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Spiele-App : Achtung, die Pokémombies kommen

  • -Aktualisiert am

Kleine Monster einsammeln am besten unterwegs: Frischluft für Computer-Nerds! Bild: dpa

Pokémon Go ist eine Katastrophe, glauben Skeptiker. Das Spiel animiniere zu schlechter Haltung von Kopf und Schulter, zu unvorsichtiger Bewegung im Straßenverkehr. Außerdem seien Pokémombies asozial. Wirklich?

          Seit dieser Woche scheinen mehr und mehr Irre durch die Straßen zu streifen. Es sind nicht die üblichen Exemplare, die Smombies (Smartphone-Zombies), die, nur auf ihre Handys starrend, durch die Gegend laufen. Es sind Pokémombies. Ihr Kennzeichen: komische Zickzackkurse, unvermitteltes Stehenbleiben, hektisches Bildschirmtippen und debiles Grinsen. Ebenfalls auffällig: Pokémombies neigen zu Rudelbildungen.

          Schuld an diesem Verhalten ist ein Virus namens „Pokémon Go“. Die Spiele-App hat schon in kürzester Zeit die Hitlisten gestürmt. Ältere mögen sich erinnern: Mitte der 1990er Jahre haben die kleinen Taschen-Monster vom japanischen Spieleentwickler Nintendo schon einmal die Bildschirme erobert. Sie müssen eingesammelt und trainiert werden und können gegen andere Monster kämpfen.

          In der neusten Version hat Nintendo in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Google-Tochter Niantic Labs die virtuelle Welt mit der realen verknüpft - Augmented Reality nennt sich das. Der Spieler sieht auf einer Karte, ähnlich wie Google Maps, wo in seiner Nähe eines der kleinen Monster aufpoppt. Kommt man ihm nahe genug, wird es über die Smartphone-Kamera in die reale Umgebung gebeamt und kann dann mit ein paar Handbewegungen eingesammelt werden. Hinzu kommen verschiedene Orte, Pokéspots, wo es wichtige Werkzeuge gibt, oder Arenen, in denen die Monster kämpfen.

          Ist das gut oder böse?

          Nun drängt sich die Frage auf, die sich bei allen großen technischen Neuigkeiten stellt: Ist das gut oder böse? Skeptiker meinen: eine Katastrophe. Gesundheitsschäden drohen, zum einen durch schlechte Haltung von Kopf und Schulter, zum anderen durch unvorsichtige Fortbewegung im Straßenverkehr. Außerdem seien Pokémombies asozial, so in sich und ihr Spiel versunken. Eine Gefahr für Leib und Leben, mag man da denken.

          Doch wie so oft lohnt es sich, die dunkle Brille auch mal gegen die rosarote zu tauschen. Da ist zum Beispiel die Bewegung. Wie oft wurde in der Vergangenheit geklagt, dass die Jugend von heute nicht mehr im Wald umherrennt, sondern in Zimmern vor Bildschirmen hockt und daddelt. Die Folge: Mangel an Frischluft und Fett im Überfluss. Gleiches gilt für Erwachsene. Und jetzt das: Menschen, die einen dieser modernen Armband-Schrittzähler tragen und zu Pokémombies mutiert sind, laufen deutlich mehr durch die Gegend als vorher, zeigen neuste Daten. Wenn das keine gute Nachricht ist! Krankenkassen können aufatmen und Pokémombies sich über Prämien für die Übererfüllung ihrer geleisteten Schritte am Tag freuen.

          Runterladen kostet nichts

          Auch das Sozialleben kann durch den neuen Drang in die reale Welt in Schwung kommen. Auf der Internetplattform Reddit erzählen User Geschichten, die sie mit anderen Pokémombies erlebt haben. Einer berichtet von einer neuen Freundin. Sie habe auf einer Parkbank gesessen, und er habe anhand ihres Verhaltens erkannt, dass sie auch ein Pokémombie sei, und sich zu ihr gesetzt. Die rührende Geschichte der jungen, offenbar sehr korpulenten Frau: Pokémon Go habe sie motiviert, nach draußen zu gehen, sich zu bewegen und so abzunehmen und Freunde zu finden. Keine schlechte Taktik, wie Studien belegen. Wenn wir erkennen, dass wir eine Gemeinsamkeit mit einem anderen Menschen teilen, schafft das Vertrauen. Die unverkennbaren Merkmale von Pokémombies ermöglichen es also auch Introvertierten, mit anderen ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Ein bisschen so, wie man es bisher von Hundebesitzern gehört hat.

          Nicht zuletzt hat es auch Potential, die Wirtschaft jenseits von Niantic anzukurbeln, ein bisschen zumindest. Neue Jobs entstehen, professionelle Trainer werden gesucht. Und Geschäfte fangen an, mit kleinen Extras Pokémombies anzulocken. Vielleicht gilt am Ende der alte Spruch: Probieren geht über Studieren und vor Meckern. Runterladen kostet nichts. Außer ein paar Daten.

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