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StudiVZ : Viele Klicks, wenig Gewinn

Studenten pflegen ihre StudiVZ-Seite Bild: ddp

Keine deutsche Internetseite hat so viele Besucher wie das Netzwerk StudiVZ. Es bedient die Eitelkeit von Jugendlichen. Doch das allein reicht nicht zum Geldverdienen.

          3 Min.

          Sie ist die Überraschung des Jahres, die Studenten-Website StudiVZ: Gerade mal zwei Jahre ist sie alt - und sie hat doch die großen Platzhirsche im deutschen Internet deklassiert. Als der Medienkontrolleur IVW im Mai erstmals die Seitenaufrufe von StudiVZ zählte, setzte sich die Website direkt auf Platz eins der Rangliste - vor den großen Anbietern wie T-Online und Yahoo. Seitdem hat StudiVZ seine Abrufe verdoppelt. Und auf dem zweiten Platz steht wahrscheinlich bald der jüngere Ableger SchülerVZ - mit fast genauso vielen Abrufen, sagen die Macher von StudiVZ.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Rund zwei Millionen Studenten gibt es in Deutschland, StudiVZ hat aber auch andere junge Leute und viele Uni-Absolventen angezogen und kommt damit auf vier Millionen Mitglieder. Durchschnittlich besucht jeder Nutzer die Seite 38 Mal im Monat.

          StudiVZ hat fast alle deutschen Studenten erreicht

          Das Besondere an StudiVZ ist: Wohl noch nie hat ein Unternehmen die Studenten so vereinnahmt. Dabei probieren es viele. Handyfirmen, Banken und Versicherungen: Sie alle umwerben ihre künftigen Kunden, die noch ein langes kaufkräftiges Leben vor sich haben. Doch es waren drei junge Leute in den letzten Semestern ihres Studiums, die als Gründer von StudiVZ fast alle deutschen Studenten erreicht haben: Die StudiVZ-Macher starteten im Oktober 2005 als Nachbau der amerikanischen Website „Facebook“. Die Idee dahinter: Die Nutzer können Lieblingsbücher, Hobbys, Fotos und die besuchten Vorlesungen zeigen und mit ihren Freunden Nachrichten austauschen. Und die Freunde der Freunde kennenlernen. Oder eben Menschen mit ähnlichen Interessen.

          Der Erfolg ist enorm. Im Januar 2007 kaufte der Holtzbrinck-Verlag die Seite für etwa 80 Millionen Euro. Damals hatte StudiVZ schon zwei Drittel der deutschen Studenten als Mitglieder. Das andere große deutsche Freizeitnetzwerk, „Lokalisten“, ist hingegen weit abgeschlagen.

          „Netzwerk-Effekt“

          Ökonomen wissen: Sobald die Nutzerzahl erst mal eine kritische Masse erreicht hat, wächst sie zuverlässig weiter. Denn für jeden einzelnen Studenten lohnt es sich umso mehr mitzumachen, je mehr seiner Freunde dabei sind. Als „Netzwerk-Effekt“ bezeichnen Wirtschaftswissenschaftler dieses Phänomen. Man kann es im Fall des StudiVZ auch „Gruppendruck“ nennen.

          Doch warum hat das StudiVZ - das letztlich nur ein Poesiealbum mit elektronischen Mitteln ist - überhaupt solch eine kritische Größe erreicht? Die Antwort: weil es den Nutzern hilft, die eigenen Freundschaften zu pflegen. „Es geht darum, eine persönliche Öffentlichkeit zu schaffen“, sagt der Hamburger Soziologe Jan Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung. „Die Leute wollen ausdrücken, wie sie sind.“ Ob sie gerne Paulo Coelho lesen, sich am liebsten mit Wodka betrinken oder für Klausuren immer erst auf den letzten Drücker lernen - all das lässt sich im StudiVZ zeigen, auch Gleichgesinnte finden sich schnell. Und wer ein neues Lieblingsbuch hat, kann das seinen Freunden mitteilen, ohne sie zu belästigen, indem er das im StudiVZ vermerkt. Schmidt sagt: Dass das auch andere lesen können, spiele keine große Rolle.

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