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Telekom : „Ricke gibt auf“

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Vor dem Abgang? Kai-Uwe Ricke Bild:

Nach vier Jahren an der Spitze der Deutschen Telekom endet die Ära von Firmenchef Kai-Uwe Ricke. Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung erfuhr, ist der Chef der Mobilfunksparte T-Mobile, Rene Obermann, als Nachfolger auserkoren.

          Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom will Vorstandschef Kai-Uwe Ricke schnell ablösen und durch René Obermann ersetzen. Dies berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. „Bis zum Weihnachtsgeschäft braucht der Konzern eine klare Führung“, zitiert das Blatt Eigentümerkreise. Die Entscheidung für René Obermann als Nachfolger sei bereits gefallen. Der bisherige T-Mobile-Chef hatte sich in der Vergangenheit mehrfach klar zu Ricke bekannt. Wenn ihn der Aufsichtsrat bittet, dessen Position zu übernehmen, werde er jedoch nicht nein sagen, berichtet die F.A.S. weiter.

          „Ricke gibt auf“, erfuhr diese Zeitung am Samstag aus dem Kreis der Eigentümer. Rickes Abgang ist weniger freiwillig, als es zunächst klingt. Er habe das Vertrauen des Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel schon lange verloren, heißt es.

          Weiter kein Kommentar von der Telekom

          „Der Aufsichtsrat tagt das nächste Mal am 5. Dezember“, wurden namentlich nicht genannte Aufsichtsräte in Medien zitiert. Die Deutsche Telekom wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Es handele sich um Spekulationen, die das Unternehmen nicht kommentiere, sagte ein Sprecher.

          Die Bundesregierung lehnte ebenfalls einen Kommentar ab. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums der dpa. Es handele sich aber um eine Angelegenheit des Aufsichtsrates, die die Regierung nicht kommentiere. Der Bund ist direkt und indirekt noch mit rund einem Drittel an der Telekom beteiligt.

          Ricke und Obermann enge Vertraute

          In Unternehmenskreisen wurde am Freitag darauf hingewiesen, daß Ricke und Obermann enge Vertraute seien und Obermann bemüht sei, stets im Einvernehmen mit Ricke zu agieren. Die Berichte seien „auf Überraschung“ gestoßen, hieß es in den Kreisen weiter.

          Zuletzt war Ende Oktober berichtet worden, Rickes im November 2007 auslaufender Vertrag solle nur noch um drei statt um fünf Jahre verlängert werden. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, Post- Chef Klaus Zumwinkel, hatte dies als falsch dementiert. Die Spekulationen seien „blanker Unsinn und entbehrten jeder Grundlage“.

          Probleme in der Festnetz-Sparte

          Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge sollen der Bund und der Finanzinvestor Blackstone, mit 4,5 Prozent an der Telekom beteiligt, bemängelt haben, daß der Telekom im Festnetz-Geschäft seit Jahresbeginn mehr als eine Million Kunden davon gelaufen seien. Rickes Tarifoffensive habe „die Haupteigentümer offenbar nicht überzeugen“ können.

          Ricke hatte erst am Donnerstag bei der Präsentation der Quartalszahlen betont: „Wir haben im Wettbewerb eine neue Stärke gewonnen.“ Im Inlandsgeschäft habe sich die Umsatzentwicklung stabilisiert und im Ausland legten die Erlöse weiter zu. Mit Blick auf die Tarifreform vom September hatte Ricke gesagt: „Das macht richtig Spaß, wir konkurrieren jetzt auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern.“ Aus dem Umfeld des Konzerns hieß es am Freitag, Blackstone habe zufrieden auf die Resultate des 3. Quartals reagiert.

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