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Softwareunternehmen Palantir : Peter Thiels Zauberkugel hilft Donald Trump

  • Aktualisiert am

Peter Thiel sitzt am 14. Dezember neben Donald Trump während des Treffens mit der Technologiebranche. Bild: Reuters

Palantir heißt ein geheimnisvolles Unternehmen aus dem Silicon Valley, das zum Beispiel Nachrichtendienste zu seinen Kunden zählt. Auch die neue Regierung in Amerika ist daran wohl interessiert.

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          Palantir ist eines der geheimnisvollen Unternehmen aus dem Silicon Valley, das immer wieder Schlagzeilen macht. Geheimdienste kaufen die Leistungen dieser Firma ein - was sie genau macht und wie, verrät sie öffentlich allerdings nicht wirklich. Es geht darum, große Datenmengen so auszuwerten und zu komprimieren, dass Behörden damit arbeiten können. Ein Produkt heißt Palantir Gotham. Es soll in der Terror-Abwehr helfen.

          Zu den ganz frühen Investoren in diese Unternehmung gehört beispielsweise die Wagniskapital-Gesellschaft des  amerikanischen Geheimdienstes CIA. Mehr Geld steckte ein in Deutschland geborener Internetunternehmer in diese Idee: Peter Thiel.

          Der Paypal-Gründer und durch eine frühe Beteiligung an Facebook zum Milliardär gewordene 49 Jahre alte Investor ist jüngst noch bekannter geworden. Er hat als einziger sehr prominenter Vertreter der amerikanischen Technologiebranche aktiv Donald Trump im Wahlkampf unterstützt. Seit dem Wahlsieg ist er ein wichtiger Berater des Präsidenten, wenn es um Technologie geht. Und er sucht offenbar auch federführend Personal für manch wichtige Position in der Regierung aus – nach einem Bericht der Internetseite „The Hill“ zum Beispiel den Leiter der Kartell-Abteilung im Justizministerium.

          Palantir-Vorstandschef Alex Karp ist am 14. Dezember im Trump-Tower mit dabei. Bilderstrecke
          Palantir-Vorstandschef : Palantir-Vorstandschef

          Thiel war es auch, der ein erstes Treffen zwischen Anführern mächtiger amerikanischer Internetunternehmen und dem neuen Präsidenten arrangierte. Dabei waren neben Thiel etwa der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook sowie führende Manager von Facebook, Amazon und Google zugegen. Zu diesem sehr exklusiven Kreis im Trump-Tower gehörte allerdings mit Alex Karp auch der Chef eines kleineren, in der breiten Öffentlichkeit deutlich weniger bekannten Unternehmens: Palantir Technologies. Das ist ein Indiz dafür, wie bedeutend die Firma offenbar auch in der Trump-Regierung sein dürfte.

          Ehemaliger Palantir-Lobbyist im Verteidigungsministerium

          Ein anderes ist eine neue Personalie, durch die ein früherer Mitarbeiter des Unternehmens nun eine einflussreiche Position in der Regierung bekommt. Justin Mikolay, der für Palantir einige Jahre Lobbyarbeit gegenüber der Regierung betrieben hat, wird Sonderberater des amerikanischen Verteidigungsministers James Mattis im Pentagon – eines Ministeriums, das über ein enormes Budget verfügt. Nach einem Bericht der Internetseite „Buzzfeed“ gehört Mikolay damit einem kleinen Kreis von Personen an, die den Minister auf Treffen mit Alliierten und auf Besprechungen im Weißen Haus vorbereiten.

          Mikolay war demnach bislang auch in die Bestrebungen von Palantir eingebunden, einen Auftrag vom Pentagon im Volumen von 200 Millionen Dollar zu erhalten, in dem es darum geht, Daten für Soldaten auf dem Schlachtfeld zu verarbeiten. Ein Sprecher des Pentagon erklärte nun, dass er in seiner neuen Tätigkeit für den Verteidigungsminister nichts mit Geschäften mit Palantir zu tun haben werde.

          Palantir verdreifacht Erlöse in Europa

          Für Mikolay ist dies nicht die erste Anstellung in der machtvollen Behörde. Er arbeitete dort schon einmal als Redenschreiber für den früheren Verteidigungsminister Leon Panetta. Der amtierende Minister Mattis wiederum stand amerikanischen Medienberichten zufolge auf der Gästeliste von Mikolays Hochzeit im Jahr 2013.

          Palantir wiederum macht längst nicht mehr nur Geschäfte mit öffentlichen Auftraggebern und auch nicht nur in Amerika. In den vergangenen drei Jahren hätten sich die Erlöse in Europa verdreifacht, sagte kürzlich Firmenchef Alex Karp gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg. Außerhalb der Vereinigten Staaten sei Europa die am schnellsten wachsende Region für die Firma. Dem Bericht zufolge gehören große Unternehmen wie der Ölkonzern BP, die Deutsche Bank, die Credit Suisse und der Versicherer Axa zu den Kunden. Neu hinzugekommen sind gerade erst der Flugzeughersteller Airbus und in Deutschland das Pharmaunternehmen Merck.

          Der Name Palantir ist übrigens angelehnt an die Fantasy-Romane des berühmten Autoren J.R.R. Tolkien (Herr der Ringe). Dort sind sie „sehende Steine“, mit denen ihre Besitzer große Macht ausüben können. Das Londoner Büro heißt zudem mit „Grey Havens“ so wie ein wichtiger Hafen in der Tolkien-Sagenwelt.

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