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Telekommunikation : „Wir müssen um jeden Anschluss kämpfen“

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Den Stift gezückt und an die Mitarbeiter geschrieben: Rene Obermann Bild: ddp

Der neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom hat seinen Mitarbeitern einen Brief geschrieben. Darin spricht er die Schwachpunkte des Konzerns deutlich an. Ein „Weiter so“ gefährde das ganze Unternehmen, schreibt Rene Obermann.

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          Der neue Telekom-Chef Rene Obermann hat sich für das laufende Jahr die Verteidigung von Marktanteilen, Kostensenkung und die Verbesserung des Service vorgenommen. „Um langfristig bestehen zu können, werden wir 2007 in unserem Unternehmen einiges verändern müssen“, schrieb Obermann in einem Brief an die Mitarbeiter der Deutschen Telekom, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag.

          „Wir müssen schnell handeln! Kosten runter, Service verbessern und unsere Preise wettbewerbsfähig machen - dann und nur dann haben wir als 'T' eine gute Perspektive“, hieß es in dem schreiben. Ein „Weiter so“ gefährde langfristig das ganze Unternehmen.

          Kosten auch im Personalbereich senken

          Die Telekom müsse ihre Kosten senken, das gelte auch für die Personalkosten, bekräftigte Obermann. Dennoch wolle der Konzern möglichst vielen Menschen eine langfristige Beschäftigungsperspektive geben. „Aber das geht nur, wenn wir deutlich produktiver werden und von einigen Gewohnheiten Abschied nehmen, um so die Kosten pro Arbeitsstunde zu senken“, fügte Obermann hinzu. Im Januar will die Telekom mit den Gewerkschaften über Lohnsenkungen, verlängerte und flexiblere Arbeitszeiten verhandeln.

          Mängel im Service, zu hohe Kosten

          Der Kundenschwund sei nicht alleine Folge der Regulierung, wenngleich Marktanteilsverluste und Renditeprobleme durch sie erheblich verstärkt würden, schrieb Obermann. Es gebe erhebliche Mängel im Service, was Kunden nicht nur mit Beschwerden, sondern auch mit Kündigungen quittierten. Zudem würden die Angebote der Telekom trotz der jüngsten Preissenkungen häufig als zu teuer empfunden. „Der Markt akzeptiert unsere hohen Kosten nicht mehr“, konstatierte der Vorstandschef. Dieses Image lasse sich nur langfristig verändern. Viele Kunden seien der Ansicht, dass die Servicequalität die Preise nicht rechtfertige, andere legten ohnehin nur Wert auf niedrige Preise.

          Marktanteil im Festnetz nicht zu halten

          Den Marktanteil im Festnetz werde die Telekom nicht halten können, räumte Obermann ein. „Es ist (...) nicht realistisch anzunehmen, dass die Anschlussverluste im Festnetz kurzfristig zu stoppen sind“, bekräftigte er. Ein weiterer Verlust sei auch vom Regulierer gewollt. „Wir müssen um jeden Anschluss kämpfen, um die Höhe der Anschlussverluste mittelfristig wieder zu reduzieren“, sagte der Konzernchef. Die Telekom hat allein in den ersten neun Monaten 2006 rund 1,5 Millionen herkömmliche Festnetzanschlüsse verloren.

          Allein bei schnellen Internetanschlüssen (DSL-Retail) habe sich der Marktanteil der Telekom in zwei Jahren fast halbiert, sagte Obermann: „Den Erfolg im Festnetzgeschäft messen wir daran, ob und wie schnell wir diesen negativen Trend umkehren können oder nicht.“ Den Schwerpunkt werde die Telekom deshalb darauf legen, Breitbandanschlüsse zu gewinnen, sowohl im Festnetz wie im Mobilfunk. Die Geschäftskundensparte T-Systems müsse im Mittelstand Boden gut machen und international weitere Kunden gewinnen.

          Obermann hatte angekündigt, der Konkurrenz in Deutschland mit einer engeren Verzahnung von Mobilfunk und Festnetz und einer besseren Kundenorientierung Paroli zu bieten. An dem von seinem Vorgänger Kai-Uwe Ricke ausgegebenem Sparziel von fünf Milliarden Euro bis 2010 hält Obermann fest. Auch bei der Ausgliederung von 45.000 Service-Mitarbeitern in konzerneigene Gesellschaften soll es bleiben.

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