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Schnelles Internet : Vodafone und 1&1 verkaufen VDSL-Zugänge

  • -Aktualisiert am

Unscheinbar und doch begehrt: VDSL-Kabelverzweiger der Telekom Bild:

Die Verbreitung des schnellen Internet in Deutschland macht Fortschritte: Die Telekom-Konkurrenten Vodafone und 1&1 dürfen bald VDSL-Anschlüsse des früheren Telefon-Monopolisten verkaufen. Das kommt den Städtern zugute - den Menschen auf dem Land nützt es aber wohl nichts.

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          Die Telefongesellschaft Vodafone und das Internetunternehmen 1&1 werden von Herbst an die VDSL-Hochgeschwindigkeitsanschlüsse der Deutschen Telekom verkaufen. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Vodafone und die Telekom auf einen Preis von weniger als 30 Euro je Monat für die Anschlussmiete geeinigt, sagte Vodafone-Chef Fritz Joussen in Düsseldorf.

          Die United-Internet-Tochtergesellschaft 1&1 werde zeitgleich mit Vodafone die Vermarktung starten, heißt es in der Branche. Das Netz, das zurzeit in 50 Städten Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 25 Megabit je Sekunde ermöglicht, kann mehrere hochauflösende Fernsehprogramme übertragen, was wegen des vergleichsweise hohen Preises bisher aber erst von wenigen Kunden nachgefragt wird.

          „Eine Scheinlösung“

          "Die Einigung mit der Telekom ist aber nur eine Scheinlösung, da das Monopol der Telekom bei VDSL bestehen bleibt. Vodafone möchte gerne in die Infrastruktur investieren, um ein echtes Konkurrenzangebot zu schaffen. Aber bei diesen Verhandlungen haben wir bisher keine Einigung erzielt und werden notfalls zum Regulierer gehen müssen", sagte ein Vodafone-Sprecher.

          Um die hohen Übertragungsraten anbieten zu können, müssen die Telekommunikationsgesellschaften Glasfaser bis in die sogenannten Kabelverzweiger (KVZ) legen. Die grauen Kästen an den Straßenrändern liegen weit näher an den Haushalten als die sogenannten Hauptverteiler, die meist kilometerweit entfernt sind und daher bestenfalls 16 Megabit als Übertragungsgeschwindigkeit zulassen. Die Telekom hat ihren Konkurrenten aber bisher nicht erlaubt, die Kabelverzweiger und die dorthin führenden Leerrohre mit zu nutzen. Die einzige Alternative, die KVZ zu erreichen, wäre das abermalige Aufreißen der Bürgersteige, was jedoch viel zu teuer wäre

          Breitbandausbau auf dem Land stockt

          Während die Bevölkerung in den Städten sich über ein noch schnelleres Internet freuen darf, stockt der Breitbandausbau auf dem Land. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2010 alle deutschen Haushalte mit einer Geschwindigkeit von 1 Megabit je Sekunde an das Internet anzuschließen, wird wohl verfehlt. "So wie wir jetzt ausbauen, werden wir das Ziel 2010 nicht erreichen - trotz Breitbandverbindungen über Mobilfunk", sagte Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, in München. Um die Anbindung ländlicher Regionen zu beschleunigen, hatte die Regierung gerade die Versteigerung zusätzlicher Funkfrequenzen erlaubt.

          Mit diesen Frequenzen können die Mobilfunkunternehmen dann schnelle Internetverbindungen auf dem Land ermöglichen, wo sich das Verlegen der Glasfaserkabel nicht lohnt. Möglicherweise werden die Mobilfunkunternehmen für die Anbindung der ländlichen Regionen aber auf die vierte Mobilfunkgeneration LTE warten, die Übertragungsgeschwindigkeiten von mehr als 100 Megabit je Sekunde ermöglicht. "LTE bietet sich für die Versorgung der ländlichen Regionen an", sagte Joussen. Die LTE-Technik wird allerdings bis zum kommenden Jahr noch nicht für den Einsatz im Massenmarkt fertig entwickelt sein.

          Sascha Lobo wirbt für Vodafone

          Parallel zu den Verhandlungen mit der Telekom hat Vodafone die Festnetztochtergesellschaft Arcor komplett integriert. Die Marke Arcor verschwindet weitgehend; allerdings bleibt der Hauptsitz in Eschborn bei Frankfurt wohl zum größten Teil erhalten. Nach 17 Jahren im deutschen Mobilfunkmarkt sieht Joussen nun den richtigen Zeitpunkt gekommen, "den Reset-Knopf zu drücken und uns neu zu erfinden". Vodafone baut dafür auf die "Generation Upload", also die Menschen, die sich aktiv an der Gestaltung des Web 2.0 beteiligen. Dafür hat Vodafone die prominenten Web-2.0-Macher Sascha Lobo und Robert Basic als Werbetestimonials verpflichtet und erstmals seine Pressekonferenz mit Hilfe des sozialen Netzwerks Facebook veranstaltet.

          Parallel zur Veranstaltung in Düsseldorf konnten die Facebook-Nutzer über das Ereignis chatten und auch Fragen stellen. Vodafone möchte mit der neuen Markenkampagne gerne die jungen Menschen erreichen, die mit ihren Mobiltelefonen Fotos hochladen, ihre Kontakte wie sozialen Netzwerke pflegen oder twittern. In den vergangenen Jahren hatte Vodafone den Kontakt zu dieser Zielgruppe verloren, auch wegen der hohen Tarife, die vor allem junge Menschen zu den Konkurrenten E-Plus und O2 getrieben haben.

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