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Twitter-Investor Albert Wenger : „Das Internet ändert alles“

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Albert Wenger hat selbst Internetfirmen gegründet. Jetzt hilft er als Partner der Union Square Venture bei Gründungen und denkt über die Zukunft nach.
          4 Min.

          Der Deutsche Albert Wenger ist Partner der Firma Union Square Venture, die in Internet-Firmen mit dem Potential investiert, ihre Branchen auf den Kopf zu stellen. Twitter, Shapeways und Zynga gehören zum Portfolio der New Yorker. Wenger, selbst Gründer mehrerer Firmen, hat in Harvard Wirtschaft und Computerwissenschaft studiert und wurde am MIT promoviert. Er bloggt über das Internet und gibt online Programmierstunden.

          Herr Wenger, Google, Amazon, Facebook, Wikipedia und Twitter sind nicht mehr wegzudenken. Trotzdem ist da das Gefühl, dass die Wirkung des Internets aufs normale Leben nachlässt.

          Das Gegenteil ist richtig. Allein die fünf Namen von Amazon bis Twitter haben die Welt schon mehr verändert, als viele offenbar wahrnehmen. Und dennoch stehen wir erst am Anfang.

          Können Sie Beispiele nennen?

          In Amerika und Europa schließen Buchladenketten, vor allem wegen Amazon, aber auch wegen Twitter. Es macht mir am Abend oft Spaß, meinen Twitter Feed zu lesen statt eines Buches. Elektronikhändler stehen als Nächstes unter Druck. Der stationäre Einzelhandel steht im Prinzip zur Disposition.

          Okay, das hören wir schon lange.

          Bei den Zeitungen haben wir das auch lange gehört. Und jetzt kommt das Ende für viele Publikationen. Die Umbrüche für die Welt haben die gleiche Qualität wie jene beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft.

          Das klingt jetzt übertrieben.

          Wir glauben fest dran und investieren dementsprechend. Medien und Handel sind schon bald nicht mehr wiederzuerkennen. Streng hierarchische Organisationen werden durch dynamische Netzwerke ersetzt in der Wirtschaft und in der Politik, nationale Grenzen, das Eigentum und selbst die Mobilität werden neu definiert.

          Bleiben wir bei der Mobilität.

          Okay. Ein Teil des Autoverkehrs ist Informationsverkehr. Ich fahre zum Supermarkt, informiere mich über das Angebot, packe ein und nehme den Einkauf mit nach Hause. Stattdessen kann ich jetzt im Internet bestellen und ein Lieferwagen kann das zu mir und vielen anderen bringen. Das spart Zeit, schont die Umwelt und bedeutet, dass ich kein Auto brauche oder mein Auto weniger auslaste. Das Letztere macht dann die Teilnahme an einem Carsharing-Club wie RelayRides interessant. Dramatisches tut sich auch im Bildungswesen.

          Was passiert da?

          Die Khan Academy macht es vor. Das ist eine Non-Profit-Online-Schule, die unentgeltlich Lehrfilme ins Netz stellt. Der Gründer Salman Khan erreicht mit mehr als 3000 Lehrvideos schon mehr als zehn Millionen Menschen. Es gibt inzwischen viele Anbieter wie Udacity und Codecademy. Das wird das globale Bildungswesen verändern. Jeder Mensch kann lernen, was er will, wann er es will, wo er es will und mit seinem eigenen Tempo.

          Fernschulen gab es bisher schon.

          Das stimmt. Es gab auch schon Zimmervermittlungen und Mitfahrzentralen. Aber im Internet sind die marginalen Kosten nahegehend null und dadurch können diese Netzwerke und Marktplätze um viele Größenordnungen wachsen. Den Zimmervermittler AirBnB kostet es nichts, noch ein Bild von einer Wohnung ins Netz zu stellen. Für Online-Universitäten kostet es fast nichts zusätzlich, ob 50 oder 50.000 der Vorlesung folgen. Selbst höhere Bildung wird überall verfügbar und oft unentgeltlich sein. Privatuniversitäten in Amerika müssen sich sorgen. Doch für Amerikaner, die noch große Studentendarlehen aufnehmen und abbezahlen müssen, kann es nicht schnell genug kommen.

          Wenn so vieles umsonst ist, wer verdient dann noch Geld im Internet?

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