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Indie-Computerspiele : Der große Hype ums kleine Spiel

  • -Aktualisiert am

Der „Super Meat Boy“ Bild: http://cdn.toucharcade.com

Indie-Games von unabhängigen Entwicklern drängen in den Computer-Spielemarkt. Sie sind anders als die Spiele der etablierten Namen. Und das macht ihren Reiz aus.

          Electronic Arts, Nintendo und Rockstar. Das sind die großen Namen im Spielegeschäft. Sie produzieren die sogenannten Triple-A-Spiele – die Königsklasse unter den Computer- und Videospielen. Die Produktionskosten sind enorm. Für das erfolgreiche „Grand Theft Auto 5“ sollen sie bei rund 266 Millionen Dollar liegen. Das können sich nur große Unternehmen leisten.

          Trotzdem gibt es auch kleine Entwickler, die Spiele erstellen und die Kosten dafür selbst stemmen. Einige dieser Spiele feiern große Erfolge. Das beste Beispiel ist Minecraft: Erst vor kurzem hat Microsoft die Minecraft-Entwicklerfirma Mojang für 2,5 Milliarden Dollar gekauft. Ein großes Ding für den Erfinder Markus Persson.

          Spiele wie Minecraft, die ohne ein großes Unternehmen im Rücken produziert werden, heißen Indie-Games. Indie steht dabei für Independent, also unabhängig. Indie-Spiele wie „Super Meat Boy“, „The Forest“, „Monaco“ und „Slender: The Eight Pages“ haben es in die Spielemagazine geschafft, haben Auszeichnungen erhalten und werden auf Youtube rauf und runter gespielt.

          „Heutzutage kann jeder ein Spiel entwickeln“

          Die Indie-Szene wächst. Immer wieder tauchen Spiele von Unbekannten auf und werden gehyped. Das neuste Beispiel ist das Indie-Game „Five Nights at Freddy’s“. Es ist ein von Design und Spieltechnik her einfach gehaltenes Horrorspiel, das dennoch einen ordentlichen Gruselfaktor hat. Seit das Spiel Mitte August erschienen ist, finden sich auf Youtube zahlreiche Videos von Menschen, die sich filmen, während sie das Spiel zocken – inklusive der Angstmomente. Auch die Bewertungen der Spielemagazine und -seiten sind gut. Und das obwohl kein großer Vermarkter wie Nintendo oder Rockstar dahinter steckt. Nur der Entwickler von „Five Nights at Freddy’s“, Scott Cawthon, den bisher niemand kannte.

          Ähnlich erging es Edmund McMillen mit seinen Spielen „Super Meat Boy“ und „Binding of Isaac“. Er wollte Spiele entwickeln, die es so nicht auf dem Markt gibt. „‘Super Meat Boy‘ war mein Super Smash Brothers und 'Isaac' war mein Zelda.“ So brachte McMillen die Spiele seiner Kindheit eigenhändig zurück auf den Markt, wenn auch mit einem ungewöhnlicherem Design.

          Ob ein Spiel erfolgreich wird oder nicht, wisse man nie, aber „Super Meat Boy musste irgendwie ein Erfolg werden. Wenn nicht, wäre ich finanziell ruiniert gewesen“, sagt McMillen. „Ich habe davor schon rund 30 kleinere Spiele gemacht, die eigentlich nur zum Spaß gedacht waren. Seit 2008 aber ist das Entwickeln von Spielen mein Vollzeitjob.“ Der Nachfolger von dem Flash-Spiel „Meat Boy“ erschien 2011 nicht mehr nur im Internet, sondern sogar für die Spielekonsole Xbox 360. „Ich bin nur ein Künstler, der es genießt was er tut, und es in das richtige Medium geschafft hat, um erfolgreich zu sein.“

          Gamer werden in die Entwicklung einbezogen

          Die wichtigste Vermarktungsplattform für Entwickler von Indie-Games ist derzeit „Steam“. Auf dieser Internetseite können Spiele gekauft und heruntergeladen werden. Nahezu alle Indie-Spiele sind hier vertreten. Sie sind deutlich günstiger als die Triple-A-Titel von namhaften Spielefirmen. Für Spiele wie GTA5, „Die Sims“ und neue Super-Mario-Teile muss man knapp 60 Euro bezahlen. Die Preise für Indie-Spiele liegen zwischen 5 und 20 Euro und sind somit deutlich günstiger.

          Dazu gehört auch das Spiel „The Forest“. Entwickelt wird es von vier Menschen bei Endnight Games und es ist eigentlich noch gar nicht fertig. Um genau zu sein: Es befindet sich in der Alpha-Version. Ein Stadium, in dem eigentlich nur die Rohfassung des Spiels steht und ganz viele Elemente noch fehlen und im Gegenzug dafür noch viele Fehler enthalten sind. Es ist aber spielbar. Trotzdem kaufen viele „The Forest“ jetzt schon für 14,99 Euro.

          Für die Indie-Entwickler ist dieser sogenannte „Early Access“ (dt.: Früher Zugang) sehr wichtig. Sie bekommen zum einen Geld, um das Spiel weiter voran treiben zu können. Und andererseits helfen die Spieler den Entwicklern, Fehler zu finden; viele Spieler machen Verbesserungsvorschläge.

          Doch was macht die Indie-Spiele so interessant für Gamer? „Indie-Designer werden nicht zensiert, weder wenn es um den Inhalt geht, noch bei finanziellen Risiken, die sie mit ihren Designs eingehen“, meint Edmund McMillen. Das sieht man den Indie-Spielen an. In McMillens Spiel „The Binding of Isaac“ geht es zum Beispiel um einen kleinen Jungen, der mit seinen Tränen Gegner tötet. Oder „Super Meat Boy“ in dem ein quadratischer Junge, der nur aus Fleisch besteht und bei jedem Schritt eine Blutspur hinterlässt, versucht, seine Freundin, das Bandagen-Mädchen, zu retten.

          Bei den großen Entwicklerfirmen hüpft kein Fleisch-Junge durch das Bild, sondern eher der stets freudige Mario oder ein muskelbepackter Held. Es gibt nur wenig Überraschendes im Triple-A-Bereich der Spielewelt – die Spielmuster und -figuren sind ähnlich: „Wenn du ein Indie-Designer bist, ist es einfach ein Pionier zu sein“, sagt der „Super Meat Boy“-Entwickler.

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