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Telekommunikation : DSL-Wettbewerb in Gefahr

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Telekom will den DSL-Wettbewerb abwürgen. Jetzt wollen die Konkurrenten der Telekom gegen die hohen Rabatte vorgehen, die der Marktführer großen Wiederverkäufern von DSL-Zugängen einräumt. Die Konkurrenz kann kaum noch mithalten.

          Der gerade erst in Gang gekommene Wettbewerb auf dem deutschen DSL-Markt scheint ernsthaft in Gefahr zu sein. Seit Jahresanfang gibt die Deutsche Telekom großen Wiederverkäufern ihrer DSL-Internetanschlüsse so günstige Einkaufskonditionen, daß Konkurrenten kaum noch mithalten können.

          Jetzt wollen die Konkurrenten der Telekom gegen die hohen Rabatte vorgehen, die der Marktführer großen Wiederverkäufern von DSL-Zugängen einräumt. „Der Bundesverband Breitbandkommunikation Breko und sein Mitgliedsunternehmen Versatel haben parallel bei der Bundesnetzagentur ein Verfahren gegen die Deutsche Telekom beantragt“, teilte der kürzlich in Breko umbenannte Verband am Montag mit. Die Bundesnetzagentur solle überprüfen, ob die Telekom ihre Marktführerschaft ausnutze.

          Hauptprofiteure des neuen Net-Rental-Vertrages der Telekom sind die Tochtergesellschaft T-Online und United Internet: Statt bisher rund 11,5 Prozent Abschlag auf den Endkundenpreis eines DSL-Anschlusses erhalten beide in Ballungszentren jetzt mehr als 50 Prozent Rabatt und sichern sich damit hohe Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz. „Deutschland steuert im DSL-Markt auf ein Duopol der Anbieter T-Online und United Internet zu“, sagt ein Branchenkenner. In dieser Situation könnte die Telekom die Preise fast nach Belieben diktieren.

          AOL: Ernsthafte Verhandlungen mit der Telekom“

          Nach Angaben aus Branchenkreisen haben T-Online und United Internet den neuen Vertrag unterschrieben. Auch der drittgrößte Wiederverkäufer (Reseller) AOL könnte nach Einschätzung von Branchenkennern unterzeichnet haben. Auffallend ist auch der Zusammenhang zwischen dem Net-Rental-Vertrag und dem Zugang zum neuen VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz der Deutschen Telekom: Neben T-Online sprechen noch United Internet und AOL mit der Telekom über den Zugang zum VDSL-Netz. United Internet hatte bereits auf der Computermesse Cebit entsprechende Gespräche angekündigt (siehe dazu: 1&1 ins Hochgeschwindigkeitsnetz).

          Nun zieht AOL nach: „Wir stehen in ernsthaften Verhandlungen mit der Telekom über den Zugang zum VDSL-Netz. Wir hoffen, noch in diesem Jahr VDSL als Wiederverkäufer anbieten zu können“, sagte AOL-Deutschland-Chef Charles Fränkl dieser Zeitung. Für Freenet-Chef Eckhard Spoerr ist dieser Zusammenhang aber kein Zufall: „Wer den Net-Rental-Vertrag unterschreibt, wird von der Telekom mit VDSL belohnt“, vermutet Spoerr ebenso wie viele andere in der Branche.

          Der Net-Rental-Vertrag ist aus Sicht der Telekom fein austariert: DSL-Wiederverkäufer können in jedem den rund 7500 Anschlußgebiete des Telekom-Netzes in den Genuß der Vorzugskonditionen des neuen Vertrages kommen, wenn sie dort jeweils eine Mindestmenge an Kunden aufweisen und dafür 192 sogenannter Ports für den Anschluß ihrer Kunden mieten. „Um die echten Größeneffekte des Net-Rental-Vertrages auszunutzen, sind mindestens eine halbe Million Resale-Kunden notwendig. Da es dieses Geschäftsmodell noch nicht so lange gibt, kommen bisher nur T-Online und United Internet in den Genuß der verbesserten Konditionen. Als Ergebnis wird sich die Marge dieser beiden Unternehmen im DSL-Geschäft wohl schon im ersten Quartal 2006 deutlich verbessern“, sagt ein Branchenkenner.

          Preisvorteile im Wettbewerb

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