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: Private-Equity-Fonds neuer Großaktionär bei Mobilcom

  • Aktualisiert am

Franzosen gehen, Amerikaner kommen Bild: dpa

France Telecom trennt sich von beinahe ihrer gesamten Aktienbeteiligung am Mobilfunkanbieter Mobilcom. Die amerikanische Fondsgesellschaft Texas Pacific Group und der Investmentfond TPG-Axon steigen ein.

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          Rund zweieinhalb Jahre nach der Beinahe-Pleite des Mobilfunkdienstleisters Mobilcom verkauft der französische Großaktionär France Telecom den Großteil seiner Beteiligung an einen Finanzinvestor. Von dem amerikanischen Investmentfonds Texas Pacific (TPG) erhofft sich der Vorstand von Mobilcom Rückhalt für die geplante Fusion mit der Internet-Tochter Freenet.

          Der Private-Equity-Fonds TPG werde für 265 Millionen Euro insgesamt 27,3 Prozent an Mobilcom übernehmen, teilte France Telecom am Montag in Paris mit. Damit zieht sich der Konzern vom deutschen Telekommunikationsmarkt zurück, auf dem er vor nahezu fünf Jahren mit Mobilcom als Partner angetreten war. „France Telecom schließt das Buch über den deutschen Markt", sagte Finanzdirektor Michael Combes in Paris. France Telecom hatte nach Angaben von Mobilcom zuletzt 29,1 Prozent an dem Unternehmen aus Büdelsdorf gehalten. Ein Verkauf der Anteile war seit längerem erwartet worden, da France Telecom die Beteiligung nur noch als Finanzinvestment betrachtete.

          Auf der Hauptversammlung hatten die Aktionäre gegen den Willen des Vorstands vor kurzem beschlossen, France Telecom auf Schadenersatz in Milliardenhöhe zu verklagen. Mobilcom begrüßte den Anteilserwerb. Der Einstieg festige die Aktionärsstruktur. Das Management des zweitgrößten deutschen Wiederverkäufers von Mobilfunk-Verträgen hob hervor, daß TPG die geplante Verschmelzung der mobilcom AG mit der freenet.de AG sehr positiv bewerte. Der Freenet-Vorstand hat mehrfach Bedenken gegen die Eingliederung der Festnetz- und Internet-Tochter geäußert, die Mobilcom-Vorstandschef Torsten Grenz vorantreibt.

          Positives Analysten-Echo

          Auch Branchenexperten werteten den Erwerb positiv. „Jetzt ist klar, daß keine großen Stücke über die Börse verkauft werden, was den Kurs belastet hätte", sagte Jochen Reichert vom Analysehaus SES Research. Texas Pacific betrachte Mobilcom wohl als strategische Investition betrachtet und wolle die Anteile nicht kurzfristig wieder verkaufen. Mobilcom müsse nicht mehr restrukturiert werden. Das Unternehmen könne durch die Fusion mit Freenet weitere Kraft entfalten.

          Vor gut zweieinhalb Jahren hatte ein Streit zwischen France Telecom mit dem Unternehmensgründer und damaligen Großaktionär Gerhard Schmid das norddeutsche Unternehmen an den Rand der Pleite gebracht. In einem Vergleich erklärte sich France Telecom schließlich zur Übernahme der Milliardenschulden des einstigen Partners bereit. Mit finanzieller Unterstützung der France Telecom hatte Mobilcom im August 2000 für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk ersteigert. Als den Franzosen der von Schmid eingeschlagene Kurs zu riskant erschien, stellten die Franzosen die Unterstützung ein.

          Schmid mußte sich aus dem Unternehmen zurückziehen. Er kämpft um sein früheres Vermögen. Auf der Hauptversammlung im April hatten die Aktionäre, zu denen auch Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram gehört, gegen den Willen von Vorstand und Aufsichtsrat durchgesetzt, im Zusammenhang mit der Trennung Schadensersatzansprüche gegen France Telecom in Milliardenhöhe geltend zu machen. Mobilcom erklärte, TPG übernehme selbst 18,2 Prozent der Anteile, die mit dem Fonds verbundene Investmentgesellschaft TPG-Axon erwerbe weitere 9,1 Prozent. TPG ist in Deutschland unter anderem beim Badarmaturen-Hersteller Grohe engagiert, im Telekom-Sektor gehören dem Finanzinvestor Anteile an TIM Hellas und Eutelsat. Im späten Parketthandel legten Mobilcom-Aktien mehr als drei Prozent auf 15,88 Euro zu. „Offensichtlich sehen die Anleger den Einstieg von Texas Pacific positiv und auch deren Unterstützung der MobilCom-Pläne, Freenet zu kaufen", sagte ein Händler.

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