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Taxi-Konkurrenz : Verbot bringt Uber neue Kunden

Taxifahrer mögen Uber nicht. Bild: AP

Ein Gericht hat dem Taxi-Schreck Uber untersagt, in Deutschland private Fahrer via Smartphone zu vermitteln – eigentlich ein Erfolg für die Taxifahrer. Trotzdem triumphiert nun Uber: Es erlebt einen enormen Zulauf neuer Kunden.

          So hatten sich das die Taxifahrer wohl nicht vorgestellt: Gerade haben sie vor dem Frankfurter Landgericht eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es dem amerikanischen Start-up Uber untersagt, über das Angebot „Uber Pop“ private Fahrer via Smartphone zu vermitteln. Ein Erfolg für Taxi Deutschland, einen Zusammenschluss von Taxizentralen, der die Verfügung vor Gericht erwirkt hat – sollte man meinen.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch was macht Uber? Das Unternehmen aus San Francisco setzt sich schlicht über das Verbot hinweg und kündigt frech an, dass es „seine Tätigkeit in ganz Deutschland fortführen“ werde. Fortschritt lasse sich nicht ausbremsen, so die Begründung. Dafür riskiert Uber sogar Geldstrafen von bis zu 250.000 Euro, die jedes Mal fällig werden, wenn ein Uber-Fahrer einen Fahrgast aufnimmt und dies vor Gericht belegbar ist. Auch am Tag nach dieser Verfügung - heute - triumphiert Uber, denn: Noch nie seit Jahresbeginn habe das Unternehmen in Deutschland so viele Neuanmeldungen innerhalb eines Tages verzeichnen können.

          In einem schriftlichen Statement teilte Uber mit, dass es am Dienstag – dem Tag, an dem das Verbot bekannt wurde – in Deutschland 3,6 Mal so viele Neuanmeldungen verzeichnete wie im Vergleichszeitraum der Vorwoche. In allen fünf Städten, in denen Uber in Deutschland aktiv ist, haben sich mindestens doppelt so viele Kunden neu registriert, in Hamburg und Düsseldorf gab es sogar ein Wachstum von jeweils mehr als 500 Prozent. Im Klartext: Der Versuch der Taxizentralen, sich gegen Uber zu wehren, hat dem Unternehmen offenbar so viel Aufmerksamkeit beschert, dass es nun sogar davon profitiert.

          Diesen Effekt gab es schon einmal: Auch als im Juni Taxifahrer in Berlin, Hamburg, Paris, London und weiteren europäischen Städten gegen Uber und andere Konkurrenten aus dem Internet wie das Hamburger Start-up Wundercar protestierten, vermeldete das Unternehmen einen Zulauf: Quer durch Europa habe Uber sechs bis achtmal mehr neue Kunden hinzugewonnen als an gewöhnlichen Tagen, hieß es damals.

          Nun handelte es sich im Juni um eine Demonstration, die Uber erst einmal nicht viel anhaben konnte. Dieses Mal ist der Grund für die Aufmerksamkeit jedoch eine Untersagungsverfügung mit realen Folgen, immerhin können empfindliche Ordnungsstrafen fällig werden, sollte Uber das Verbot wie angekündigt ignorieren.

          Zwar werden wohl nicht gleich bei den ersten Verstößen 250.000 Euro fällig, wie ein Sprecher des Frankfurter Landgerichts gegenüber FAZ.NET sagte. Üblicherweise sei zunächst ein Ordnungsgeld von einigen Tausend Euro üblich. Abhängig davon, ob eine Untersagungsverfügung nur versehentlich ignoriert werde (wovon im Falle von Uber kaum die Rede sein kann) oder in vollem Bewusstsein, könnten die Summen aber schnell steigen.

          Taxi Deutschland jedenfalls will nun anfangen, Testfahrten zu buchen, gerichtsverwertbare Beweise sammeln und dann Ordnungsgelder beantragen, wie der Vorsitzende Dieter Schlenker FAZ.NET sagte. Auch Taxi Deutschland geht jedoch ein finanzielles Risiko ein. Sollte eine höhere Instanz die einstweilige Verfügung für unzulässig erklären, könnte Uber Taxi Deutschland für die entgangenen Einnahmen auf Schadenersatz verklagen. Aus Angst vor hohen Forderungen hatte ein Berliner Taxiunternehmer eine einstweilige Verfügung gegen Ubers Limousinenservice „Black“ deshalb nicht vollstrecken lassen.

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