https://www.faz.net/-gqe-y6px

„The Daily“ : Murdoch startet die erste Zeitung für das iPad

Bei der Präsentation im New Yorker Guggenheim-Museum Bild: www.thedaily.com

Nicht weniger als eine Revolution in der Presselandschaft verspricht sich Medienmogul Rupert Murdoch von seiner iPad-Zeitung „The Daily“. Eine 120 Köpfe zählende Redaktion liefert die Inhalte für diese erste, speziell für das iPad entwickelte Zeitung.

          3 Min.

          Der Medienkonzern News Corp. hat am Mittwoch den Startschuss für ein in der Verlagsbranche mit Spannung erwartetes Zeitungsexperiment gegeben: Der Vorstandsvorsitzende Rupert Murdoch stellte im New Yorker Guggenheim-Museum die erste digitale Tageszeitung vor, die exklusiv für den Tabletcomputer iPad von Apple entwickelt worden ist. „The Daily“ wird es nur als iPad-Produkt geben, nicht als gedruckte Version, nicht als Internetausgabe und für den Moment nicht auf anderen Geräten. Für Murdoch ist es ein weiterer Versuch, digitale Zeitungsinhalte kostenpflichtig zu machen. News Corp. verlangt für die Online-Version seiner Finanzzeitung „Wall Street Journal“ Gebühren und hat im vergangenen Jahr auch für die Internetausgabe der Londoner „Times“ ein Bezahlmodell eingeführt.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          „Wir müssen das Nachrichtengeschäft wieder existenzfähig machen“, sagte Murdoch in New York. Das iPad zwinge die Branche dazu, „unser Handwerk neu zu erfinden.“ Murdoch sagte weiter, Apple-Vorstandschef Steve Jobs, der gerade eine krankheitsbedingte Auszeit nimmt, habe ihn in der vergangenen Woche angerufen und sich begeistert von „The Daily“ gezeigt.

          Die Zeitungsbranche blickt aufmerksam auf Murdochs Initiativen: Viele Verlage kämpfen mit rückläufigen Zeitungsauflagen, weil immer mehr Menschen das Internet als Informations- und Unterhaltungsquelle nutzen. Gleichzeitig fällt es ihnen schwer, im Internet Geld zu verdienen: Die Nutzer haben sich daran gewöhnt, Inhalte kostenlos abrufen zu können. Viele Online-Versionen bringen bislang nicht die erhofften Werbeumsätze.

          Rupert Murdoch
          Rupert Murdoch : Bild: www.thedaily.com

          Deshalb geht Rupert Murdoch jetzt mit „The Daily“ einen anderen Weg und bietet die digitale Zeitung als Applikation an, die nur aus dem App-Store von Apple heruntergeladen werden kann. Dahinter steckt die Hoffnung, dass Nutzer von iPads und anderen Geräten wie dem Smartphone eher dazu bereit sind, für Applikationen zu bezahlen als für gewöhnliche Internetinhalte. Das zunächst nur in Amerika erhältliche Abonnement von „The Daily“ soll Nutzer 99 Cent in der Woche oder 40 Dollar im Jahr kosten. Zum Start gibt es die digitale Zeitung für zwei Wochen umsonst.

          Für Murdoch, der bei News Corp. über ein riesiges Medienkonglomerat mit Zeitungen, Film- und Fernsehaktivitäten herrscht, hat die iPad-Publikation eine hohe Priorität, und er hat sich deren Entwicklung nach eigenen Worten 30 Millionen Dollar kosten lassen. Er hat Journalisten von namhaften Publikationen wie „Forbes“ für das Projekt angeheuert. Insgesamt arbeiten rund 120 Redakteure für „The Daily“. Murdoch sagte, er hoffe, Millionen von Abonnements zu verkaufen, wies aber darauf hin, dass die laufenden Kosten für „The Daily“ sich bei wöchentlich rund 500.000 Dollar in Grenzen halten. Der größere Teil des Umsatzes mit „The Daily“ soll zunächst von den Abonnements kommen, auf längere Sicht soll Werbung die Hälfte beisteuern.

          Murdoch bindet sich eng an Apple

          Der 79 Jahre alte Medienunternehmer ist bekannt dafür, hohe Summen zu investieren und auch über einen längeren Zeitraum Verluste in Kauf zu nehmen, wenn ihm ein Produkt am Herzen liegt. Zum Beispiel ist das Boulevardblatt „New York Post“ chronisch defizitär.

          Murdoch sagte, auf längere Sicht wolle er mit „The Daily“ auf allen bedeutenden Tablets vertreten sein, aber in diesem und vielleicht auch noch im nächsten Jahr werde die Publikation dem iPad vorbehalten sein. Murdoch bindet sich damit zunächst einmal eng an Apple, während viele andere Verlagshäuser inzwischen ein gespaltenes Verhältnis zu dem Elektronikkonzern haben. Einerseits liefert ihnen der überwältigende Erfolg des iPad eine attraktive Plattform, da seit dem Start im vergangenen April mehr als 15 Millionen Geräte in aller Welt verkauft wurden. Andererseits klagen Verleger darüber, dass sie sich bei Apple unattraktiven Konditionen und strengen Regeln unterwerfen müssen. So hat Apple bislang nur bei wenigen Publikationen ein Abonnementmodell zugelassen und die Verlage dazu gezwungen, die meisten Zeitschriften jeweils als Einzelausgaben zu verkaufen. Die Preise liegen dabei oft auf Höhe der einzelnen gedruckten Ausgabe, was dafür gesorgt hat, dass die Verkaufszahlen der iPad-Versionen von Zeitschriften sich bislang enttäuschend entwickelt haben. Es wird erwartet, dass Apple in Kürze ein Abonnementkonzept vorstellt, dazu gab es aber am Mittwoch keine Details. Wie bei allen Applikationen behält Apple 30 Prozent des Verkaufspreises für sich. Besonders stören sich Verlage daran, dass Apple bei den Applikationen die Gewalt über die wichtigen Kundendaten bekommt und gelegentlich auch die Inhalte zensiert.

          Umso mehr hoffen Verlage nun darauf, dass sich der Wettbewerbsdruck für Apple erhöht. Bislang beherrscht das Unternehmen mit dem iPad noch den Tabletmarkt, aber in den nächsten Monaten werden eine Reihe neuer Konkurrenzprodukte erwartet. Viele von ihnen werden mit dem Betriebssystem Android des Internetkonzerns Google arbeiten. Android-Geräte haben Apples Marktanteil im Handygeschäft inzwischen überflügelt. Im Markt der Tablet-Rechner beträgt Apples Marktanteil aber noch rund 80 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahlkampf mit Euro und EU : Marine Le Pen auf dem Vormarsch

          Forderungen nach einem Austritt aus dem Euro und der EU gehören nicht mehr zum Programm der polarisierenden Französin. Warum Le Pen vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr wieder Hochkonjunktur hat.
          Joe Bidens Ankunft beim NATO-Gipfel in Brüssel am Montag

          Beistand für NATO-Partner : Joe Bidens „heilige Verpflichtung“

          Drei Jahre nach Donald Trumps Wutausbruch hat sein Nachfolger in Brüssel alle Zweifel ausgeräumt: Amerika steht zu seinen NATO-Partnern. Die schließen die Reihen – gegen Russland, aber auch im Angesicht von China.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.