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Twitter-Chef Evan Williams : Der Zwitscherer ohne Geschäftsmodell

„Ein Bauernjunge aus Nebraska”: Twitter-Chef Evan Williams Bild: AP

Twitter ist der neue Liebling der Internetbranche. Das Unternehmen beschäftigt zwar nur 29 Angestellte und verdient kein Geld. Dennoch ist die Firma ein Hit. Und Gründer Evan Williams ein Star der Internetszene.

          Evan Williams sieht sich gerne als eine Art Robinson Crusoe: "Ein Unternehmen zu gründen ist, wie auf einer einsamen Insel zu stranden", schreibt er auf seiner persönlichen Internetseite. Williams zählt in diesem "Blog" Parallelen auf: Man hat erst einmal keine Ahnung, wie groß die Insel ist oder welche Raubtiere es geben könnte. Man hat nur eine bestimmte Menge an Proviant mit sich, die reichen muss, bis man sich selbst versorgen kann. Jemand kann kommen, um die Insel zu erobern. Aber wenn man denn irgendwann erfolgreich ist, dann ist man der König in seiner eigenen gedeihenden Welt. Und wenn nicht, dann stirbt man eben - oder muss nach Hause gehen. "Wie dem auch sei, es ist ein Abenteuer, das Spaß macht", resümiert Williams.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Tatsächlich befindet sich Williams mit seinem Unternehmen in einer Phase, in der vieles noch unerforscht oder fremd ist. Aber er kann schon einmal für sich verbuchen, eines der größten Internetphänomene seit dem Erfolg der Online-Gemeinden Facebook und Myspace geschaffen zu haben. Williams ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Twitter, einer Online-Plattform, deren Nutzer über Kurznachrichten miteinander kommunizieren.

          Unternehmen ohne Geschäftsmodell

          Das Unternehmen aus San Francisco ist der neue Liebling der Internetbranche und zählt Britney Spears ebenso wie Barack Obama zu seinen begeisterten Nutzern. Bei allem Rummel gibt es aber auch eine gehörige Portion Skepsis: Vielen Menschen erschließt sich bis heute nicht, was das Besondere an Twitter ist, wo es doch von E-Mails über Blogs bis zu Seiten wie Facebook schon massenweise Möglichkeiten zur schnellen elektronischen Kommunikation gibt.

          Und dann stellt sich die Frage nach dem Geschäftsmodell. Es gibt nämlich keines, Twitter nimmt mit seinem Angebot bisher keinen müden Dollar ein. Trotzdem hat eine Gruppe von Investoren vor wenigen Tagen einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag in Twitter gesteckt. Das ist umso bemerkenswerter, als Wagniskapitalgeber mit Finanzspritzen für junge Technologieunternehmen wegen der Wirtschaftskrise immer vorsichtiger werden.

          Twitter (englisch für "zwitschern" oder "schnattern") ist ein Forum für Mini-Botschaften. Im Prinzip geht es wie in Online-Gemeinden wie Facebook oder Myspace um den Austausch zwischen Nutzern, nur ist die Kommunikation viel knapper und prägnanter. Twitter sieht sich als Plattform für schnelle Momentaufnahmen aus dem Leben seiner Nutzer, eine fortdauernde Antwort auf die Frage "Was machst du gerade?".

          So eine Art Status-Update gibt es auch als Element bei Facebook. Bei Twitter dreht sich das ganze Konzept darum. Entscheidend ist die Kürze: Die Nachrichten auf Twitter ("Tweets") dürfen nicht mehr als 140 Zeichen haben, ähnlich wie eine SMS auf dem Handy. Anders als eine SMS richten sich Tweets aber in der Regel nicht an einen einzelnen Gegenpart, sondern an alle "Twitterer". Jeder Nutzer kann selbst bestimmen, wessen Einträge er automatisch auf der Seite bekommen will oder - in Twitter-Sprache - zu wessen "Follower" er werden will. Genauso kann jeder Nutzer auch selbst entscheiden, an wen er seine Tweets sendet, und unerwünschte "Follower" blockieren. Die Nachrichten können vom Handy oder vom Computer aus geschickt werden.

          Viele Nutzer sind schlagartig begeistert

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