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Telekommunikation : Deutsche Telekom senkt die Preise und bleibt teuer

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Die Telekom reagiert auf die sinkenden Marktanteile im vergangenen Jahr. Eine neue Tarifstruktur soll die Abwanderung der Kunden stoppen. Erstmals wird eine Monatspauschale für Vieltelefonierer angeboten.

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          Unter dem Druck der Wettbewerber senkt die Deutsche Telekom ihre Minutenpreise für das Telefonieren im Festnetz. Billiger werden vor allem Ortsgespräche, bei denen die Konkurrenz ihren Marktanteil im vorigen Jahr auf rund 33 Prozent fast verdoppelt hat. Bei nationalen Ferngesprächen ist der Anteil der Telekom auf etwa 60 Prozent gesunken. „Diese Anteile wollen wir mindestens halten“, sagte Achim Berg, Marketing-Vorstand der Festnetzsparte

          Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) hat die neuen Tarife vorab begutachtet und nach Worten ihres Präsidenten Matthias Kurth keinen Hinweis auf „offensichtlichen Mißbrauch“ gefunden. Bei Beschwerden von Wettbewerbern behalte sich die RegTP aber eine neuerliche Überprüfung vor.

          Telekom bleibt teurer als die Konkurrenz

          Ob es der Telekom mit den neuen Tarifen gelingt, Boden gut zu machen, ist zweifelhaft. Einerseits werden die Monatsgebühren für den neuen Telekom-Standardtarif Call Plus sogar leicht steigen. Vor allem aber bleiben ihre Minutenpreise trotz der Senkungen weiterhin erheblich höher als die vieler Wettbewerber. Während die günstigsten Call-by-Call-Anbieter, die fallweise vor jedem Gespräch dazugewählt werden können, für Gespräche in das nationale Festnetz heute zwischen 0,8 und 1,4 Cent je Minute berechnen, liegen die Minutenpreise der Telekom zwischen 1,5 und 4,9 Cent. Anbieter der Internet-Telefonie berechnen für diese Gespräche rund um die Uhr 1 Cent je Minute.

          T-Com-Vorstand Achim Berg präsentiert die neuen Tarife

          Besonders deutlich wird der Preisunterschied bei Auslandsgesprächen: Für eine Telefonminute ins europäische Ausland berechnen die billigsten Call-by-Call-Anbieter rund 1,5 Cent, während die Telekom im Standardtarif Call Plus mindestens 12,3 Cent verlangt. Auch die Preise in Mobilfunknetze, die wesentlich von den Betreiber der Netze diktiert werden, zeigen spürbare Unterschiede.

          Monatspauschale für Vieltelefonierer

          Telekom-Kunden profitieren vor allem von der neuen minutengenauen Abrechnung. So stellt der Konzern für Ortsgespräche am Wochenende und am Abend künftig nur noch 1,5 Cent je angefangene Gesprächsminute in Rechnung. Bisher wurden unabhängig von der Gesprächsdauer mindestens sechs Cent für vier Minuten fällig. In den Hauptzeiten sinkt die Gebühr um bis zu 35 Prozent. Erstmals bietet die Telekom außerdem eine Monatspauschale (9,95 Euro) für sämtliche Gespräche innerhalb eines Ortsnetzes an. Diese Pauschale lohnt sich indes nur für Vieltelefonierer.

          Die Minutenpreise für inländische Ferngespräche sinken in der neuen Tarifstruktur um bis zu 59 Prozent. Für Auslandsgespräche können Kunden weiterhin einen Optionstarif mit Sonderpreisen für Gespräche in bis zu drei Länder zurückgreifen. Der Erfolg dieses seit Herbst vorigen Jahres angebotenen Tarifs (“Country Select“) „hat uns selbst überrascht“, sagte T-Com-Vorstand Berg. Gut angekommen sei auch der XXL-Tarif für kostenlose Orts- und Ferngespräche am Wochenende, für den die Telekom knapp vier Millionen Nutzer gewonnen habe. Je nach ihrem Telefonierverhalten könnten Telekom-Kunden mit „deutlich zweistelligen“ Einsparungen im Monat rechnen, so Berg. Zu den Auswirkungen der neuen Tarifstruktur auf die aus dem Festnetzgeschäft erwarteten Umsätze wollte er keine Angaben machen. Die internen Umsatzprognosen für 2005 brauchten jedoch nicht angepaßt zu werden, sagte er. Die Börse reagierte kaum auf die neue Tarifstruktur: Der Telekom-Kurs schloß unverändert bei 16,32 Euro.

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