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„Smile“-Plattform : Amazon spendet an Organisationen, die das weder wissen noch wollen

Amazon Bookstore in New York City Bild: AFP

Der Online-Händler beruhigt sein schlechtes Gewissen mit einer Spendenplattform für gute Zwecke. Geld bekam auch Foodwatch – aber die Organisation ist gar nicht begeistert.

          Der Online-Händler Amazon trägt dazu bei, dass stationäre Buchhandlungen verschwinden und hat die persönlichen Empfehlungen mancher literarisch leidenschaftlicher Buchhändler durch Algorithmen ersetzt. Damit der Kauf trotzdem eine besonders gute Tat sein kann, führte Amazon die Spendenplattform „Smile“ ein. Hier kann jeder Käufer 0,5 Prozent des Umsatzes für einen guten Zweck spenden. Mehrere Organisationen stehen zur Auswahl, etwa der Umweltschutzverein WWF oder die UN-Flüchtlingshilfe.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Organisation Foodwatch, die sich mit Tricks und Werbemärchen der Lebensmittelwirtschaft befasst, stand bis vor wenigen Tagen auch auf der Liste. Das hat sich nun geändert. Foodwatch empörte sich am Montag sehr: Amazon habe nicht einmal um Erlaubnis gefragt, ob es Foodwatch in seinen „Smile“-Dienst integrieren dürfe.

          Es geht um eine überaus lächerliche Summe: Amazon wollte Foodwatch 83,15 Euro überweisen, die durch Käufe spendenwilliger Förderer aufgelaufen war. Dem standen Buch- und andere Versandumsätze von 16.630 Euro gegenüber. „Wir haben das abgelehnt, weil wir grundsätzlich keine Spenden von der Lebensmittelindustrie annehmen“, sagte ein Sprecher von Foodwatch.

          Zwar ist Amazon nicht im Kern ein Lebensmittelhändler, sondern ein Händler von Büchern und Elektronikgeräten, von Spielzeug, Musik und Videos. Doch steigt der Konzern zunehmend in den Lebensmittelversand ein. Nach einer initialen Spende von Ritter Sport, die Foodwatch vor vielen Jahren durch Vermittlung seines Gründers Thilo Bode erhalten hatte, gilt für die Nichtregierungsorganisation das Prinzip, auf Industriespenden zu verzichten.

          Obwohl es um eine kleine Summe geht, wirft der Fall ein Licht auf das Selbstbewusstsein, mit dem Amazon ein solches Projekt ohne Absprache mit Hilfsorganisationen in Angriff nimmt. Mit dem „guten Zweck“ wirbt der Konzern offensiv. Auf Formularen erfährt der Kunde, was er Gutes tue. „Wenn Sie nun auf smile.amazon.de einkaufen“, schreibt Amazon, dann werde es „0,5 Prozent des Wertes Ihrer gesamten qualifizierten Einkäufe der von Ihnen ausgewählten Organisation“ gutschreiben. Amazon führe „Menschen in die Irre, die eine gute Sache unterstützen wollen, und generiert Umsatz mit falschen Versprechen“, kritisierte Martin Rücker, Geschäftsführer von Foodwatch.

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