https://www.faz.net/-gqe-ut6b

Rausch und Reue (3) : „Tokio Hotel“ und andere Pannen

Beyonce Knowles - mit ihr kann Sony BMG noch punkten Bild: AP

Der Zusammenschluss der Musiksparten von Bertelsmann und Sony hatte einen schwierigen Start. Der neue Musikriese kämpft mit selbst verursachten Pannen - nicht mit der Konkurrenz. Die freut sich, denn Sony-BMG verliert Marktanteile. Der dritte Teil der F.A.Z.-Serie zu Unternehmensfusionen.

          5 Min.

          Ausgerechnet „Tokio Hotel“: Bertelsmann hatte die deutsche Rockband erst aufgebaut, dann aber abrupt fallengelassen. Während die Magdeburger Jungstars vor drei Jahren ihre erste Platte aufnahmen, fädelten die Manager von Europas größtem Medienhaus die Fusion ihrer Musiksparte BMG mit der von Sony ein. Nachdem der neue Branchenriese Sony-BMG geboren war, zückte Europachef Maarten Steinkamp als Erstes den Rotstift. Sony-BMG sortierte zahlreiche Künstler aus.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Neben Altstars wie Udo Lindenberg fiel im Herbst 2004 auch die vielversprechende Schüler-Combo aus dem Osten dem Zusammenschluss zum Opfer. Zu hoch erschienen plötzlich die branchenüblichen Vorschüsse für die Künstler. Sie lagen bei einer halben Million Euro. Die vier Musiker suchten sich notgedrungen eine neue Plattenfirma. Im Frühjahr 2005 nahm sie Weltmarktführer Universal Music unter Vertrag. Heute sind „Tokio Hotel“ eine der kommerziell erfolgreichsten deutschen Nachwuchsbands. Selbst in Frankreich, das deutsche Musik normalerweise links liegenlässt, sind sie Teenager-Idole. Für den neuen Plattenriesen Sony-BMG war der Rausschmiss von „Tokio Hotel“ eine ärgerliche Fehlentscheidung. In der New Yorker Konzernzentrale flogen deshalb die Fetzen, in Deutschland einige Manager.

          Der neue Musikriese hatte einen schwierigen Start

          Das Missgeschick war freilich nur eine Episode in einer ganzen Pannenserie, die Sony-BMG seit der Gründung zu schaffen machte: Ein vom Unternehmen eingesetzter CD-Kopierschutz brachte den Konzern in den Vereinigten Staaten ins Visier der Datenschützer. Im Topmanagement tobte über Monate ein Personalstreit zwischen Bertelsmann und Sony, und seit vergangenem Sommer hat das Gemeinschaftsunternehmen auch noch Ärger mit der EU-Wettbewerbsaufsicht. In wichtigen Märkten purzelten derweil die Marktanteile. Mittlerweile holt das Unternehmen zwar auf, doch in Deutschland etwa liegt Sony-BMG noch immer unter dem addierten Anteil von BMG und Sony Music vor der Fusion. Weltmarktführer Universal profitierte davon. Keine Frage: Der neue Musikriese hatte einen schwierigen Start.

          Sony-BMG-Künstler Bruce Springsteen

          Begonnen hat alles vor fünf Jahren. Schon damals, zwei Jahre vor Gründung des Gemeinschaftsunternehmens, hatte der damalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff erstmals vorgefühlt. Im Tokioter Privathaus des damaligen Sony-Chairmans Idei lotete er eine Verschmelzung der Musiksparten beider Konzerne aus. Der Handlungsdruck war groß. Seit Jahren litt die gesamte Musikindustrie wegen Internet-Tauschbörsen wie Napster und eines Mangels an zugkräftigen Stars unter rapidem Umsatzschwund. Ein größerer Musikkonzern, so hofften Middelhoff und Idei, würde kostengünstiger arbeiten und so der Branchenkrise besser standhalten. Das Vorhaben war allerdings heikel. In den Jahren zuvor war bereits eine ganze Reihe von Fusionsplänen in dem von wenigen großen Konzernen kontrollierten Musikmarkt am Widerstand der Kartellbehörden gescheitert.

          Schmidt-Holtz musste den Millionendeal aushandeln

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kreuzung an der Taunustor Ecke Große Gallusstraße

          Brexit-Banker in Frankfurt : Liebe auf den zweiten Blick

          Der Goldman-Sachs-Banker Jens Hofmann ist wegen des Brexits von der Themse an den Main gezogen. Seiner Rückkehr in die Heimat kann er einiges abgewinnen – wie auch dem Wahlerfolg von Boris Johnson.
          Typischer Fall: Ein handelsüblicher Rauchmelder unter der Decke

          Nervig und nützlich : Wenn der Rauchmelder piept

          Seit rund fünf Jahren sind die meisten Deutschen mit Rauchmeldern in ihren Privatwohnungen konfrontiert. Und Konfrontation ist das richtige Wort. Es piept zur Unzeit. Immer wieder. Wir haben uns einmal umgehört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.