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Telekommunikation : "Es gibt keinen Preis, mit dem wir nicht mithalten können"

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Fritz Joussen geht von einer Wachstumsdelle in Deutschland aus Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Fritz Joussen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone D2, über den Konkurrenzkampf mit Billiganbietern, die Chancen des UMTS-Netzes und die Folgen der drohenden Regulierung in Deutschland.

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          Der Mobilfunkmarkt in Deutschland hat in den vergangenen Monaten einen herben Preisverfall erlebt. Ein Ende ist nicht in Sicht. Etablierte Konzerne wie Vodafone kommen durch Billiganbieter unter Druck, der Wettbewerb um die Kunden wird härter. Da in Deutschland inzwischen fast jeder ein Handy hat, müssen die Netzbetreiber den Kunden schon einiges bieten, um sie zum Wechsel ihres Anbieters zu bewegen. Wie Fritz Joussen sucht die ganze Branche nach neuen Wegen, um den Durchschnittsumsatz pro Kunde zu steigern.

          Herr Joussen, Vodafone muß einen zweistelligen Milliardenbetrag auf den Unternehmenswert der deutschen Tochtergesellschaft abschreiben. Arbeiten Sie noch in einer Wachstumsbranche?

          Eindeutig ja. Der Mobilfunk hat es in 13 Jahren seit seinem Bestehen zu einer Branche mit 28 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland gebracht, und rund 430.000 Menschen arbeiten in dieser Industrie. Das ist eine schöne, runde Wachstumsstory. Wenn wir in 20 Jahren auf den Mobilfunk schauen, werden wir uns wahrscheinlich fragen: Wie konnte damals jemand annehmen, daß irgend etwas zu Ende ist.

          Die Wachstumsstory steht aber in Frage, weil eine Marktsättigung eingetreten ist und Billiganbieter die Preise verderben.

          Der Mobilfunk ist immer noch die am schnellsten wachsende Branche in Europa. Aber wir haben gerade in Deutschland mit einem durch die Billiganbieter beschleunigten Preisverfall zu kämpfen. Laut statistischem Bundesamt sind die Mobilfunkpreise im Jahr 2005 um 11 Prozent gesunken. Das müssen wir erstmal durch Zugewinne ausgleichen, bevor es zu echtem Wachstum kommt.

          Woher kommt denn das Wachstum?

          Die Wachstumscharakteristik des Marktes ändert sich im Moment. Von einem Wachstum der Kundenzahlen müssen wir jetzt zu einem Wachstum des Umsatzes pro Kunde kommen.

          Warum aber sollen die Leute mehr Geld für Mobilfunk ausgeben?

          Wir haben durch die UMTS-Netze eine neue Wachstumsplattform geschaffen und verfügen jetzt über große Bandbreiten in den neuen und auch den bestehenden Netzen - sowohl für Sprache als auch für Daten. Wir werden in Deutschland dennoch eine Wachstumsdelle sehen, die durch UMTS wieder ausgeglichen wird. Allerdings hat Vodafone die beste Kostenstruktur aller Anbieter im Mobilfunkmarkt. Daher gilt: Es gibt keinen Preis, mit dem wir nicht mithalten können.

          Das heißt, Vodafone wird den Billiganbietern Paroli bieten?

          Das machen wir mit einigen Angeboten jetzt schon. Ich glaube auch, daß die meisten Billiganbieter diesen Wettbewerb nicht überleben werden, da sie die Skaleneffekte nicht erreichen, die in diesem Geschäft immer wichtiger werden. Wir wollen auf diesem Markt auch in 15 Jahren noch erfolgreich sein.

          Werden denn auch bei Vodafone die Preise weiter sinken?

          Ja. Die Preise im Mobilfunk werden weiter heruntergehen, auch bei Vodafone, zum Beispiel jetzt zur Cebit.

          Und eine eigene Billigmarke...

          ...plant Vodafone bisher nicht. Unsere Marke muß breit genug sein, um dieses Segment mit abzudecken. Das schließt aber nicht aus, daß wir spezielle Angebote - wie zum Beispiel Pauschaltarife oder Flatrates - für einzelne Zielgruppen ins Auge fassen, wenn wir glauben, daß es Sinn macht. Entschieden ist hier aber noch nichts.

          Welche Bedeutung hat denn der Angriff auf das Festnetz, den sich alle Mobilfunkunternehmen auf die Fahnen geschrieben haben, für Vodafone in Deutschland?

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