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Telefonstörung : Dorf ohne Anschluss

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Tief im Odenwald Bild:

Birkert ist ein Örtchen im hessischen Odenwald. 220 Seelen zählt das Dorf, das zur Gemeinde Brombachtal gehört. Jetzt erlangt es Berühmtheit, denn Telefone und Internet sind tot. Und die Telekom streikt.

          Birkert ist ein kleines, ruhiges Örtchen im hessischen Odenwald. 220 Seelen zählt das Dorf, das zur Gemeinde Brombachtal gehört. Im Internet wirbt Birkert mit seinem jährlichen Erdbeerfest und damit, ein beliebtes Wanderziel und ein Ort ohne lärmenden Durchgangsverkehr zu sein.

          Birkert mag zwar ein wenig abseits liegen. Hinter dem Mond aber leben die Menschen dort nicht. Sie kommunizieren wie jeder Großstadtbewohner auch, über Telefon und Internet. Normalerweise jedenfalls. Seit drei Wochen aber ist Birkert für einige Bewohner ein Dorf ohne Anschluss. Bei manchen funktioniert das Internet nicht, andere können nicht mehr telefonieren, in einigen Haushalten ist die Leitung ganz tot. Die Zahl der Betroffenen schwankt – je nachdem, wen man fragt. Willi Kredel, Bürgermeister von Brombachtal, geht von etwa 100 Betroffenen aus, also der Hälfte der Einwohner. Die Telekom selbst spricht von 30.

          Wasserschaden an der Leitung

          Seit die Medien davon Wind bekommen haben, dass irgendwo im Odenwald ein halbes Dorf kommunikationstechnisch von der Außenwelt abgeschnitten ist, stehen die Telefone im Brombachtaler Rathaus nicht mehr still. „Wir sind der Mittelpunkt von Hessen geworden“, sagt der Bürgermeister.

          Die Geschichte begann vor etwa drei Wochen mit einem Unwetter. Zwei Leitungen der Deutschen Telekom führen nach Birkert. In eine der beiden drang Wasser ein. Ein komplizierter Schaden sei das, erklärt der zuständige Telekom-Sprecher, „ein schleichender Prozess, das ist das Tückische“. Es fallen nicht sofort alle Leitungen aus. Das Wasser wandert, mal hat dieser Haushalt Probleme, mal jener. Die Bewohner von Birkert griffen also auf ihre Mobiltelefone zurück und verbrachten viel Zeit in den Warteschleifen der Telekom. Nach einer Woche kam ein Techniker. Der konnte aber nichts tun. Um den Wasserschaden zu orten und zu beheben, hätte gebaggert werden müssen. Das kann ein einzelner Telekom-Techniker natürlich nicht selbst in die Hand nehmen. Danach passierte erst mal nichts.

          Der Kontakt zur Telekom ist schwierig

          „Es gab mehrere Versuche der Leute, Kontakt mit der Telekom aufzunehmen“, erzählt Bürgermeister Kredel, der sich selbst nach Birkert aufmachte, um vor Ort zu recherchieren. Er griff schließlich eigenhändig zum Hörer, erreichte auch einen Telekom-Mitarbeiter im nahen Darmstadt, der Hilfe versprach.

          Vielleicht war es der Anruf des Bürgermeisters, vielleicht auch die Tatsache, dass Fernsehen, Radio und Zeitungen ein ungeahntes Interesse an dem Fall zeigten. Am Freitag jedenfalls, etwa drei Wochen nach Beginn der Störungen, trat die Telekom samt Tiefbau-Unternehmen in Birkert zum Baggern an. Man sei guter Hoffnung, hieß es, dass spätestens an diesem Samstag wieder alles funktionieren würde. Der Sprecher des Bonner Konzerns beteuerte, dass ihnen der Fall Birkert sehr leid tue. Die Verzögerungen erklärt er mit dem Streik im eigenen Haus.

          Stille Tage

          Seit drei Wochen bestreikt Verdi den ehemaligen Staatsmonopolisten. Die Gewerkschaft will die geplante Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften verhindern. Dort müssten die Mitarbeiter für weniger Geld mehr arbeiten. Normalerweise, erklärt der Telekom-Sprecher, wäre der Wasserschaden drei bis vier Tage nach dem ersten vergeblichen Besuch des Technikers behoben worden. Selbst in Streikzeiten seien es im Schnitt acht bis zehn Tage. Im Fall Birkert habe es nun bedauerlicherweise zwei Wochen gedauert.

          Es waren stille Tage in einem ohnehin stillen Ort im Odenwald.

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