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Software : "Linux ist sexy!"

Ein Pinguin greift Microsoft an Bild: dpa

"Linux is sexy!" Dieser Schriftzug ziert nicht nur T-Shirts, die auf der "Linux World Expo" verkauft wurden, sondern charakterisiert auch die Stimmung der Open-Source-Gemeinde. Vor allem Kommunen zeigen Interesse an der Windows-Alternative

          "Linux is sexy!" Dieser Schriftzug ziert nicht nur T-Shirts, die auf der "Linux World Expo" in Frankfurt verkauft wurden, sondern charakterisiert auch die Stimmung der sogenannten Open-Source-Gemeinde. Das Betriebssystem, das von einer freien Entwicklergemeinde stammt und den Anwendern lizenzfrei zur Verfügung gestellt wird, gilt als jung, innovativ und dynamisch. Das marktführende Betriebssystem Windows des Softwarekonzerns Microsoft hingegen spielt in den Augen der Open-Source-Verfechter zunehmend die Rolle einer alternden Diva: Windows gilt ihnen als zu statisch, unflexibel und zu teuer.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Selbstbewußtsein der Linux-Anhänger läßt sich mit Zahlen untermauern: War die Software mit dem Pinguin als Markenzeichen noch vor einigen Jahren ein Produkt für eingefleischte Computerfans, ist Linux heute dabei, auch den Markt für Netzwerkrechner (Server) zu erobern. Und der Siegeszug setzt sich fort. Das amerikanische Marktforschungsinstitut IDC rechnet mit einer Steigerung des Marktanteils der Linux-Server von 12,5 Prozent im Jahr 2003 auf 29 Prozent im Jahr 2008. Auch bei Standgeräten (Desktops) entwickelt sich Linux zu einer ernsthaften Konkurrenz für Microsoft und ist dabei, das Apple-Betriebssystem vom zweiten Platz zu verdrängen.

          Keine Software für Bastler mehr

          Kein Wunder also, daß Paul Salazar, der europäische Marketingchef des amerikanischen Softwareunternehmens Red Hat, in der Frankfurter Messehalle gute Laune versprüht. Als Anbieter des marktführenden Open-Source-Betriebssystems profitiert Red Hat vom Linux-Boom. Im Vergleich zum Vorjahr erzielte das Unternehmen im zweiten Quartal 225 Prozent mehr Umsatz. Umringt von seinen rot behüteten Mitarbeitern preist Salazar mit ausladenden Gesten abermals die grundsätzlichen Vorzüge der freien Betriebssysteme: Diese Form der Software sei einfach besser als die Konkurrenz. "An Red Hat Enterprise Linux arbeiten nicht nur 350 von uns bezahlte Entwickler, sondern auch Tausende Linux-Fans, die die Weiterentwicklung der Software zu ihrem Hobby gemacht haben", sagt Salazar. Die Gemeinschaftsarbeit sei auch die Voraussetzung gewesen, daß sich aus einer Software für Bastler innerhalb weniger Jahre ein Produkt für kommerzielle Umgebungen entwickeln konnte.

          Der Grund, warum immer mehr Unternehmen ihre Informationstechnik (IT) auf Open-Source umstellen, seien aber nicht nur die niedrigeren Kosten der lizenzgebührenfreien Software: "Vor allem unsere Kunden im Banken- und Finanzsektor werden von strategischen Entscheidungen geleitet, wenn sie auf Open-Source umsteigen. Sie sind überzeugt, daß sie mit Linux ihr IT-Umfeld schneller und sicherer gestalten können und entscheiden sich deswegen für die Open-Source-Alternative."

          Kostendruck der Kommunen hilft Linux

          Ein wichtiges Thema auf der Messe sind die Open-Source-Lösungen für den öffentlichen Sektor. Hier sind die Beweggründe, Programme auf Linux-Basis einzusetzen, etwas anders gelagert als in den Unternehmen. Zwar schätzten auch Städte und Kommunen die Flexibilität und Sicherheit der Open-Source-Lösungen sowie die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Dienstleistern wählen zu können. Darüber hinaus sei der Kostendruck, der auf Städten und Gemeinden laste, noch höher als im privaten Sektor. Daher seien die Preisvorteile der Open-Source-Programme ein wichtiges Argument für den Umstieg, sagt Hans-Ulrich Schmid, Projektleiter Informationstechnologie der Wirtschaftsförderung Stuttgart.

          Neben dem Kostenargument verweist Schmid noch auf einen volkswirtschaftlichen Aspekt: "Mit einer Linux-Strategie stärkt man die Region. Anbieter der Open-Source-Software sind häufig junge, mittelständische Unternehmen, die aus dem Umfeld von Universitäten heraus gegründet wurden. Mit dem Einsatz von Linux sichert die öffentliche Hand somit Arbeitsplätze und unterstützt Existenzgründungen im IT-Bereich." Mittlerweile müsse sich jeder Bürgermeister nicht nur fragen, ob er eine Linux-Strategie fahren wolle, sondern ob er es sich überhaupt leisten könne, auf Open-Source zu verzichten, meint Schmid.

          Auch die Großunternehmen der IT-Branche haben die Bedeutung der Open-Source-Programme für den öffentlichen Sektor erkannt: Der Computerkonzern IBM, der seit 1999 über eine Milliarde Dollar in Open-Source investiert und mittlerweile alle seine Produkte "linux-fähig" gemacht hat, legt einen Schwerpunkt auf die Entwicklung von Open-Source-Lösungen für den öffentlichen Sektor. "Die öffentliche Hand hat eine Innovationsrolle eingenommen", sagt Hans Jürgen Rehm, Pressereferent von IBM.

          Auf der Linux World wurde wohl auch deshalb ein Projekt des Computerkonzerns Hewlett Packard (HP) und des Softwareanbieters Novell vorgestellt, das auf Linux-Anwendungen in Städten und Kommunen zielt. Zusammen mit unabhängigen Softwareanbietern haben die Partner eine Initiative gegründet, die Open-Source-Lösungen für kommunale Verwaltungen entwickeln soll. HP wird die Hardware zu diesem Projekt beisteuern, während Novell sein Betriebssystem Suse Linux in die Initiative einbringt. Weitere Partner dieser Initiative sind die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart und der Städte- und Gemeindebund.

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