich der Ausstoß von Kohlendioxid in Deutschland, der durch Informationstechnik induziert ist, bis zum Jahr 2020 auf 31 Millionen Tonnen fast verdoppeln wird.

          50.000 Rechenzentren in Deutschland

          Besonders Unternehmen denken um und beginnen in Zeiten steigender Energiepreise effizientere Elektronikgeräte einzusetzen. Dabei muss „Green IT“ nicht unbedingt teuer sein. So rechne sich der Einsatz von energieeffizienter Informationstechnik in Rechenzentren schon nach zwei Jahren, sagt Jetter überzeugt. Allerdings besteht das Hauptproblem darin, dass nur etwa 7 Prozent der IT-Verantwortlichen in den Unternehmen überhaupt wüssten, wie viel Energie die IT tatsächlich verbrauche, ergänzt der IBM-Manager. Steve Ballmer, der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, forderte auf der Microsoft-Pressekonferenz in Hannover zudem die Softwareunternehmen auf, mehr zu machen, um den Energieverbrauch zu senken.

          Allein in Deutschland gibt es etwa 50.000 Rechenzentren. Und sie haben großen Energiehunger. Die Antwort kann in einer besseren Auslastung der Hardware liegen. Damit ist gemeint, dass man auf einen physischen Netzwerkrechner (Server) mehrere virtuelle Recheneinheiten packt. In Fachkreisen wird dies mit dem Stichwort Virtualisierung bezeichnet. „Es gab ein Projekt, da haben wir 3900 physische Server auf 30 Maschinen umgeschichtet. Dadurch konnte man bis zu 80 Prozent an Energie und bis zu 85 Prozent des vorher benötigten Raumes einsparen“, skizziert Thomas Tauer seine Projekterfahrung. Er ist bei der IBM Deutschland zuständig für die Planung und Realisierung von großen Serverfarmen. Dazu gehören neben der Optimierung der Gebäudetechnik und -ausstattung auch die Stromversorgung und Kühlung der Netzwerkrechner.

          „10 bis 15 Prozent zu senken, geht immer“

          „Meist lässt sich zwischen 30 und 40 Prozent des Strombedarfs allein durch Optimierungen einsparen“, sagt Tauer. Auch bei der Lüftungstechnik gebe es Einsparpotentiale von 10 bis 15 Prozent. Da kann ein gründlicher Check des Rechenzentrums schnell lohnend werden. Tauers allgemeine Faustregel lautet: „Den Energiebedarf um 10 bis 15 Prozent zu senken, geht immer.“ Helfen können hier auch die kleinsten Computerkomponenten. So kündigte erst vor wenigen Tagen der drittgrößte Speicherchiphersteller der Welt, die Infineon-Tochtergesellschaft Qimonda, eine neue Speicherchipgeneration an, die bei doppelt so großen Speicherkapaziäten deutlich weniger Energie verbrauchen soll.

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