https://www.faz.net/-gqe-q10h

Telekommunikation : Deutschland geht "voipen"

  • Aktualisiert am

Das technische Potential ist nicht ansatzweise ausgeschöpft Bild: dpa

Telefonate über das Internet sind nahezu kostenlos. Kein Wunder, daß sie in Deutschland immer beliebter werden. Als erster Anbieter stellt Freenet jetzt eine Verknüpfung mit dem Mobilfunk her.

          4 Min.

          In Deutschland ist das "VoIP"-Fieber ausgebrochen. VoIP steht für "Voice over Internet Protocol" oder einfach für Internet-Telefonie. Die Idee dahinter ist einfach: Telefonate über das Internet sind faktisch kostenlos. Rund 1,75 Millionen Deutsche haben sich schon die Software des Internet-Telefoniesystems Skype auf ihren Rechner geladen.

          Die deutschen DSL-Zugangsdienste wollen da nicht zurückstehen: "Freenet hat zur Zeit mehrere hunderttausend Internet-Telefonie-Kunden", sagte der Freenet-Vorstandsvorsitzende Eckhard Spoerr dieser Zeitung, der als erster Anbieter das Internet nun mit dem Mobilfunk verknüpft: Das Freenet-Handy IP1 ist unterwegs ein normales Mobiltelefon, bucht sich aber zu Hause über den Kurzstreckenfunk Bluetooth in das Internet ein. Der Clou: "Alle Telefonate ins deutsche Festnetz sind kostenlos.", sagte Spoerr.

          Freenet vorn

          Freenet übernimmt damit als erster Anbieter auch die Entgelte, die von der Deutschen Telekom erhoben werden, wenn ein Gespräch aus dem Internet in das Festnetz überführt wird. Bisher sind Internet-Telefonate nur dann kostenlos, wenn das Gespräch das Datennetz nicht verläßt. Gespräche in Mobilfunknetze werden gleich über die Handy-Netze geleitet.

          "Das Handy haben wir gemeinsam mit Alcatel entwickelt. Zuvor haben wir mit einigen Geräteherstellern gesprochen, uns dann aber für Alcatel entschieden", sagte Spoerr. Abhängig von der Nachfrage sollen später auch Geräte anderer Hersteller angeboten werden. Noch offen ist der Mobilfunk-Partner. "Wir stecken in den Endverhandlungen mit den Mobilfunk-Netzbetreibern und Service-Providern. Natürlich werden wir das Handy bevorzugt mit einem Mobilcom-Vertrag anbieten, wenn wir die richtigen Konditionen hinbekommen", sagte Spoerr.

          Der Handy-Tarif soll möglichst einfach sein. "29 Cent oder 30 Cent je Minute rund um die Uhr wären ein guter Tarif", verrät Spoerr, der sich auch eine Tätigkeit als sogenannter virtueller Netzbetreiber (MVNO) vorstellen kann. "Diese strategische Weiterentwicklung halten wir uns offen, da es attraktiver ist als der Wiederverkauf der Telefonminuten. Aber wir führen keine konkreten Verhandlungen über MVNO", sagte Spoerr. Der Einstieg in den Mobilfunk wird auch vom Verlauf der möglichen Verschmelzung mit der Mehrheitseignerin Mobilcom abhängen, deren Ergebnis Spoerr als "völlig offen" bezeichnete.

          Ob Internet-Telefonie ein Geschäft ist?

          Zur Computermesse Cebit steigt sogar die Telekom-Tochtergesellschaft T-Online in das Geschäft mit der Internet-Telefonie ein. "T-Online-Kunden können künftig am Computer miteinander umsonst telefonieren", sagte der T-Online-Vorstandsvorsitzende Rainer Beaujean während der wohl letzten Vorstellung der T-Online-Jahresbilanz in der vergangenen Woche. Erst in einem zweiten Schritt sollen die Kunden auch ihre gewohnten Telefongeräte für Gespräche über das Internet nutzen können. Ob die Internet-Telefonie ein Geschäft ist, bezweifelt Beaujean aber noch. "Die Internet-Telefonie wird kein großes Umsatzwachstum hervorrufen, ist aber notwendig, um die Kunden zu binden", sagte Beaujean. Auch der Online-Dienst AOL, mit 750.000 DSL-Kunden der zweitgrößte T-Online-Konkurrent, plant den Einstieg in die Internet-Telefonie. Allerdings soll vom Start an ein Produkt für den Massenmarkt angeboten werden, das Gespräche unabhängig vom Computer ermöglichen soll.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Frankreichs Bildungsminister Jean-Michel Blanquer im Oktober in Paris

          Islamismus in Frankreich : Kleingruppen gegen Fundamentalismus

          Mit einer neuen Schulpolitik will Frankreich Jugendliche aus Einwandererfamilien besser fördern – und so dem Islamismus entgegenwirken. Bildungsminister Blanquer hat als Schuldirektor den wachsenden Einfluss des Fundamentalismus erlebt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.