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Trump und die Technikbranche : Ein großes Trostpflaster für das Silicon Valley

Tech-Giganten: Geschäftsführer von Amazon, Alphabet Inc. und Facebook im Gespräch mit Donald Trump Bild: AFP

Die amerikanische Technikbranche wollte Donald Trump nicht als Präsidenten. Aber sie könnte von seinen Steuerplänen enorm profitieren. Und damit einen alten Wunsch erfüllt bekommen.

          Im Silicon Valley war die Enttäuschung nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten groß. Viele prominente Vertreter von hier beheimateten Technologiekonzernen haben sich im Wahlkampf für Hillary Clinton eingesetzt. Ihnen missfielen Trumps Äußerungen zu Themen wie Einwanderung oder Freihandel. Es hatte daher auch den Anschein eines nicht ganz freiwilligen Antrittsbesuches, als Topmanager von Unternehmen wie Apple, Alphabet oder Microsoft sich vor wenigen Tagen in New York mit Trump trafen. Aber die Stimmung der Tech-Giganten könnte sich schon bald aufhellen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Denn bei dem Gespräch soll auch die Rückführung von im Ausland geparkten Gewinnen diskutiert worden sein, und das ist ein Thema, bei dem die Branche sehr hellhörig wird. Viele Technologiekonzerne horten enorme Summen bei ausländischen Tochtergesellschaften, ohne sie in ihrem Geschäft zu nutzen. Eine Rückführung in die amerikanische Heimat würde hohe Steuern verursachen. Trump hat im Wahlkampf versprochen, diese Steuerbelastung erheblich zu reduzieren, und die Technologiebranche würde davon am meisten profitieren. „Das Silicon Valley könnte am Ende einer der großen Gewinner der Wahl sein“, sagt Martin Sullivan, ein Ökonom und Steuerexperte, der früher im amerikanischen Finanzministerium gearbeitet hat.

          Es geht um gewaltige Beträge: Nach Schätzung eines Steuerausschusses im amerikanischen Kongress lagerten amerikanische Unternehmen zuletzt 2,6 Billionen Dollar im Ausland, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Klarer Spitzenreiter ist der Elektronikkonzern Apple. Dessen gesamte Barbestände betrugen im jüngsten Berichtsquartal fast 238 Milliarden Dollar, und davon entfielen 216 Milliarden Dollar oder mehr als 90 Prozent auf Auslandsniederlassungen. Weil so viel Geld im Ausland gebunden ist, hat der hochprofitable Konzern Schulden gemacht, um Dividenden und Aktienrückkäufe bezahlen zu können. Microsoft hatte zuletzt 111 Milliarden Dollar außerhalb Amerikas, bei Alphabet, Oracle und Cisco Systems waren es jeweils mittlere zweistellige Milliardenbeträge. Die Analysegesellschaft Capital Economics schätzt, dass heute 40 Prozent aller von amerikanischen Unternehmen im Ausland gehaltenen Gewinne auf die Technologiebranche entfallen, 2002 seien es erst 12 Prozent gewesen. Die Pharmaindustrie stehe heute mit einem Anteil von 27 Prozent an zweiter Stelle.

          Aggressive Steuersparmethoden

          Ökonom Andrew Hunter von Capital Economics führt das anschwellende Liquiditätspolster der Technologiebranche zum einen auf deren rapides Wachstum in den vergangenen Jahren zurück, zum anderen aber auch auf ihre Steuerkniffe, also einen weitaus weniger ehrenhaften Grund. Kritiker werfen Unternehmen wie Apple seit langem vor, ihre Reichtümer im Ausland seien vor allem das Ergebnis aggressiver Steuersparmethoden, etwa der Verschiebung von Gewinnen in diverse Steueroasen. Das geschieht zum Beispiel, indem Nutzungsrechte für geistiges Eigentum wie Patente an ausländische Tochtergesellschaften transferiert werden.

          Mit diesen umstrittenen Praktiken werden besonders häufig Technologie- und Pharmaunternehmen in Verbindung gebracht, weil in deren Geschäft immaterielle Wirtschaftsgüter wie Patente eine große Rolle spielen, die sich leicht von einem Land ins nächste verschieben lassen. Apple gerät besonders oft wegen seiner Steuermethoden in die Schlagzeilen. Die EU-Kommission entschied vor wenigen Monaten, dass der iPhone-Hersteller wegen unerlaubter Steuervergünstigungen 13 Milliarden Euro an den irischen Staat nachzahlen muss. Absprachen mit Irland ermöglichten es den Amerikanern nach Auffassung der Behörde, nur einen Bruchteil von einem Prozent an Steuern auf ihre europäischen Gewinne zu zahlen. Apple-Vorstandsvorsitzender Tim Cook hat Vorwürfe, sein Konzern drücke sich um Steuern, als „politischen Mist“ zurückgewiesen.

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