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Steve Jobs tritt ab : Das Ende einer Ära

Durch den Rücktritt seiner Gallionsfigur dürfte das Bild von Apple nach außen um einiges weniger glamourös werden

Durch den Rücktritt seiner Gallionsfigur dürfte das Bild von Apple nach außen um einiges weniger glamourös werden Bild: dpa

Der Mann mit dem goldenen Händchen tritt ab: Steve Jobs hat mit Produkten wie dem iPhone die Märkte aufgemischt. Apple wird auf Erfolgskurs bleiben.

          4 Min.

          Es war ein klassischer Steve-Jobs-Moment: Bei der Vorstellung des Tabletcomputers iPad im vergangenen Jahr wurde der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende von Apple gefragt, welche Art von Marktforschung das Unternehmen vorher betrieben hatte. Es schien eine legitime Frage, schließlich wunderten sich viele in der Branche, wozu genau die Menschheit so ein Gerät braucht, das als eine Art Mischung aus Laptop und internetfähigem Handy (Smartphone) daherkommt. Aber Steve Jobs gab sich von der Frage brüskiert: Marktforschung sei etwas Überflüssiges, dozierte er. „Es ist nicht die Aufgabe der Verbraucher, zu wissen, was sie wollen.“ Die darin enthaltene Botschaft: Niemand hat einen Riecher wie ich, was bei den Leuten ankommt.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das mag keine sonderlich sympathische Haltung sein. Aber diese Hybris, die Jobs um sich selbst und sein Unternehmen schürt, ist ein wesentlicher Grund für die atemberaubende Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre. Jobs geht richtig große Wetten ein. Er verlässt sich nicht darauf, was ihm andere sagen, schon gar nicht seine Kunden selbst. Denn das führt nach seiner Auffassung nur zu Innovation in kleinen Schritten: Produkte, die vielleicht ein bisschen besser sind, aber nicht bahnbrechend. Jobs verfolgt die Ambition, aus dem Stand neue Märkte zu schaffen oder sie zumindest radikal umzudefinieren, und dies ist ihm in den vergangenen Jahren ein ums andere Mal geglückt: mit dem digitalen Musikspieler iPod, dem iPhone-Handy und zuletzt dem iPad. Mit seinem goldenen Händchen hat Jobs Apple in den vergangenen zehn Jahren zu einem völlig neuen Unternehmen gemacht: Personalcomputer, das einstige Kerngeschäft, stehen heute für nicht einmal mehr ein Fünftel des Konzernumsatzes – wobei Apple anders als der Rest der PC-Branche mit seinen Macintosh-Rechnern noch immer stattliches Wachstum schafft. Dafür werden iPhone und iPad mehr und mehr zu den tragenden Säulen des Geschäfts. Im abgelaufenen Quartal brachten die iPads schon höhere Umsätze als die Macintosh-Computer. Seit der Einführung des iPad im April 2010 hat Apple mehr als 15 Milliarden Dollar mit dem iPad umgesetzt.

          „Tablet-Effekt“ hinterlässt Spuren

          Die Fähigkeit von Steve Jobs, mit Apple ganze Märkte aufzumischen, bringt Wettbewerber regelmäßig ins Straucheln. Jüngstes Beispiel war die Ankündigung des Technologiekonzerns Hewlett-Packard (HP), seine Personalcomputersparte zur Disposition zu stellen. HP ist in dem Geschäft immerhin Weltmarktführer, sieht es aber im Niedergang. Vorstandschef Léo Apotheker sagte, der „Tablet-Effekt“ hinterlasse seine Spuren im PC-Markt. Er hätte auch „iPad-Effekt“ sagen können, schließlich dominiert Apple das Segment bislang. HP selbst ist mit seinem iPad-Klon „Touchpad“ kläglich gescheitert und nahm es nach nicht einmal zwei Monaten vom Markt. Auch mit dem iPhone und dem iPod änderte Jobs Machtverhältnisse. Das iPhone, das den Durchbruch von Smartphones in der breiten Masse bedeutete, brachte Unternehmen wie Nokia und den Blackberry-Hersteller Research-in-Motion in Bedrängnis, der iPod stellte den japanischen Sony-Konzern bloß, der einst mit seinem Walkman eine Pionierrolle bei tragbaren Musikgeräten hatte.

          Viele prominente Namen aus der Technologiebranche nahmen die Rücktrittsankündigung von Jobs zum Anlass, seine Leistung zu würdigen. Steve Wozniak, der Apple mit Jobs gegründet hat, sagte dem Fernsehsender „Bloomberg“: „Man wird ihn vielleicht für die nächsten 100 Jahre als die großartigste Führungsfigur der Technologiebranche unserer Zeit in Erinnerung behalten.“ Marc Benioff, der Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns Salesforce.com, sagte: „Es ist das Ende einer Ära.“

          Karrieretief und Wiederaufstieg

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