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Telegram, Threema und Line : Whatsapp-Konkurrenten im Aufwind

Kommunikationsanwendungen auf einem Smartphone-Bildschirm Bild: dpa

Nachdem Facebook angekündigt hat, Whatsapp zu kaufen, steigern die Konkurrenten ihre Nutzerzahl. Die Stiftung Warentest stuft derweil die Sicherheit einiger Messenger als „sehr kritisch“ ein.

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          Der russische Internetunternehmer Pawel Durow hat einiges mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg gemein. Beide werden in diesem Jahr 30Jahre alt, beide sind eher öffentlichkeitsscheu, und beide haben ein soziales Netzwerk gegründet – Zuckerberg das inzwischen größte der Welt, Durow mit der Facebook-Kopie Vkontakte immerhin das beliebteste in Russland.

          Im vergangenen Herbst wurden aber auch Unterschiede zwischen den beiden deutlich. Kurz nachdem der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden die Ausspähaktionen des amerikanischen Geheimdiensts NSA und des britischen Geheimdiensts GCHQ aufgedeckt hatte und nach Russland geflohen war, machte Durow Snowden ein Jobangebot. Außerdem entwickelte der Russe Telegram – einen Kommunikationsdienst im Stil der Smartphone-Anwendung Whatsapp. Während Durow also schon eine App hat, wird Zuckerberg für seine umgerechnet rund 14 Milliarden Euro ausgeben.

          Antwort auf die Neugier der Geheimdienste

          Mit Telegram will Durow eine Antwort auf die Neugier von NSA und GCHQ geben. Die Anwendung setzt auf Verschlüsselungstechnik. „Meine größte Hoffnung ist, dass Telegram in der ganzen Welt Programmierer inspiriert, Daten zu verschlüsseln“, sagte Durow im vergangenen Herbst bei einem seiner seltenen Auftritte in Berlin. „Und ich hoffe, dass einige Leute das Produkt nützlich finden und sich damit sicherer fühlen.“

          Ausgerechnet nachdem Facebook nun angekündigt hat, Whatsapp zu kaufen, scheint zumindest Durows Wunsch bezüglich der Nützlichkeit einzutreten: In mehreren Ländern belegt Telegram inzwischen den ersten Platz in den Ranglisten der meistgeladenen Anwendungen für Apples Betriebssystem iOS. So liegt die Anwendung in Deutschland, Italien, der Schweiz und den Niederlanden vorne. Einige Hitlisten für das Android-Betriebssystems zeigen das gleiche Bild. Ein Grund könnte dafür sein, dass bisherige Whatsapp-Nutzer nicht unter der Aufsicht durch Facebook kommunizieren wollen – auch wenn Zuckerberg betont, dass Whatsapp eigenständig bleiben soll und er die Kommunikationsdaten nicht für Werbezwecke ausnutzen will.

          Ein Profiteur aus Japan

          Telegram ist nicht der einzige Profiteur der Whatsapp-Übernahme. Auch die sicherere Schweizer Anwendung Threema erlebt derzeit ein Nutzerwachstum, obwohl sie kostenpflichtig ist. Sie steht etwa in der Deutschlandrangliste für kostenpflichtige Android-Anwendungen auf dem ersten Platz. Und die japanische Anwendung Line hat nach eigenen Angaben allein zwei Millionen neue Nutzer gewonnen, als am vergangenen Wochenende die Whatsapp-Server für einige Stunden ausfielen. Insgesamt nutzen Line inzwischen 360 Millionen Menschen – nur 105 Millionen weniger als Whatsapp. Das weckt inzwischen auch Begehrlichkeiten von Investoren, die sich im Stile Zuckerbergs einen Teil des Erfolgs des aufstrebenden Diensts sichern wollen. So versucht der japanische IT-Konzern Softbank nach Agenturberichten gerade, Anteile an Line zu erstehen.

          Testergebnis: „Sehr kritisch“

          Aber auch andernorts stehen die diversen Kommunikationsanwendungen wegen des Whatsapp-Trubels im Fokus. So hat die Stiftung Warentest gerade fünf Apps hinsichtlich ihres Datenschutzes getestet. Dabei prüften die Tester, welche Anwendungen Daten verschlüsseln und welche Informationen an wen übertragen werden. Sowohl Whatsapp als auch Line sowie der Messenger des Smartphoneherstellers Blackberry erhielten in dem Schnelltest die Datenschutz-Bewertung „sehr kritisch“. Bei Whatsapp trug zu dem Urteil unter anderem bei, dass die Anwendung keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einsetzt und Adressbucheinträge ohne Zustimmung des Nutzers überträgt. Die Anwendung Threema schließt mit der Bewertung „unkritisch“ am besten ab. Pawel Durows Telegram sehen die Warentester zumindest als „kritisch“. Durows Wunsch, dass sich Nutzer der Anwendung sicher fühlen, könnte dieses Urteil dämpfen.

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