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Softwarekonzern : Kunden, Daten, Xbox - wie Microsoft tickt

Hoffnungsträger: Die Videospielkonsole Xbox One von Microsoft Bild: dpa

Microsoft will bei Smartphones und Tablets nicht länger der Konkurrenz hinterhereilen. Mit Schwung soll zudem die neue Spielkonsole Xbox One in den Markt drängen. Und was ist mit dem Datenschutz?

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          Es ist ein offenes Geheimnis: In den Gremien des IT-Branchenverbandes Bitkom gab es vor einiger Zeit Auseinandersetzungen. Es ging darum, wie sich der Verband zu den Ausspähaktionen der Geheimdienste positionieren sollte, allen voran denen der amerikanischen NSA. Die Vertreter der Mitgliedsunternehmen aus Deutschland pochten auf eine harte Haltung, die Statthalter amerikanischer IT-Konzerne mochten den Argumenten der Deutschen nicht folgen. Es gab Streit, letztlich einigte man sich zwar auf eine gemeinsame Haltung - atmosphärisch bereinigt scheint der Konflikt aber noch nicht zu sein.

          Offiziell will dazu niemand etwas sagen, auch Christian Illek nicht, der Deutschland-Chef des amerikanischen Softwarekonzerns Microsoft. „Wir müssen das Vertrauen der Kunden in die Sicherheit der Daten erhalten“, sagt Illek dazu lediglich - und in diesem Punkt sind sich dann wieder alle einig. Denn wenn das Vertrauen in die Datensicherheit weg ist, werden die Geschäfte schlechter laufen.

          Illek würde sich daher freuen, wenn die Staaten untereinander ein funktionierendes „No spy“-Abkommen abschließen könnten. „Und das mit einem funktionierenden Kontrollmechanismus.“ Zudem sei die geplante europäische Datenschutzverordnung idealtypisch über Europa hinaus auszudehnen. „Ich plädiere für verbindliche internationale Absprachen, gerade auch zwischen Europa und den Vereinigten Staaten“, sagt Illek. Und die Hersteller müssten die Sicherheit ihrer Produkte immer weiter erhöhen: „Dabei wird Verschlüsselung eine immer größere Rolle spielen.“ In Vergessenheit geraten dürfe über die aktuelle Diskussion auch nicht, dass sich gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen sehr viel besser gegen Cyberattacken schützen könnten, wenn sie ihre Daten in der „Cloud“ eines professionellen Dienstleisters speicherten - und nicht bei sich selbst.

          Eine Kontrolle über die Geheimdienste habe man natürlich nicht, wohl aber gehöre Microsoft zu den Unternehmen, die die amerikanische Regierung verklagt hätten, um mehr Daten über entsprechende Anfragen durch Behörden öffentlich preisgeben zu können, als dies bisher der Fall sei. „Wir haben uns nie an massenhaften Spähaktionen beteiligt“, versichert Illek - was die bisher veröffentlichten Zahlen zu behördlichen Datenabfragen ja auch zeigten.

          Illek pocht zudem darauf, dass sich Microsoft strikt an die europäischen Vorgaben zum Datenschutz halte - und in jeder Hinsicht auf die Kunden höre. Das könne man zum Beispiel am Verhalten von Microsoft unmittelbar nach der Vorstellung der neuen Videospielkonsole Xbox One ablesen, die von diesem Freitag an auch in Deutschland erhältlich sein wird.

          Zunächst war die Konsole mit dem Zwang gekoppelt, jederzeit online sein zu müssen. Zudem hieß es, der Bewegungssensor Kinect sei immer eingeschaltet. So schien die Spielkonsole zu einem perfekt geeigneten Gerät zu werden, um Wohn- oder Kinderzimmer zu überwachen. Das kam sehr schlecht an - „und wir waren damals von den Reaktionen überrascht“, räumt Illek ein. Daraufhin seien alle Kritikpunkte abgestellt worden. „Jetzt kontrolliert der Nutzer die Konsole - und niemand sonst“, sagt Illek.

          Konsolenfreunde sahen Verrat an der Spielegemeinde

          Unter den Fans der bisherigen Spielkonsolengeneration hatte Microsoft aber auch für Unmut gesorgt, als bekannt wurde, dass sie die Xbox One eben nicht nur zum Daddeln verwenden können, sondern auch, um Filme oder Fernsehprogramme zu schauen oder Musik zu hören. Gestandene Konsolenfreunde sahen darin einen Verrat an der Spielegemeinde. „Das Konzept der Xbox ist Spiele plus Unterhaltung“, sagt Illek.

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