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Schutz vor Hackern : General im Cyberspace

Nadav Zafrir, 47, war Brigadegeneral und ist mit seiner Firma Team 8 zurzeit Israels größte Startup-Hoffnung Bild: Getty

Nadav Zafrir hat das Cyberkommando der israelischen Armee geführt. Jetzt will er die Industrie vor Hackern schützen – und setzt dafür auf militärische Tugenden.

          7 Min.

          Nadav Zafrir hat noch immer den festen Händedruck und den Haarschnitt eines Generals, aber heute trägt er Jeans und ein Hemd, unter dem sich Muskeln spannen. Zafrir verbreitet eine jugendliche Stimmung, die den Altersunterschied zu seinen jungen Mitarbeitern vergessen lässt. In der gläsernen Firmenzentrale von „Team 8“ in einem Hochhaus im Zentrum von Tel Aviv duzt man sich, es wird viel Kaffee getrunken. Doch wer glaubt, es fehle hier an Ernsthaftigkeit, hat sich getäuscht.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Bevor Zafrir sein Unternehmen gründete, hat er fünf Jahre lang Israels wichtigste Online-Waffe geleitet, die Abteilung „8200“ der Streitkräfte. Ihr bislang größter Coup gelang unter Zafrirs Führung: Sie soll, gemeinsam mit dem amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA, für den Computerwurm Stuxnet verantwortlich sein, der 2010 die Zentrifugen des iranischen Atomkraftwerks Natanz beschädigt hat.

          Hundert Millionen Dollar Startkapital

          Zafrir baute danach auch noch Israels neues Cyberkommando auf – viele Jahre, bevor die Bundeswehr in Deutschland auf die Idee kam, auch so eine Einheit zu gründen. Als Zafrir Mitte vierzig war, stieg er aus dem Militär aus, um „Team 8“ zu gründen, eines der ambitioniertesten Start-ups in Israel, das Geschäftsmodell: Cybersicherheit. Der Name ist eine unverhohlene Anspielung auf die militärische Vergangenheit der meisten Mitarbeiter. Rund hundert Millionen Dollar Startkapital hat Zafrir in den drei Jahren nach der Gründung eingesammelt. Zu seinen strategischen Partnern gehören Cisco, Intel, Nokia und Microsoft.

          Ohne das Militär hätten Israels Startups wahrscheinlich nie den Weltruf erlangt, den sie seit einigen Jahren genießen. Rund 15 Prozent des weltweiten Wagniskapitals in der Cyberbranche fließen angeblich nach Israel. Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt, dass ehemalige Soldaten der Einheit „8200“ inzwischen rund tausend Unternehmen gegründet haben. Dazu gehören der Navigationssystem-Hersteller Waze, der für 1,3 Milliarden Dollar an Google verkauft wurde, die Datensicherheitsfirma Check Point und das Finanzunternehmen Cyber Ark. Wer in der Einheit gedient hat und nicht selbst ein Start-up gründet, um den reißen sich die Softwareunternehmen der Welt. Auch deshalb unterhalten nahezu sämtliche IT-Konzerne von Google bis Intel große Forschungszentren im kleinen Israel, einem Land von der Größe Hessens.

          Schon 16-jährige Schüler werden beobachtet

          Für diesen Erfolg hat der 47 Jahre alte Zafrir eine einfache Erklärung: die allgemeine Wehrpflicht, Optimismus und eine den regionalen Umständen geschuldete Flexibilität. „In Israel haben wir Wehrpflicht für Frauen und Männer, und für unsere Spezialeinheiten können wir so das oberste Prozent aus der Bevölkerung eines ganzen Landes auswählen“, schwärmt er in perfektem amerikanischem Englisch. In Europa oder Amerika möge es noch so ambitionierte Eliteuniversitäten geben, die Zahl der Bewerber sei im Vergleich zu den israelischen Verhältnissen begrenzt. „In Israel fangen wir mit dem Screening an, wenn die Schüler 16 Jahre alt sind, manchmal noch früher“, sagt Zafrir, selbst Vater zweier Kinder. Manchmal bemerkten die Schüler zunächst gar nicht, dass sie beobachtet werden. Es gehe nicht darum, was die Rekruten schon wissen oder können, sagt Zafrir. „Sondern wie schnell sie begreifen, sich an neue Umgebungen gewöhnen und kreativ sein können.“

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