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SAP-Chef Kagermann : „Die IT-Branche muss nicht an den Tropf“

  • Aktualisiert am

SAP-Chef Kagermann: „Wir sind nicht ganz unerfahren im offensiven Umgang mit Krisen.” Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Heute beginnt in Darmstadt der IT-Gipfel. Die Branche trifft Kanzlerin Merkel und Wirtschaftsminister Glos. SAP-Chef Kagermann sieht die IT-Unternehmen nicht am Tropf des Staates „nicht heute und nicht morgen“, sagt er im F.A.Z.-Interview.

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          Der Staat dürfe nicht jedem Unternehmen unter die Arme greifen, das in der Krise steckt, meint Henning Kagermann. Mehr verspricht sich der SAP-Chef von Steuersenkungen und Investitionen in die Breitbandnetze. Für die Zukunft der Softwarebranche müsse aber auch mehr Geld in Bildung gesteckt werden.

          Herr Kagermann, Banken lassen sich vom Staat stützen, Autobauer betteln die Regierung um milliardenschwere Bürgschaften an. Was wird die Elite der deutschen Hochtechnologie von der Bundeskanzlerin auf dem dritten Nationalen IT-Gipfel in Darmstadt am Donnerstag alles fordern?

          Es gibt für uns keinen Grund, die Politik um etwas zu bitten, was sie uns nicht zu geben braucht. Denn ich sehe die IT-Branche nicht am Tropf der Regierung, nicht heute und nicht morgen. Die Hochtechnologie lebt an erster Stelle von Innovationen und guten Produkten, nicht von Staatshilfen. Natürlich werden wir auf dem IT-Gipfel über die aktuelle wirtschaftliche Lage reden. Doch vornehmlich werden wir der Bundeskanzlerin das zeigen, wovon wir glauben, dass es für die Zukunft des Standorts Deutschland wichtig ist.

          Die SAP-Firmenzentrale in Walldorf: Das Geschäft im Mittelstand läuft nur mäßig
          Die SAP-Firmenzentrale in Walldorf: Das Geschäft im Mittelstand läuft nur mäßig : Bild: dpa

          Was wird das sein?

          Hochtechnologie für den Alltag: Softwarebasierte Systeme zur Steigerung der Energieeffizienz etwa; oder ein rechnergestützter und robotergetriebener Katastrophenschutz; auch die Zukunft des Internets als eine umfassende Dienstleistungsplattform, unser Projekt „Theseus“, steht ganz oben auf der Agenda.

          Andere kämpfen in der Gegenwart um ihr wirtschaftliches Überleben, und Sie blicken in die ferne Zukunft und reden von Katastrophenschutz?

          Sicherheit ist immer eine Kernaufgabe, und innovative IT-Lösungen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Zugleich dürfen wir nicht aufhören, in die Zukunft zu investieren. Lassen Sie mich als studierten Physiker die gegenwärtige Lage mal so charakterisieren: Es gibt Zustände der Stabilität, und es gibt Zustände der Instabilität. Momentan haben wir einen Zustand der Instabilität. Es ist vieles extrem schnell und auch für mich unvorhergesehen stark in Bewegung geraten. Doch aus diesen Bewegungen wird sich eine neue Ordnung entwickeln. Das wird wieder zu Stabilität führen. Der springende Punkt ist: Wir wissen nur nicht, wann das sein wird.

          Glauben Sie, dass die Politik über kurz oder lang die Lage wieder stabilisieren kann?

          Natürlich. Das hat doch die Überwindung so vieler schwerer Wirtschaftskrisen in der Geschichte gezeigt, vom Platzen der Südsee-Bubble um 1720 bis zur Finanzkrise in Asien 1998. Das Alleinstellungsmerkmal der heutigen Krise ist einerseits die Globalisierung, andererseits die digitale Vernetzung. Wir haben quasi eine global vernetzte Krise. Wenn in New York eine Bank zusammenbricht, gefährdet das in Chinas Industrie Hunderttausende Arbeitsplätze. Diese weitreichenden Dominoeffekte hat es bislang nicht gegeben. Hier darf man die Technik nicht aus dem Auge verlieren, und das tut die Politik auch nicht. In den vergangenen Wochen hat sie in Deutschland und Europa sehr gut reagiert und sehr viel geleistet. Ich finde, die haben in Berlin, Brüssel und Frankfurt hervorragende Arbeit gemacht.

          Steht das Schlimmste aber nicht erst noch bevor? Rechnen Sie für das kommende Jahr mit einer Deflation?

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