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Soziales Netzwerk : Facebook überrascht mit glänzenden Zahlen

Eine Facebook-Aktie kostet derzeit 123,34 Dollar. Bild: dpa

Facebook ist mittlerweile fast so viel wert wie der Ölkonzern Exxon-Mobil. Aber der Konzern hat auch eine Warnung für die Anleger.

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          Das soziale Netzwerk Facebook hat ein weiteres glänzendes Quartal hinter sich und dank sprudelnder Werbeeinnahmen sein Wachstum noch einmal beschleunigt. Die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen lagen weit über den Erwartungen. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 6 Prozent. Die Aktie hatte schon im regulären Handel am Mittwoch ein neues Allzeithoch von 123,34 Dollar erreicht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Facebook wird jetzt an der Börse mit fast 352 Milliarden Dollar bewertet. Damit liegt das Unternehmen fast auf einer Höhe mit Berkshire Hathaway, der Holdinggesellschaft des Investors Warren Buffett. Sollte sich der nachbörsliche Kurssprung am Donnerstag bestätigen, könnte Facebook womöglich sogar zum Ölkonzern Exxon-Mobil aufschließen, dessen Marktkapitalisierung knapp 375 Milliarden Dollar beträgt. Aus der Technologiebranche sind nur der Elektronikkonzern Apple, die Internetholding Alphabet und der Softwarespezialist Microsoft wertvoller als Facebook. Der holprige Börsengang des sozialen Netzwerks vor gut vier Jahren ist heute nur noch eine entfernte Erinnerung.

          95 Prozent des Umsatzes mit Werbung

          Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg sprach in einer Telefonkonferenz von „exzellentem Wachstum“ im vergangenen Quartal. Facebook meldete für diesen Zeitraum einen Umsatzsprung um 59 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 6,0 Milliarden Dollar gerechnet. In den vorangegangenen beiden Quartalen hatte Facebook noch jeweils ein Plus von 52 Prozent geschafft. Mehr als 95 Prozent seines Umsatzes erzielt Facebook mit Werbung, und davon wiederum kommen 84 Prozent von mobilen Plattformen wie Smartphones. Facebook wird auch immer profitabler und konnte seinen Nettogewinn von 719 Millionen auf 2,1 Milliarden Dollar ausbauen. Dies erklärt sich damit, dass das Unternehmen seine Kosten besser in den Griff bekommt, die im vergangenen Quartal nicht annähernd so stark gestiegen sind wie die Umsätze. Das Ergebnis je Aktie von 97 Cent war um 15 Cent besser als erwartet.

          Facebook kann auch seine Nutzergemeinde weiter ausbauen. Ende des Quartals gab es 1,71 Milliarden Mitglieder auf der Welt, die den Dienst mindestens einmal im Monat aufgerufen haben. Vor drei Monaten waren es noch 1,65 Milliarden. Finanzvorstand David Wehner sagte, die Nutzerzahlen seien damit so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Auch Facebook-Angebote jenseits der Stammseite haben mehr Zulauf. Die Kurzmitteilungsdienste Messenger und Whatsapp haben mittlerweile mehr als eine Milliarde Nutzer, und die Fotoanwendung Instagram hat die Marke von 500 Millionen überschritten. Facebook liefert mit dieser fortdauernden Ausweitung ein Kontrastprogramm zum Kurznachrichtendienst Twitter, der in dieser Woche einmal mehr nur einen bescheidenen Anstieg seiner Nutzerzahlen meldete.

          Tempo lässt sich vielleicht nicht durchhalten

          Trotz der durchgehend überzeugenden Zahlen gab es auch ein Warnsignal: Finanzvorstand Wehner sagte, es werde im Rest des Jahres schwieriger, das gegenwärtige Wachstumstempo aufrechtzuerhalten, weil die Vorgaben aus dem Vorjahr schon sehr hoch seien. Zudem werde in den kommenden Quartalen die Zahl der auf Facebook gezeigten Anzeigen nicht mehr so stark erhöht wie bislang, was sich ebenfalls auf den Umsatz auswirken werde. Nach diesem vorsichtigen Ausblick ermäßigte der Kursgewinn der Facebook-Aktie im nachbörslichen Handel etwas.

          Insgesamt aber schlug das Facebook-Management sehr optimistische Töne an. So zeigte sich Zuckerberg nicht allzu besorgt, als er auf Konkurrenz wie den populären Dienst Snapchat angesprochen wurde, der dafür bekannt ist, dass die dort ausgetauschten Fotos und Videos nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Es gebe einfach verschiedene Wege, um Inhalte zu teilen, und die Menschen nutzten mehr unterschiedliche Angebote. „Verschiedene Anwendungen bieten Ideen, von denen der ganze Markt lernen kann.“ In der Strategie von Facebook stünde es derzeit im Vordergrund, die Videofunktionalitäten zu verbessern. Das Unternehmen setzt zum Beispiel verstärkt auf Live-Videos, und Zuckerberg wies darauf hin, dass solche Aufnahmen verstärkt zum Einsatz kommen, um nachrichtliches Geschehen zu illustrieren, wie etwa kürzlich bei dem Anschlag auf Polizisten auf Dallas.

          Zuckerberg wurde auch auf Berichte angesprochen, wonach Facebook-Nutzer weniger persönliche Dinge auf der Seite veröffentlichen und sich das Gewicht stattdessen auf allgemeine Inhalte wie nachrichtliche Artikel oder Internetkuriositäten verlagert. Der Facebook-Chef wich der Frage etwas aus und sagte, insgesamt würden die Nutzer mehr Inhalte auf der Seite teilen. Er sagte aber, grundsätzlich habe sich die Art und Weise, wie und was auf Facebook publiziert wird, geändert. Die verstärkte Nutzung auf Smartphones statt auf Personalcomputern habe zum Beispiel dafür gesorgt, dass Facebook weniger textlastig geworden sei und es mehr Fotos und Videos gebe. Außerdem würden mehr Möglichkeiten genutzt, Dinge privat über Kurzmitteilungsdienste auszutauschen anstatt mit der Allgemeinheit.

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