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Telekommunikation : Endlich fällt das Tempolimit für die Daten

Futuristisches Design: das Nokia 7600 Bild: ap

Bewährungsprobe bestanden: Das neue Mobilfunknetz im Praxistest. Selbst wenn viele hochfliegende Erwartungen nicht erfüllt wurden, ist der Start von UMTS eine Erfolgsgeschichte.

          7 Min.

          Die Reise nach Mainz war für sechs Teilnehmer ein teurer Betriebsausflug. "Man hätte es sich preiswerter vorstellen können", hieß es unisono am Schluß. Gemeint waren nicht die Ausgaben für eine Tour auf dem Rhein mit Schnittchen und Champagner. Im August 2000 endete die Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen: Nach knapp dreiwöchiger Auktion legten D1 und D2, E-Plus, Viag Interkom, Quam und Mobilcom jeweils acht Milliarden Euro für ihre Eintrittskarte in das mobile Zukunftsgeschäft auf den Tisch. "Was gut ist, ist auch teuer", freute sich der damalige Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, Klaus-Dieter Scheurle, über das hohe Ergebnis.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          UMTS ist der Universal Mobile Telecommunication Standard, die dritte Generation des Mobilfunks nach Jahrzehnten der analogen und digitalen Telefonie. Die Vorzüge von UMTS liegen nicht in der Sprachtelefonie, sondern in den höheren Datenübertragungsraten. Die Bits und Bytes können deutlich schneller durch die Luft fliegen als in den herkömmlichen Netzen. Vor vier Jahren träumten die Netzbetreiber von einer ganz neuen Multimedia-Gerätegeneration: UMTS-Apparate, die je nach Bedarf zum Walkman, Internet-Terminal, Fernsehgerät, zur Spielekonsole oder Urlaubskamera werden sollten. Es war von ominösen "Killerapplikationen" die Rede, die so attraktiv seien, daß sie die gesamte Mobilfunkwelt revolutionierten. Schon für Ende 2001 wurden die ersten Produkte angekündigt.

          Indes hat sich der Netzstart verzögert. Zwei Lizenznehmer - Quam und Mobilcom - sind aus dem Rennen, und die verbleibenden vier legten erst im Frühjahr dieses Jahres los. Nun sind die Sendemasten in den Ballungsgebieten in Betrieb, es gibt neue UMTS-Handys und Datenkarten für das Notebook. Nach einem halben Jahr kann man eine erste Bilanz ziehen. Was bringt UMTS, welche innovativen Dienste gibt es, und wie gut ist die Funkversorgung? Was kostet der Spaß, und für wen lohnt sich der Umstieg?

          Motorola ist unumstrittener UMTS-Marktführer
          Motorola ist unumstrittener UMTS-Marktführer : Bild: Vodafone

          Die Suche nach einer "Killerapplikation" endete erfolglos

          Zunächst zu den Geräten: Die schlechte Nachricht lautet, daß keine der kühnen UMTS-Visionen zum marktgängigen Produkt wurde. Die Suche nach einer "Killerapplikation" endete erfolglos. Die gute Nachricht: Das Handy bleibt ein Handy. Waren die ersten UMTS-Telefone für den Testbetrieb schwer, unförmig, kurzatmig und wenig attraktiv, kommt spätestens zum Weihnachtsgeschäft eine neue Generation in den Handel, die sich nahtlos in die bestehende Handy-Welt einfügt. Nur der Kenner wird bei einem Motorola E1000, einem Sony Ericsson Z1010 oder Nokia 6630 die UMTS-Funktionalität entdecken.

          Hier liegt eine der größten Herausforderungen für die Ingenieure: das Mehr an Leistung von UMTS in einem gewohnt kleinen Gehäuse unterzubringen. Alle UMTS-Geräte arbeiten auch in den bestehenden GSM-Netzen. Die vorhandene Infrastruktur ist noch viele Jahre unentbehrlich, vor allem außerhalb der Stadt. So muß das UMTS-Handy in zwei Frequenzbereichen funktionieren: mit GSM und den neuen UMTS-Frequenzen, die bei 2 Megahertz liegen. Die meisten Geräte buchen sich automatisch in das UMTS-Netz ein, wenn es vorhanden ist. Fehlt UMTS, wird die alte Infrastruktur gewählt. Das Umschalten zwischen beiden Netzen sollte ein Telefongespräch nicht unterbrechen. Schon wegen dieser doppelten Sende- und Empfangstechnik ist ein UMTS-Gerät aufwendiger, teurer und bislang auch voluminöser. Während Motorola mit mehreren Gerätegenerationen der unumstrittene UMTS-Marktführer geworden ist, sitzen andere Hersteller noch immer an ihren Hausaufgaben: Nokia will sein bestes Business-Modell, den Communicator, vorerst nicht mit UMTS aufrüsten, und Siemens hat bis jetzt kein einziges selbst entwickeltes UMTS-Produkt im Portfolio.

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