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Sonntagsökonom : Das Gute an den Monopolen

„Herr A et al.” Bild: F.A.Z.

Wenn in einer Marktwirtschaft alle das gleiche tun, wird das Leben manchmal leichter. Microsoft zeigt, daß das funktioniert.

          4 Min.

          In der Marktwirtschaft ist es manchmal gut, wenn alle das gleiche tun. Es ist effizient, wenn viele Menschen auf ihren Computern das gleiche Betriebssystem installiert haben, weil sie so leichter Dateien austauschen können. Es ist vorteilhaft, wenn Benutzer von Videorecordern das gleiche System nutzen, weil sie dann leichter Filme tauschen können und in Videotheken ein größeres Angebot vorfinden. Kurzum, es ist sinnvoll, wenn sich Standards entwickeln und durchsetzen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Für Ökonomen sind Standards Güter, die sich durch Netzwerkexternalitäten auszeichnen. Der erste Käufer eines Faxgerätes steht ziemlich einsam da. Einen Wert erhält das Gerät erst, wenn auch andere Menschen Faxgeräte besitzen und man Faxe hin- und herschicken kann. Je mehr Menschen sich dem Netzwerk anschließen, desto größer ist der Wert des Faxgerätes für jeden einzelnen. Liegen Netzwerkexternalitäten vor, steigt der Nutzen eines Gutes für jeden Anwender mit der Zahl der Menschen, die sich für das Gut entscheiden. Deshalb ist solchen Märkten eine Tendenz zur Monopolisierung eigen. Schädlich müssen solche Monopole nicht sein, denn es ist in diesen Fällen ja sinnvoll, daß viele Menschen das gleiche Produkt oder den gleichen Standard verwenden.

          Standards entwickeln Beharrungskraft

          Ist ein Standard erst einmal eingeführt, entwickelt er eine enorme Beharrungskraft. Innovative, bessere Standards haben es am Markt dann schwerer, weil für einzelne Nutzer die Kosten eines Wechsels prohibitiv hoch sind. Wenn alle Microsoft Windows als Betriebssystem für ihre Computer verwenden, ist es für niemanden ratsam, als einziger eine andere Software zu verwenden.

          Damit sich ein neuer Standard durchsetzt, bedarf es einer kritischen Masse von Nutzern. Märkte mit Netzwerkexternalitäten sind deshalb durch Pfadabhängigkeiten gekennzeichnet: Der erste Standard, der viele Nutzer vereint, kann für sehr lange Zeit das Angebot dominieren. Die Nutzer bleiben in dem Netzwerk, weil die Vorteile, dazuzugehören, überwiegen. So könnte der historische Zufall und nicht die wettbewerbliche Innovation die Entwicklung eines Marktes bestimmen.

          Die Fabel von Qwerty

          Ökonomen sind für ihr Mißtrauen bekannt. Könnte es sein, daß die Marktwirtschaft versagt, weil die Konsumenten in ineffizienten Netzen gefangen sind? In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war es populär, Pfadabhängigkeiten als Marktversagen zu untersuchen. Als Beispiel mußte die Qwerty-Buchstabenbelegung auf Schreibmaschinen herhalten. Mit Q-W-E-R-T-Y beginnt auf den Tastaturen amerikanischer Schreibmaschinen die erste Buchstabenreihe. In Europa müßte es Qwertz heißen, weil hier das Z an der Stelle des amerikanischen Y sitzt.

          Der Qwerty-Standard entstand nach Analyse des Ökonomen Paul David aus einer technischen Notwendigkeit heraus. Auf mechanischen Schreibmaschinen sei es sinnvoll gewesen, häufig angeschlagene Buchstaben weit entfernt voneinander anzuordnen, damit die Buchstabentypen sich in der Maschine nicht verhedderten. Diese Schwierigkeiten gibt es auf modernen Computern nicht mehr. Dennoch tippen wir alle noch nach Qwerty. Ist das sinnvoll? Könnten wir mit einer anderen Buchstabenbelegung schneller und mit weniger Fehlern tippen?

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