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Telekommunikation : Bei Benq fallen 1.950 Stellen weg

  • Aktualisiert am

Harte Zeiten bei Benq Bild: AP

Bei dem insolventen deutschen Handy-Hersteller Benq Mobile sollen 1.950 Stellen gestrichen werden. Damit sind für die Mitarbeiter Befürchtungen zur bitteren Wahrheit geworden. Die IG Metall sieht nun Siemens noch stärker in der Pflicht.

          Für rund 1900 Mitarbeiter des insolventen deutschen Mobiltelefonherstellers Benq Mobile sind die Befürchtungen zur bitteren Gewißheit geworden. Sie werden von dem Unternehmen nicht mehr weiterbeschäftigt und sollen in Transfergesellschaften an andere Arbeitgeber vermittelt werden. „Wir müssen Benq Mobile in die Lage versetzen, Geld zu verdienen“, sagte Martin Prager, der vorläufige Insolvenzverwalter, in einer Pressekonferenz. „Nur wenn die Gesellschaft profitabel ist, wird sie für einen Investor von Interesse sein.“

          Schon in der vergangenen Woche hatte sich abgezeichnet, daß weit mehr als 1000 der insgesamt rund 3000 Beschäftigten der ehemaligen Handysparte von Siemens ihre Stelle verlieren werden (siehe dazu auch: Tausend Benq-Mitarbeiter müssen sofort gehen). In der Unternehmenszentrale nahe dem Münchner Ostbahnhof warteten am Donnerstag nachmittag die Mitarbeiter in den Fluren, ehe sie erfuhren, ob sie auf der Liste der Weiterbeschäftigten stehen. Von 1300 Angestellten behalten dort nur 460 ihren Arbeitsplatz. In Kamp-Lintfort, der Produktionsstätte am Niederrhein, bleiben von den 1800 Stellen 680 übrig. In den, wie zu hören ist, stark überbesetzten Verwaltungs- und Vertriebsabteilungen werden drei Viertel der Arbeitsplätze gestrichen, ebenso wegen des stark verringerten Produktionsvolumens in der Fertigung. In der Forschung und Entwicklung bleiben mehr als 500 der bisher rund 700 Stellen erhalten.

          Prager: Trotz Personalabbaus keine Erfolgsgarantie

          „Mit dem Insolvenzantrag ist Benq Mobile von einem Weltunternehmen zu einem nur noch europäischen Unternehmen geworden und von einem Markenhersteller zu einem Auftragsfertiger“, sagte Prager. Anhaltspunkte für Absprachen zum Nachteil des Unternehmens und dafür, daß es systematisch ausgeplündert worden wäre, habe er nicht. Siemens ist Vorwürfen ausgesetzt, das Handygeschäft vor einem Jahr mit einer Mitgift von mehr als 400 Millionen Euro an den taiwanischen Konzern Benq abgegeben zu haben mit dem Ziel, es bald aufzugeben.

          Eine Erfolgsgarantie gebe der Personalabbau nicht, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter. „Über die Zukunft des Unternehmens werden die Kunden entscheiden“, fügte er hinzu. „Möglicherweise ist es die letzte Chance.“ Kern des neuen Geschäftsmodells ist, wie berichtet, daß das Unternehmen die beschädigte Marke Benq-Siemens aufgibt und im Auftrag anderer Handyhersteller oder Mobilfunkbetreiber Geräte entwickelt und das Design entwirft. „Das Konzept sieht aber weiterhin auch eine kleine Fertigung vor“, berichtete Prager. Das Unternehmen müsse zeigen können, daß die Entwicklungen als Produkte verwirklicht werden könnten. Er führe schon Gespräche mit deutschen und internationalen Interessenten, sagte er. Dazu gehörten sowohl Unternehmen aus der Mobilfunkbranche als auch Finanzinvestoren.

          Ministerien wollen die Hälfte der Weiterbildungskosten übernehmen

          Die IG Metall und die Arbeitsminister von Bayern und Nordrhein-Westfalen riefen am Donnerstag Siemens abermals auf, Verantwortung für die Mitarbeiter zu übernehmen, die ihre Stelle bei Benq verlieren. Das Management von Siemens verliere sonst auch den Rest an Glaubwürdigkeit, sagte Berthold Huber, der Zweite Vorsitzende der IG Metall. „Wir verlangen neben Unterstützungsmaßnahmen eine lückenlose Aufklärung über die Sicherung der Betriebsrenten aller Beschäftigten von Benq.“

          Die Ministerien kündigten an, wenn nötig, die Hälfte der Kosten für eine Weiterbildung der Mitarbeiter zu übernehmen. Siemens und Benq müßten sich aber intensiver als bisher engagieren. Siemens stellt einen Hilfsfonds mit 35 Millionen Euro zur Verfügung. Die IG Metall fordert 200 Millionen Euro, was der Konzern aber ablehnt.

          Prager berichtete, den 1900 Beschäftigten werde nicht gekündigt. Ihr Arbeitsverhältnis bleibe bestehen, und am 30. Oktober beginne ihre Weiterbildung in jeweils einer Gesellschaft in München und in Kamp-Lintfort. Die Kosten hingen davon ab, wie lange wie viele Männer und Frauen in diesen Transfergesellschaften blieben, sagte Prager. „Im schlimmsten Fall werden weit mehr als 100 Millionen Euro benötigt.“ Die IG Metall fordert eine mindestens einjährige Qualifizierung. An diesem Freitag treffen sich Politiker, Repräsentanten der Gewerkschaft und der Unternehmen mit dem Insolvenzverwalter zu einem Gespräch in München.

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