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Telekommunikation : Preiskampf auf dem Mobilfunkmarkt

  • -Aktualisiert am

Ja, ist denn heut' schon Weihnachten? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mobil telefonieren wird immer billiger. Viele neue Anbieter drängen auf den Markt und drücken die Preise. Zuletzt unterbot Discount-Rountinier Aldi das bisherige Tarifniveau. Und Marktführer T-Mobile zieht nach.

          Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt regieren inzwischen die kleinen Preise. Wo lange das enge Oligopol der vier Netzbetreiber für ein stabiles Hochpreisniveau gesorgt hat, geht es jetzt Schlag auf Schlag. Fast in Wochenfrist melden sich neue Anbieter auf dem Markt zu Wort und läuten mit ihren Billigangeboten eine immer neue Preisrunde ein. Entsprechend sind die Minutenpreise seit Anfang des Jahres schon jetzt um mehr als 40 Prozent gesunken - Tendenz weiter fallend.

          Jüngster Einsteiger in den Mobilfunkmarkt ist die Discounterkette Aldi, die seit Mitte der Woche auch Mobilfunkangebote verkauft. Mit dem Minutenpreis von 15 Cent unterbietet Aldi - entsprechend den derzeitigen Marktgepflogenheiten - die bisherigen Preisbrecher und läßt sich gleich noch etwas Besonderes einfallen: Aldi-Kunden telefonieren untereinander sogar für nur 5 Cent in der Minute.

          Abgerechnet wird nach der ersten Minute im für den Verbraucher günstigen Sekundentakt und der Preis für die Kurzmitteilung (SMS) liegt mit 15 Cent auf Marktniveau. Auch hier gilt aber: die SMS unter Aldi-Kunden gibt es auch zum Sonderpreis von 5 Cent. Aldi nutzt für seine Dienste das Netz von E-Plus und kauft die Mobilfunkminuten dort zum Großhandelspreis ein.

          Im Netz umsonst telefonieren

          Die Marktreaktion auf diesen Vorstoß ließ nicht lange auf sich warten. Die Wettbewerber Simply und Easymobile setzten den Preis für Gespräche unter ihren eigenen Kunden kurzerhand auf 0 Cent. Die Aktion ist allerdings bis zum 28. Februar kommenden Jahres befristet. Bis dahin aber gilt: Wer sich bei diesen Anbietern gruppenweise die Karten für die Mobiltelefone besorgt, telefoniert für knapp drei Monate untereinander ohne zusätzliche Kosten.

          Fachleute äußern inzwischen Zweifel an der Dauerhaftigkeit eines solchen Geschäftsmodells. Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die Mobilfunkanbieter inzwischen einen großen Teil ihres Umsatzes aus den Entgelten beziehen, die die Festnetzanbieter für die Ablieferung der Gespräche aus dem Festnetz auf das Handy zahlen. Bis zu 30 Prozent des Umsatzes entfallen je nach Netzbetreiber auf diese Zahlungen, die auch als mobile Terminierungsentgelte bezeichnet werden.

          Größenvorteil der Telekom

          Aber auch Markführer T-Mobile reagierte mit einer radikalen Preissenkung für netzinterne Gespräche auf den Aldi-Vorstoß. Für 5 Cent statt bisher 15 Cent telefonieren die T-Mobile Kunden jetzt untereinander. Damit spielt T-Mobile seinen Größenvorteil gegenüber den Billiganbietern aus: 28 Millionen Handynutzer in Deutschland sind für diese 5 Cent in der Minute erreichbar. Die anderen Angebote kommen auf höchstens sechsstellige Teilnehmerzahlen. Für die Telefonate zum Rest der deutschen Mobilfunkkunden und ins Festnetz werden von T-Mobile aber weiter recht hohe 25 Cent berechnet.

          So erfreulich die Preisentwicklung auf dem Mobilfunkmarkt für den Verbraucher inzwischen ist, so undurchschaubar ist aber auch weiterhin das Tarifgeflecht der unterschiedlichen Angebote, die allerdings eines gemeinsam haben: Keiner der Billiganbieter kann es sich leisten, zu den niedrigen Verbindungspreisen auch noch ein subventioniertes Handy obendrauf zu legen.

          Mit diesen Subventionen, die bei Spitzengeräten schon mal bis zu 300 Euro je Kunde betragen können, rechtfertigen die Netzbetreiber auch die weiterhin hohen Minutenentgelte, die sie ihren klassischen Vertragskunden in Rechnung stellen. Hier sind 49 Cent in der Minute bei gleichzeitiger Zahlung eines monatlichen Grundpreises keine Seltenheit. Allerdings entscheiden sich immer mehr Kunden für die Billiganbieter, was mittelfristig dazu führen wird, daß das gesamte Preisniveau auf dem Mobilfunkmarkt ins Wanken geraten wird. Da der Markt sehr jung ist, gibt es allerdings noch keine gesicherten Angaben darüber, wie viele Kunden bisher zu diesen Angeboten abgewandert sind.

          Keine subventionierten Handys mehr

          Diese Entwicklung wird mittelfristig aber auch das Aus für die Subventionierung der Endgeräte bedeuten, was vor allem Auswirkungen auf die Handyhersteller haben wird, die ihre Preise dann gegenüber dem Endkunden durchsetzen müssen. Auch wird der Handel mit gebrauchten Mobiltelefonen noch schwunghafter in Gang kommen als er es inzwischen schon ist: Fast 40.000 Angebote stehen derzeit im Internetauktionshaus Ebay zur Auswahl.

          Viel Luft für eine weitere Absenkung der Einheitspreise in alle Netze bleibt dem Wettbewerb unter den Mobilfunkanbietern allerdings nicht mehr. Grund hierfür sind abermals die mobilen Terminierungsentgelte, die derzeit zwischen 11 und 14 Cent in der Minute liegen. Diese Preise gelten auch für Gespräche zwischen den Kunden unterschiedlicher Mobilfunknetze. Eine Absenkung der Preise unter das Niveau von 14 Cent würde bedeuten, daß der Anbieter bei Telefonaten in fremde Mobilfunknetze mit jeder Minute Verlust machen würde. Daher bieten schon heute viele der Discount-Tarife Sonderkonditionen für die Gespräche in das eigene Netz - oder das Festnetz, da hier die Zahlungen für die Ablieferung des Handygesprächs an den Festnetzanschluß nur einen Bruchteil der mobilen Terminierungsentgelte betragen.

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