https://www.faz.net/-gqe-xrv9

Schnäppchen-Portal Groupon : Eine Milliarde Dollar Umsatz mit Gutscheinen

Mit den Gutscheinen funktioniert das anders. Die werden von Groupon zwar übers Internet beworben, der Friseur selbst muss dazu aber gar nicht ins Internet, sondern kann alles per Telefon mit den Groupon-Mitarbeitern vereinbaren.Dabei verlangt Groupon erst einmal kein Geld dafür, dass der Friseur Gutscheine anbietet. „Es gibt bei dieser Art der Werbung keine Streuverluste“, sagt der Investor Sina Afra, der in der Türkei eine Firma nach dem Vorbild von Groupon finanziert. „Das Unternehmen zahlt nur für diejenigen, die auch tatsächlich in den Laden kommen“, sagt Afra – denn erst dann muss das Unternehmen etwas tun.

Deshalb ist der Gedanke, Kaufkraft zu bündeln, für Groupon inzwischen gar nicht mehr so wichtig. Viele Rabatte gewähren die Unternehmen schon vom ersten Kunden an. Inzwischen ist Groupon eher eine Werbeagentur, die ihre Klienten bekannt macht.

Den Unternehmer Raimund Bechtloff zum Beispiel. Er hat in Brühl bei Köln Menschen angeseilt Hauswände herunterlaufen lassen und dafür in zwei Aktionen 600 Gutscheine verkauft. Dieses Angebot müsse nämlich noch bekannt werden. Für den Klettergarten, den er im gleichen Ort betreibt, verkauft er keine Gutscheine mehr. „Wenn es erst mal läuft, lässt man die Gutscheine natürlich bleiben.“

Dazu kommt: In vielen Fällen sind die Gutscheine so klein, dass der Kunde im Laden noch mehr Geld ausgibt. Da fehlen im Restaurant die Getränke, oder der Gutschein fürs Möbelhaus ist so klein, dass er nur für einen Stuhl reicht. „Wir legen die Gutscheine so an“, sagt Mason im Interview. „Im Restaurant zum Beispiel geben die Kunden durchschnittlich ungefähr die Hälfte mehr aus als den Gutscheinwert.“

Weil das gerade für kleine, unbekannte Firmen praktisch ist, sind die Angebote für die Kunden bisher entsprechend. In Hamburg konnte man am Donnerstag zum Beispiel einen günstige Kosmetikbehandlung erstehen, einen Monat freien Eintritt ins Solarium verbilligt bekommen und einen Rabatt aufs Fitness-Studio. Nur gelegentlich gibt es Gutscheine von größeren Ketten, zum Beispiel von den Dorint-Hotels. Groupon-Gründer Mason gibt selbst zu, dass das Angebot einseitig ist. Er hofft darauf, dass mit der Zeit mehr unterschiedliche Firmen Gutscheine verkaufen. Dann könnte er dafür sorgen, dass weniger Angebote von Fitness-Studios bei den Kunden ankommen – dafür aber nur solche, die in der Nähe des Kunden liegen.

Google startet Konkurrenzdienst

In anderen Ländern hat das schon funktioniert. Dort gibt es mehr und beliebtere Inserenten. In Hongkong hat eine Fast-Food-Kette Gutscheine über 50 Hongkong-Dollar für 25 Hongkong-Dollar verkauft. In drei Tagen verkauften sie 70.000 solcher Gutscheine. In den Vereinigten Staaten schlug der Bekleidungsriese Gap an einem Tag 450.000 Gutscheine los.

Google hat jetzt reagiert. Nachdem Andrew Mason seine Firma nicht verkaufen wollte, startet Google in Amerika einen eigenen Konkurrenzdienst. Doch Online-Handels-Experte Jochen Krisch hält die Chancen der Nachahmer nicht für allzu groß. „Groupon hat Erfahrung, Vertriebspower und das Wissen, welche Angebote funktionieren. Hiergegen tun sich unerfahrene Mitbewerber schwer.“ Auch Google sei in keiner guten Position, denn Groupon arbeite mit viel Personal, mit dem es die kleinen Firmen betreue. Das sei Google nicht gewohnt. „Es gibt Themen, die Google eindeutig mehr liegen.“

Weitere Themen

Topmeldungen

Kündigt Sanktionen gegen die Türkei an: der amerikanische Präsident Donald Trump.

Stahlzölle steigen : Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

Washington hatte Ankara mehrfach gewarnt, nun macht die Regierung ernst: Die Strafzölle auf Stahl aus der Türkei sollen wegen der umstrittenen Militäroffensive der Türkei in Syrien auf 50 Prozent steigen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.