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Twitter-Gründer Biz Stone : „Ich bin überverdrahtet“

  • Aktualisiert am
Twitter-Gründer Biz Stone: „Wir beschleunigen nur das, was in der Welt per Mundpropaganda passiert.”
          5 Min.

          Selbst der Twitter-Gründer Biz Stone hat manchmal das Gefühl, nicht mehr allen Informationen hinterherzukommen. Doch die Kurznachrichten förderten sogar die Konzentration, behauptet er im Interview - und verspricht einige „Experimente“ für das kommende Halbjahr.

          Biz Stone, über Twitter kann jeder im Internet 140 Zeichen lange Nachrichten verschicken. Wozu ist das gut?

          Das ist gut, damit andere Leute schnell erfahren, was jetzt gerade um sie herum passiert. Auf Twitter bekommen Sie Informationen innerhalb von Sekunden, zum Beispiel wenn Sie wissen wollen: Was war das eben für ein Lärm?

          Diese Antwort hätte jetzt aber nicht in die 140 Zeichen gepasst, die Sie erlauben.

          In 140 Zeichen hätte ich gesagt: Twitter ist ein Informations-Netzwerk, in dem man herausfinden kann, was jetzt gerade passiert.

          Was kann man denn in 140 Zeichen überhaupt lernen?

          Da gibt es viel mehr, als Sie denken. Es ist schon zu einer Kunstform geworden, einen sehr guten Tweet zu dichten . . .

          . . . also eine Twitter-Nachricht . . .

          . . . Sie können aber auch einen Link zu einer Internet-Seite verschicken. Aber das ist gar nicht immer nötig. Denken Sie an eine Fernsehshow oder ein Naturereignis. Die Menschen wollen sich darüber austauschen. Denken Sie an eine Konferenz: Auf Twitter sehen Sie zum Beispiel, ob Sie in einen anderen Vortrag wechseln sollten.

          Der Chef des Computerkonzerns Sun hat kürzlich seinen Rücktritt auf Twitter verkündet, in der Gedichtform eines Haikus.

          An so etwas dachten wir sehr früh. Wir dachten, dass die Beschränkung auf 140 Zeichen auch die Kreativität aus den Leuten herausbringt. Einer hat mal vorgeschlagen, dass wir die Leute tatsächlich zu Haikus zwingen. Das haben wir aber dann doch nicht gemacht.

          Mussten es denn unbedingt 140 Zeichen sein – hätten Sie nicht die 160 Zeichen nehmen können, die wir von der SMS gewohnt sind?

          Unsere Wahl hängt sogar mit der SMS zusammen. Als wir angefangen haben, haben wir uns nämlich nur um SMS gekümmert. Twitter sollte dazu dienen, dass man unterwegs Informationen verschicken kann. Wir haben dann eine Obergrenze von 140 Zeichen genommen, um in der SMS genügend Platz für den Namen des Absenders zu haben.

          Den Durchbruch hatte Twitter dann bei einem Filmfestival.

          Ja, das Film- und Musikfestival South by Southwest war 2007 unser Durchbruch. Dieses Festival hat auch einen Technologie-Teil. Während einer Sitzung standen plötzlich viele Leute auf, weil sie per Twitter mitbekommen hatten, dass eine andere Sitzung am anderen Ende des Ganges interessanter war.

          Für die Konferenz ist das ziemlich störend, wenn plötzlich alle Leute abhauen.

          Wir beschleunigen nur das, was in der Welt sowieso per Mundpropaganda passiert. Bei Kinofilmen zeigt sich das jetzt schon: Wenn freitags viele Leute ins Kino gehen und den Film schlecht finden, dann erzählen sie das auf Twitter. Das kann sich schon auf die Besucherzahlen am Samstag auswirken. Für die Konferenz kann man sagen: Vielleicht sollte einfach der Redner besser sein. Wir üben also Druck aus, besser zu werden.

          Abgelenkt werden die Leute auf jeden Fall.

          Bei solchen Technik-Konferenzen haben sowieso ständig Leute den Laptop offen. Twitter hilft, dass die Leute der Diskussion folgen und ihre eigenen Gespräche darüber führen.

          Nicht mal alle Technik-Junkies können die ganzen Informationen noch verarbeiten, die auf sie einströmen. Wir bekommen ja nicht nur Twitter-Nachrichten, sondern auch E-Mails und SMS.

          Stimmt. Ich habe auch das Gefühl, dass ich den Informationen nicht mehr hinterherkomme, die auf mich einströmen. Zum Beispiel habe ich drei E-Mail-Postfächer. Da kommen jeden Tag Hunderte E-Mails an, und jeder erwartet, dass ich ihm zurückschreibe. Auch deshalb haben wir Twitter entwickelt.

          Bitte?

          Ja, auf Twitter sind die Erwartungen anders. Keiner muss sofort zurückschreiben, jeder kann so oft angekoppelt sein, wie er will. Während eines großen Ereignisses will man vielleicht mitbekommen, was passiert, zum Beispiel während des Oktoberfests. Und dann kann man wieder ein paar Tage weg sein, und niemand ist deshalb sauer.

          Sind Sie auch manchmal ein paar Tage weg von Twitter?

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