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Telekommunikation : Der erste deutsche Mobilfunk-Discounter

  • Aktualisiert am

Simyo-SIM-Karten von E-Plus Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das Billigkonzept hat nun auch das deutsche Mobilfunkgeschäft erreicht. Für das schlichte Preismodell der neuen Marke "Simyo" von E-Plus muß der Kunde auf ein subventioniertes Handy verzichten.

          Das Billigkonzept, das seit einigen Jahren die etablierten Fluggesellschaften aufrüttelt, hat nun auch das deutsche Mobilfunkgeschäft erreicht. Die Nummer drei in dieser Branche, der Düsseldorfer Mobilfunkanbieter E-Plus, ist seit dem 30. Mai mit dem ersten deutschen Mobilfunk-Discounter am Markt. Simyo heißt die neue Marke, die ohne Geschäftsstellennetz allein über das Internet arbeitet.

          Dafür berechnet Simyo keine Grundgebühr und kennt rund um die Uhr die gesamte Woche lang nur einen Minutenpreis: 19 Cent für Inlandsgespräche mit sekundengenauer Abrechnung ab der zweiten Minute. Der SMS-Versand ist mit 14 Cent rund 20 Prozent günstiger als die derzeit geltenden Preise. Es gibt keine Vertragslaufzeit und keine Grundgebühr, dafür aber auch kein subventioniertes Mobiltelefon und keine Beratung in Geschäftsstellen, wie Simyo-Gründer und -Geschäftsführer Rolf Hansen am Montag in Düsseldorf sagte.

          In Europa sind im vergangenen Jahr allein zwölf Mobilfunk-Discounter an den Markt gekommen. Für Deutschland hatte Vodafone im März eine Billigmarke in Aussicht gestellt. Aber bislang überwog hierzulande wohl noch die Furcht vor dem durch einen Discounter verursachten Druck auf das allgemeine Mobilfunk-Preisniveau. E-Plus-Chef Uwe Bergheim indes zeigte auch keine Sorgen vor Kannibalismus durch Simyo im eigenen Kundenkreis. "Wir haben 13,5 Prozent Marktanteil und bieten nun auch den anderen 86,5 Prozent des Marktes bei Verzicht auf Extras einen Sparpreis", erklärte Bergheim.

          Er setzt auf ähnliche Erfolge wie in Skandinavien. In Dänemark zum Beispiel habe der Billigmobilfunk innerhalb weniger Jahre bereits rund 20 Prozent Marktanteil erreicht und komme bei Neuverträgen inzwischen auf 40 Prozent. Bei der Entwicklung der neuen Marke werde E-Plus für die niederländische Muttergesellschaft genau beobachten, ob das Konzept auch in andere Märkte wie Holland oder Belgien expandieren kann.

          Mit 72 Millionen Mobilfunkverträgen nähere sich der deutsche Markt inzwischen der Sättigungsgrenze, erklärte Bergheim. Das normale Wachstum werde in den nächsten Jahren deutlich abflachen. Aber E-Plus habe bei derzeit 9,5 Millionen Kunden im Netz noch reichlich Platz für weitere 20 Millionen Kunden. Schließlich habe man in die Infrastruktur kaum weniger investiert als die beiden Marktführer T-Mobile und Vodafone. Obwohl es nur vier Netzanbieter gebe, habe sich das Tarifwerk zum Dschungel ausgewachsen, durch den kaum noch jemand durchfinde. Daher sei der Beginn einer Marktsegmentierung mit einem einfachen und günstigen Preis naheliegend, meinte der E-Plus-Chef.

          Sein Unternehmen will nun analysieren, ob es für eine weitere Segmentierung noch Kundengruppen mit ausreichend großem Potential gebe. Außerdem hält E-Plus an den Plänen fest, möglichst noch in diesem Jahr Wiederverkäufer oder virtuelle Mobilfunkbetreiber als Partner für das eigene Netz zu gewinnen, wie Bergheim bestätigte. Der Nummer drei sitzt der Mobilfunkbetreiber O2 im Nacken, der im vergangenen Jahr die Kundenzahl um 2 auf 8 Millionen erhöhte. Im ersten Quartal 2005 gewannen die Münchener sogar 578 000 neue Kunden, während bei E-Plus die Vertragszahl nur um 140 000 auf 9,7 Millionen wuchs.

          Simyo hat vor allem die 15 Millionen Deutschen im Visier, die im Internet bereits einkaufen. Handybesitzer können unter www.simyo.de ein Starterpaket für 19,95 Euro kaufen. Dafür gibt es neben 10 Euro Gesprächsguthaben die SIM-Karte per Brief.

          Nach Angaben von Hansen ist es aus Kostengründen nicht möglich, bisherige Telefonnummern bei Simyo weiterzuverwenden. Vielmehr sucht man sich unter der Internetadresse die Wunschnummer aus, wie dort auch die Guthaben verwaltet oder per Kreditkarte oder Online-Banküberweisung aufgefüllt werden. Der neue Mobilfunk-Discounter gehört zu 90 Prozent der E-Plus GmbH in Düsseldorf. Die restlichen Anteile halten das Gründerteam um Hansen. Die Simyo GmbH mit Sitz ebenfalls in Düsseldorf verfüge über ein ausreichendes Startkapital, hieß es weiter. Die Gesellschaft will bis Jahresende mit einem hohen einstelligen Millionenbetrag für ihr neues Angebot werben.

          Der Mobilfunkneuling will auch seine Unternehmenskosten sehr niedrig halten. Hansen denkt an maximal 30 Arbeitsplätze bei Simyo. Die erforderlichen Leistungen sollen soweit wie möglich über Dritte bezogen werden. Die technische Unterstützung kommt von E-Plus. Völlig unerfahrene Nutzer können sich über ein Call-Center in die Bedienung einweisen lassen.

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