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Sichere Kommunikation : So verschlüsseln Whatsapp & Co

Welche Verschlüsselung hätten Sie gerne? Bild: dpa

Sollen Strafverfolger auch verschlüsselte Kommunikation abgreifen können? Die Debatte läuft. FAZ.NET erklärt, wie Whatsapp, Facebook, Google oder Skype derzeit verschlüsseln. Eine Übersicht.

          6 Min.

          Der Titel der gemeinsamen Erklärung „Ein Beitrag zur Erhöhung der inneren Sicherheit in Europa“ sagt alles: Die Innenminister von Frankreich und Deutschland, Bernard Cazeneuve und Thomas de Maizière, stellen dort einige Forderungen und Vorschläge auf, wie die Sicherheit erhöht werden könnte und die Verfolgung von Kriminellen für Behörden erleichtert werden sollte. 

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Geäußert haben sich die beiden Minister auch zur Verschlüsselung: Für Strafverfolgungsbehörden müsse es möglich sein, technisch auch Zugang zu verschlüsselter Kommunikation zu bekommen - wenngleich sie beide betonen, nicht die Verschlüsselung an sich in Frage stellen zu wollen.

          Das ist auch schwierig, schließlich ist das Konzept der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, dass sie niemand auslesen kann. So hilft sie naturgemäß Kriminellen dabei, ihre Spuren zu verschlüsseln. Aber andersherum eben auch Millionen unbescholtenen Bürgern, die einfach nicht möchten, dass jemand ihre Nachrichten mitliest. Oder sich aus den sogenannten Metadaten, die durch digitale Kommunikation entstehen, ein Bewegungsprofil erstellen. 

          Innerhalb der Apps und Programme der bekanntesten Anbieter gibt es in der Verschlüsselung allerdings einige Unterschiede. Hier kommt eine Übersicht über die wichtigsten:

          Whatsapp: Der Kommunikationsdienst Whatsapp ist die meistgenutzte Nachrichtenapp der Welt, mehr als 1 Milliarde Nutzer zählt das Unternehmen, das vor einigen Jahren für 19 Milliarden Dollar von Facebook gekauft wurde. Jahrelang wurde Whatsapp immer dafür kritisiert, dass es unsicher sei, weil es keine Verschlüsselungsmechanismen anbiete; der Popularität des Dienstes hat das freilich keinen Abbruch getan. Allerdings hat es dabei geholfen, dass sich einige andere Konkurrenten etabliert haben, die ebenjene Verschlüsselungen anboten, die man bei Whatsapp vermisste. Seit April dieses Jahres verschlüsselt allerdings auch Whatsapp Ende-zu-Ende und zwar mit Hilfe der Technik der Entwicklergruppe Open Whisper Systems, die auch hinter dem Dienst Signal stehen. Die Verschlüsselung bedeutet, dass Nachrichten auf dem Weg vom Sender A zum Empfänger B nur als nicht identifizierbarer Datenhaufen abgreifbar wären, mit dem kein Angreifer etwas anfangen könnte. Entschlüsselt wird die Kommunikation dann immer erst mit dem Schlüssel auf dem Gerät des Empfängers.

          Seit April verschlüsselt auch Whatsapp Ende-zu-Ende.
          Seit April verschlüsselt auch Whatsapp Ende-zu-Ende. : Bild: dpa

          Allerdings braucht Whatsapp eine Telefonnummer zur Benutzung, das ist nicht im Falle aller Dienste so. Außerdem werden bei Whatsapp die Metadaten nicht verschlüsselt übertragen, mit etwas Geschick lässt sich also herausfinden, wann und von welchem Ort wer mit wem wie oft kommuniziert hat. Alleine das kann schon viel verraten, auch wenn der Inhalt des Gesprächs versteckt bleibt. Unternehmen wie Facebook sind wegen ihrer Werbestrategie an solchen Daten besonders interessiert, weil sie Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten zulassen. Und nichts ist für Soziale Netzwerke so wichtig, wie zu wissen, zu welchen Zeiten und warum sie vor allem genutzt werden. Und wie man die Nutzer vor allem länger in der App oder auf der Internetseite halten kann.

          Facebook Messenger: Die Nachrichten-App des Sozialen Netzwerks Facebook hat inzwischen genauso wie Whatsapp mehr als 1 Milliarde Nutzer - und ebenfalls eine Verschlüsselung angekündigt. Allerdings ist sie nicht standardmäßig aktiviert und Nutzer müssen danach ein wenig suchen. Noch ist die Funktion außerdem nicht für alle Nutzer verfügbar, zwar findet man in den App-Einstellungen schon den Reiter „Geheime Nachrichten“, wirklich verschicken können diese aber nur wenige bislang. Nach den Worten von Facebook soll das vor allem dazu dienen, einzelne Gespräch zu verschlüsseln, etwa wenn man Gesundheitsinformationen oder Bankdaten austauschen möchte. Das ist dann allerdings beschränkt auf zwei Geräte und lässt in der Kommunikation keine Spielereien wie animierte Bilder zu. Technisch funktioniert die Verschlüsselung genauso wie bei Whatsapp.

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