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Sicherheitsstratege Rob Rachwald : „Der Hacker-Markt ist 250 Milliarden Dollar schwer“

  • Aktualisiert am

Treffpunkt der Hacker: Internetseite Hackforums.net Bild: hackforums.net

Hackforums.net ist eine der größten Hackerseite. Rob Rachwald hat sie monatelang untersucht, um das Geschäftsmodell der Hacker zu verstehen. Regierungs-Hacker sind dort ebenso aktiv wie Einsteiger in die Szene.

          Herr Rachwald, wer tummelt sich auf Hackforums.net?

          Hackforums.net ist eines der weltgrößten Hackerforen mit rund 250.000 Hackern. Das Forum wurde 2006 gegründet und wächst mit 150 Prozent im Jahr. Immer mehr Menschen - vor allem junge Männer, die sozial ausgegrenzt sind - werden im Hacking ausgebildet, weil sich das Geschäft lohnt.

          Um welche Aspekte drehen sich die Gespräche?

          Was mich am meisten überrascht hat: Es gibt natürlich viele Unterhaltungen über das Hacking, aber genau so viele über persönliche Dinge. Das ist wie eine große Gemeinschaft. Am Anfang sollte ein neues Mitglied auch erst einmal Fragen beantworten, welche Interessen er hat, welcher Religion er angehört und welche Bücher er mag. Dazu kommt: Die meisten Nutzer sind junge Männer, die oft keine Erfahrung im Umgang mit Frauen haben. Und daher geht es in einer der populärsten Sektionen ums Dating mit Frauen.

          Die großen Geschäfte werden im VIP-Bereich getätigt.

          Treffen sich dort nur die Anfänger, die in die Szene einsteigen wollen?

          Nein. Im Prinzip sind alle da: professionelle Hacker, Regierungs-Hacker, organisiertes Verbrechen und die Einsteiger. 25 Prozent aller Diskussionen bezogen sich auf Anfängerwissen für Hacker. In weiteren 22 Prozent ging es um Hacking-Software. Es sind aber auch viele professionelle Hacker dort, die talentierten Nachwuchs suchen und auf neue Varianten für ihre Hackersoftware aus sind.

          Wie sieht das Geschäftsmodell der Hacker aus?

          Der Markt ist rund 250 Milliarden Dollar schwer und vielschichtig. Es gibt Forscher, die Hacking-Tools entwickeln, sie anschließend verkaufen und auch noch Support anbieten, wenn jemand Schwierigkeiten bei der Anwendung hat. Die zweite Gruppe nenne ich die Vermieter. Das sind die Hacker, die mit Hilfe von Software viele fremde Computer gekapert und damit ein Botnetz aufgebaut haben. Dieses Botnetz kann nun vermietet werden, zum Beispiel für Denial-of-Service-Attacken, um andere Internetseiten lahmzulegen. Vor gut einem Jahr hatte die iranische Armee eine Reihe von Botnetzen aufgebaut, die sie nicht mehr benötigte. Dann haben sie diese Netze einfach an die private Hacker-Community vermietet, um Geld zu verdienen. Die dritte Gruppe sind die Broker, die Kreditkartendaten handeln. Amex-Daten für 8 Dollar, Visa gibt es schon für 6 Dollar. In Amerika kosten die Daten nur 2 Dollar je Stück. Und die vierte Gruppe sind die individuellen Hacker, die vereinzelte Accounts hacken, um an das Geld zu kommen.

          Unter dieser Rubrik kann man Anleitungen, Hack-Werkzeuge herunterladen. Es ist sogar möglich  ein Botnetz (Rechnerverbund) zu mieten, um Internetseiten lahmzulegen.

          Wie weit ist das Regierungs-Hacking verbreitet?

          Vor allem in China sind private Hacker ebenso am Werk wie die Regierungs-Hacker - und die Grenze ist nicht immer klar. Es gibt 5 oder 6 vom Staat finanzierte Hacking-Zentren in China. Es gibt eine Geschichte über einen chinesischen Autohersteller, bei dem eines Tages Regierungsbeamte auftauchten und ihn fragten, wer sein größter Konkurrent sei. Er nannte einige Namen ausländischer Hersteller. Die nächste Frage lautete: Welche Informationen brauchen Sie, um mit den Unternehmen zu konkurrieren? Er nannte einige Pläne für neue Wagen. "Okay, wir versuchen das zu besorgen", war die Reaktion der Beamten. In China gibt es eine Public-Private-Partnership, um den technischen Vorsprung der Amerikaner oder Europäer auf diese Weise aufzuholen.

          Worauf haben es die Hacker in der Mehrheit abgesehen?

          Ihnen geht es vorwiegend um Kreditkartendaten. Der Grund ist einfach: Daraus lässt sich besonders leicht Geld machen. Es gibt ein noch geringes, aber steigendes Interesse der Hacker an geistigem Eigentum. Allerdings ist es schwierig, dies zu Geld zu machen. Wenn ein Hacker die Pläne für das nächste iPhone stehlen würde, wer würde diese Informationen kaufen? Manchmal ist es klar: LG und Samsung stehen in Korea in einem erbitterten Wettbewerb. In Korea weiß man immer, wo man hingehen muss, um das Wissen zu verkaufen. In anderen Fällen ist das nicht so einfach.

          Auf den Seiten des Forums treffen sich  Anfänger, professionelle Hacker, Regierungs-Hacker als auch das organisierte Verbrechen. Auf dem Marktplatz werden die verschiedensten Leistungen angeboten.

          Müssen sich die Unternehmen besser gegen Datendiebstahl schützen?

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC verlangt seit wenigen Wochen von allen börsennotierten Unternehmen Auskunft, welches geistige Eigentum und welche Daten im Besitz des Unternehmens gestohlen werden können und welchen Schaden ein Verlust der Daten anrichten würde. Intel hat als erstes Unternehmen reagiert und die Informationen angegeben. In den kommenden Jahren werden die Aktienkurse der Unternehmen beeinflusst, wenn ihnen wertvolle Daten abhandenkommen.

          Was unternimmt die Polizei gegen den Datendiebstahl?

          Die Hacker erfinden ständig neue Methoden, gegen die Polizisten meist machtlos sind. Die Polizei arbeitet auch oft mit Hackern zusammen, weil sie ohne ihre Hilfe nicht mehr mitkommen. Die Linien werden sehr oft überschritten.

          Der Austausch von Informationen findet natürlich auch über Twitter statt.

          Woher kommen die Hacker?

          Die Mehrheit der Hacker kommt aus den Vereinigten Staaten. Dann kommen die Russen und Osteuropäer. Brasilien hat inzwischen auch eine sehr aktive Hacker-Community. Und die Chinesen nicht zu vergessen.

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