https://www.faz.net/-gqe-70d4f

Soziales Netzwerk : Der Sicherheitswächter von Facebook

  • -Aktualisiert am

Das Netzwerk im Blick: Facebook wehrt sich gegen potentielle Angreifer Bild: dapd

Joe Sullivan sorgt für die Sicherheit im größten sozialen Netzwerk der Welt. Bei seiner Arbeit setzt er auf die Zusammenarbeit mit Nutzern - und wehrt sich gegen Überwachungsversuche.

          Joe Sullivan trägt keinen Stern, und auch sonst wirkt der oberste Sicherheitswächter des sozialen Netzwerk Facebook eher wie ein Undercover-Agent als wie ein übereifriger Sheriff. Leise und bedächtig redet Sullivan über Sicherheitsfragen im beherrschenden sozialen Netzwerk der Welt. Oft wird Facebook aufgrund seiner Größe mit mehr als 900 Millionen Mitgliedern mit Staaten verglichen. Wenn Facebook also ein Land wäre, dann wäre Joe Sullivan so etwas wie Verteidigungsminister und Innenminister in einer Person.

          Seine Mitarbeiter und er kümmern sich um die Sicherheit nach innen wie außen: Sie überwachen die Infrastruktur, damit die Facebook-Seite läuft, sie sorgen auch dafür, dass die Nutzer dort sicher sind: vor Spamnachrichten und Schadsoftware, vor Phishing, mit dem Kriminelle versuchen, Passwörter von Nutzern zu erobern, oder vor Clickjacking und Likejacking - Methoden mit denen Hacker versuchen, unbedarfte Nutzer auf ihre Internetseiten und die Werbung dort zu ziehen.

          Facebooks-Sicherheitschef Joe Sullivan

          Obwohl die Zahl der Spamnachrichten auf Facebook zuletzt zurückgegangen ist, gibt es nach Angaben des Sicherheitsunternehmens Sophos keinen Grund zur Entwarnung. „Die Hacking-Gefahr in sozialen Netzwerken ist alles andere als gebannt“, schreibt das Unternehmen in seinem Bedrohungsbericht 2011. Im vergangenen Jahr hatte Sophos Facebook in einem offenen Brief aufgefordert, seine Sicherheitsvorkehrungen anzupassen. Unter anderem forderte das Unternehmen, dass das Netzwerk Entwickler von Zusatzprogrammen, sogenannten Apps, eingehender prüft und es das sichere Internetprotokoll Https verbindlich für alle Nutzer einführt. „Einen zusätzlichen Schutz könnten Nutzer auch durch die Aktivierung von Browser-Zusatzprogrammen wie ,No Script’ erreichen“, sagt Sophos-Experte Dirk Kollberg. No Script erlaube das Ausführen von sicherheitsanfälligen Codes wie JavaScript nur bei vertrauenswürdigen Seiten.

          Böse Hacker zu guten machen

          „Die Menschen würden Facebook nicht nutzen, wenn sie uns nicht vertrauen würden“, argumentiert dagegen Joe Sullivan im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu sehr hänge das Geschäftsmodell von der Sicherheit der Nutzer ab: „Es hat überhaupt keinen Nutzen für uns, wenn Menschen Facebook verwendeten und sich dort betrogen fühlten.“ Was aber die Frage betrifft, das sichere Internetprotokoll Https flächendeckend einzuführen, verweist Sullivan auf die Technik. „Über die vergangenen Jahre haben wir eine Reihe von sicherheitstechnischen Funktionalitäten entwickelt, von denen wir denken, dass sie nicht jeder tolerieren wird, weil sie etwa die Surf-Geschwindigkeit stark beeinflusst wie Https“, sagt Sullivan. „Viele Menschen könnten unsere Dienstleistung nicht nutzen, wenn wir sie verpflichtend vorschreiben würden.“ Immerhin ein Drittel der Nutzer habe aber das Protokoll inzwischen voreingestellt. „Das zeigt, dass die Menschen, die jetzt das Internet nutzen, viel erfahrener sind als noch vor einiger Zeit“, sagt Sullivan.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl von der Leyens : Eine pragmatische Lösung

          Das Europäische Parlament ist über seinen Schatten gesprungen und vermeidet mit der Wahl von der Leyens den Machtkampf mit dem Europäischen Rat. Der Erfolg der CDU-Politikerin sichert auch das Überleben der großen Koalition – fürs Erste.
          Umtriebiger Minister: Jens Spahn

          Bundesgesundheitsminister : Jens Spahn demonstriert seine Macht

          Ist das der große Kehraus vor einem möglichen Wechsel ins Verteidigungsministerium? Der Gesundheitsminister bringt am Mittwoch drei Gesetzentwürfe ins Kabinett ein – und will auf die Schnelle noch zwei Behörden fusionieren.

          FAZ Plus Artikel: Merkel in Sachsen : Aus Liebe zum Land

          Merkel besucht Sachsen in schwierigen Zeiten: Laut Prognosen könnte die AfD in vielen Wahlkreisen an den Christdemokraten vorbeiziehen. Für die CDU geht es im Freistaat um ihr politisches Überleben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.