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Telekommunikation : Motorolas Strategie umstritten

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Bild: FAZ.NET

Was ist wichtiger: Marktanteile oder Profitabilität? Der Handy-Hersteller Motorola hat im dritten Quartal einen Gewinnsprung erzielt, aber die Analysten nicht überzeugt. Nokia hält dagegen.

          Der weltweit zweitgrößte Handy-Hersteller Motorola hat im dritten Quartal einen Gewinnsprung erzielt, mit seinem Wachstum bei den Auslieferungen jedoch die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Die Nummern Eins und Zwei des Mobilfunkmarktes - Nokia und Motorola - liefern sich derzeit einen Kampf mit ungleichen Waffen.

          Motorola habe zwar viel besser abgeschnitten als im vergangenen Jahr, nach den bereits guten Zahlen der zurückliegenden Quartale sei aber eine weitere Beschleunigung des Prozesses erwartet worden, sagte Analysten. Sie verwiesen darauf, daß der Konkurrent Samsung bei der Zahl der Auslieferungen Motorola bereits dicht auf den Fersen sei. Die Aktie von Motorola fiel am Dienstag im nachbörslichen Handel um sechs Prozent. Bei Motorola seien die Anleger zuletzt gewöhnt, daß die Ziele übertroffen werden. Nun seien sie enttäuscht, daß sich das nicht fortgesetzt hat, sagt ein Händler am Morgen in Frankfurt.

          Firmenchef Ed Zander äußerte sich optimistisch über den Verlauf des vierten Quartals. Dank strenger Kostenkontrolle und einem von neuen Handy-Modellen beflügelten Absatz sei der Gewinn auf 479 Millionen Dollar oder 20 Cent je Aktie geklettert nach 116 Millionen Dollar oder fünf Cent je Aktie im Vorjahr, teilte das in Schaumburg (Illinois) ansässige Unternehmen nach Börsenschluß in Amerika mit. Dabei steigerte der Konzern seinen Umsatz um 26 Prozent auf 8,62 Milliarden Dollar. Analysten hatten jedoch in einer Reuters-Umfrage im Durchschnitt 8,67 Milliarden Dollar erwartet. Für das vierte Quartal erwartet Motorola ein Ergebnis je Aktie von 0,23 bis 0,26 Dollar bei einem Umsatz von 9,3 Milliarden bis 9,6 Milliarden Dollar.

          „Sehr solide und optimistisch”: Motorola-CEO Ed Zander

          Marktanteil versus Profitabilität

          Während Nokia vor allem auf den Marktanteil setzt, konzentriert sich Motorola auf die Profitabilität. So verlor der amerikanische Konzern im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal Marktanteile an seinen europäischen Rivalen. Die Entscheidung, die Preise für Mobiltelefone nicht zu senken, sei eine bewußte gewesen, so Motorola. Während Nokia mit 51,4 Millionen Mobiltelefonen mehr absetzte als im Vorquartal mit 45,4 Millionen, verkaufte Motorola nur 23,3 (Vorquartal 24,1) Millionen Mobiltelefone. Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 2 Prozent und im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent.

          Beobachter äußerten sich nahezu durchgehend skeptisch zu den Motorola-Aussagen. Zwar wurde positiv vermerkt, daß sich Ausblick wie auch Zahlen im Vergleich zu den von Nokia vorgelegten eine gewisse Stärke zeigen, doch überwogen am Markt kritische Aussagen. Nokia hatte in der Vorwoche einen Rückgang des Nettogewinns von 20 Prozent im dritten Quartal berichtet bei einem Umsatzplus von 1 Prozent. Der finnische Konzern steigerte im Berichtszeitraum seinen Marktanteil auf 33 Prozent. Allerdings drückte dies angesichts sinkender Durchschnittspreise für Handys auf die Marge.

          Zu Motorola wurde am Markt bemängelt, daß die Analystenprognose zum Umsatz im abgelaufenen Quartal verfehlt wurde. Daneben gab es Stimmen zugunsten der Nokia-Strategie.

          Qualcomm lobt Nokias Strategie

          Im Vorfeld der Vorlage der Motorola-Zahlen hatte der President und COO von Qualcomm, Anthony Thornley, in einem Interview gesagt, daß die Strategie von Nokia sinnvoll sei. Die Konzentration auf den Marktanteil habe sich als „weise“ erwiesen, so Thornley. Der Erfolg des finnischen Unternehmens beruhe vor allem auf dem Erreichen von Skalenerträgen. „Das ist nicht ohne Logik.“

          Auch Motorola-CEO Zander räumte ein, daß der Marktanteil ein bedeutende Kennziffer ein. Unter Verweis auf den finnischen Konkurrenten fügte er aber hinzu: “Wir haben Marge und Gewinn, sie nicht.“

          Um die Marge zu halten, will Motorola auch zukünftig die Kosten senken. Obwohl im dritten Quartal bereits 1.000 Mitarbeiter entlassen wurde, kündigte Zander am Dienstag an, weitere Kostensenkungen und eine bessere Marge seien möglich. Motorola sieht sich gut aufgestellt für das vierte Quartal, dessen Weihnachtsgeschäft traditionell bedeutend für die Branche ist. Neben einer Reihe von neuen Modellen im dritten Quartal habe Motorola darauf geachtet, die Lagerbestände gering zu halten. Analysten zeigten sich dagegen mit den Aussagen für das laufende Quartal wenig zufrieden. Der Ausblick scheine ihm ein bißchen “leicht“, kommentierte Analyst Greg Teets von AG Edwards in St. Louis.

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