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Twitter-Chef Evan Williams : Der Zwitscherer ohne Geschäftsmodell

Williams, der von sich selbst sagt, er habe eine "stark unabhängige Natur", wechselte danach zuerst mit zu Google, hielt es dort aber nur knapp zwei Jahre aus und wollte wieder etwas Eigenes probieren.

Twitter ist bislang für alle Nutzer umsonst

Er gründete einen Spezialisten für Online-Informationsprogramme (Podcasts), hier entstand Twitter, erst als Idee von Jack Dorsey und wiederum ursprünglich als Nebenprojekt. Nach einem langsamen Start im Jahr 2006 feierte Twitter seinen Durchbruch im Jahr 2007 auf Großveranstaltungen wie einem bekannten Musikfestival in Texas, dessen Besucher massenweise Tweets über die Bands verschickten. Im Mai 2007 wurde Twitter ein eigenes Unternehmen, zunächst mit Jack Dorsey als Vorstandsvorsitzendem.

Sehr schnell konnte Twitter Investoren zur Anschubfinanzierung für sich gewinnen, darunter prominente Namen wie Jeff Bezos, den Gründer des Online-Händlers Amazon. Twitter wuchs so rasant, dass die Seite bis weit ins vergangene Jahr hinein oft wegen Überlastung zusammenbrach. Je mehr sich Twitter verbreitete, umso mehr rückte die Frage in den Vordergrund, wie das Unternehmen seine Popularität zu Geld machen will. Denn Twitter ist für alle Nutzer umsonst, und der Dienst hat auch keinerlei andere Einnahmequellen wie Werbung.

Im vergangenen Oktober gab es einen Wechsel an der Unternehmensspitze: Der eher technikorientierte Jack Dorsey übergab den Posten an den geschäftserprobteren und älteren Evan Williams. Etwa zur gleichen Zeit führte Twitter Gespräche über einen Verkauf an Facebook. Angeblich soll Facebook 500 Millionen Dollar geboten haben. Williams sträubte sich aber gegen einen Verkauf. "Es war nicht der richtige Zeitpunkt", wurde er nachher zitiert. Er wies aber auch darauf hin, dass die beiden Unternehmen gut zusammengepasst hätten - und ließ damit die Tür für Facebook offen. Die Frage nach dem Geschäftsmodell hat für Twitter seither eine neue Dringlichkeit. Williams hat sich lange auf den Standpunkt gestellt, es nicht eilig zu haben und stattdessen erst einmal auf das Wachstum der Nutzergemeinde zu setzen. Jetzt will er aber doch in den nächsten Monaten Wege finden, Umsätze zu erzielen. "It's business time!", hieß es kürzlich auf dem Blog von Twitter, als das Unternehmen die Einstellung "unseres ersten offiziellen Gurus zum Aufbau von Geschäften" bekanntgab.

Trotz fehlender Umsätze interessieren sich Investoren

In der Szene wird heftig spekuliert, was Twitter im Sinn haben könnte. Twitter könnte wie viele andere Online-Dienste Werbung auf seinen Seiten verkaufen, aber Williams hat sich von der Idee in der Vergangenheit nicht allzu begeistert gezeigt. Denkbar wäre auch, dass Twitter für bestimmte Angebote Gebühren berechnet, zum Beispiel von Unternehmen.

Dass Williams statt Umsätzen bislang nur Visionen vorweisen kann, scheint Investoren nicht abzuschrecken. Erst vor wenigen Wochen hat Twitter weitere 35 Millionen Dollar von Wagniskapitalgebern bekommen.

Aber manche Dinge sind ohnehin unbezahlbar. Zum Beispiel, dass Williams als Twitter-Chef nun ein gefragter Mann bei Berühmtheiten in seiner Nutzergemeinde geworden ist. So gab er Demi Moore bei ihrem Start einige Tipps zum Twittern, seither hat er ein paar Mal Tweets mit ihr ausgetauscht. Welcher andere Bauernjunge aus Nebraska kann das schon von sich sagen?

Der Mensch

Evan Williams ist mit Twitter zu einem neuen Star der amerikanischen Internetszene geworden, ähnlich wie vor ihm Mark Zuckerberg von der Online-Gemeinde Facebook oder Tom Anderson und Chris DeWolfe von Myspace . Der 36 Jahre alte Williams, der ursprünglich aus dem ländlichen Bundesstaat Nebraska kommt, hat schon vor Twitter Trends in der Online-Kommunikation gesetzt. Im Jahr 1999 war er einer der Mitgründer des Unternehmens Pyra Labs , das zu einem Vorreiter bei Online-Tagebüchern oder „ Blogs “ wurde. Die Software von Pyra Labs mit dem Namen „Blogger“ machte es einfach, Blogs im Internet zu veröffentlichen. Im Jahr 2003 verkaufte Williams Pyra Labs an den Internetkonzern Google. Es folgte ein kurzes Intermezzo als Angestellter bei Google , aber bald gründete er wieder ein eigenes Unternehmen, aus dem schließlich Twitter hervorging. Williams ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in San Francisco .

Da s Unternehmen

Die Online-Kommunikationsplattform Twitter aus San Francisco ist der Aufsteiger in der Internetszene. Twitter hat eine große Nutzergemeinde: Die Zahl der „Twitterer“ wird in der Branche derzeit auf rund sechs Millionen geschätzt und wächst sprunghaft, wenngleich Twitter damit noch weit hinter der Online-Gemeinde Facebook zurückliegt, die weltweit 175 Millionen Mitglieder hat.

Twitter macht bislang keine Umsätze , hat aber noch für dieses Jahr Ideen versprochen, wie Geld in die Kassen fließen soll. Denkbar sind Werbung und Nutzergebühren. Im Moment beschäftigt Twitter 29 Mitarbeiter .

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